Machbar und sicher: Same-Day-Discharge nach Katheterablation

Symbolfoto: ©Yakobchuk Olena/stock.adobe.com

Der Trend zur Entlassung am selben Tag nach Katheterablation erreicht Deutschland: Erste Daten aus Lübeck zeigen, dass der Same-Day-Discharge bei sorgfältig ausgewählten Patienten ebenso sicher und praktikabel ist wie ein klassischer Übernachtungsaufenthalt.

von Dr. Aileen Hochhäuser

In anderen Ländern (USA und Großbritannien) ist der Same-Day-Discharge nach Katheterablation bereits Standard. Auch an deutschen Kliniken werden mehr und mehr Patienten am Tag der Katheterablation zur Behandlung einer Herzrhythmusstörung entlassen. Eine der ersten Kliniken, die hierzulande den Same-Day-Discharge nach Katheterablation eingeführt hat, war im September 2022 die Klinik für Rhythmologie am Universitären Herzzentrum Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH).

Auf der 92. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) präsentierte Dr. Sorin S. Popescu im Rahmen einer Late-breaking-clinical-Trials-Session Studiendaten zu den ersten 100 Patienten der Klinik, die noch am gleichen Tag entlassen wurden. Demnach ist der Same-Day-Discharge für ausgewählte Patienten sicher und machbar, mit vergleichbaren Komplikationsraten wie bei einer Entlassung am nächsten Tag (Overnight-Stay).

Beobachtungsstudie vergleicht Same-Day-Discharge und Overnight-Stay

Bei der vorgestellten Studie handelt es sich um eine prospektive, monozentrische Beobachtungsstudie. Inkludiert wurden 100 konsekutive Patienten, die zwischen September 2022 und März 2025 eine Same-Day-Discharge-Katheterablation für verschiedene Arrhythmien bekommen haben. Diese wurden gematcht mit 100 Patienten, die sich im gleichen Zeitraum einer Vorhofflimmerablation mit Overnight-Stay unterzogen.

Die Selektionskriterien für einen Same-Day-Discharge nach Katheterablation waren wie folgt:

  • Alter unter 80 Jahre
  • Kein starkes Übergewicht (Body-Mass-Index < 40 kg/m²)
  • Keine obstruktive Schlafapnoe (OSA) oder gut kontrollierte OSA mit CPAP-Therapie
  • Psychologisch stabile Patienten mit einem Verständnis für die geplante Prozedur und die anschließende Versorgung
  • Einwilligung des Patienten zur Same-Day-Discharge
  • Verantwortliche erwachsene Begleitperson für den Transport nach Hause sowie für die anschließende häusliche Versorgung über 24 Stunden
  • Intervention muss bis 14:00 Uhr abgeschlossen sein
  • Telefonische Erreichbarkeit
  • Wohnsitz oder Übernachtungsmöglichkeit im Umkreis von 50 km zur Klinik.

Neben der Vorhofflimmerablation (71 %) wurden auch Katherablationen zur Behandlung einer AV-Knoten-Reentrytachykardie, AV-Reentrytachykardie oder von ventrikulären Extrasystolen vorgenommen, sowie cavotrikuspidale Isthmus(CTI)-Ablationen mit und ohne VHF-Ablation.

Same-Day-Discharge-Patienten tendenziell jünger und gesünder

Bereits die Basisdaten zeigten einen Unterschied zwischen den Gruppen: „Die Same-Day-Discharge-Patienten waren jünger, hatten seltener koronare Herzerkrankungen, seltener nicht-paroxysmales Vorhofflimmern, seltener chronische Niereninsuffizienz und einen geringeren CHA2-DS2-VASc-Score“, erläuterte Popescu die wichtigsten Differenzen.

Hinsichtlich der Prozedur wurde bei Same-Day-Discharge-Patienten, die eine Vorhofflimmerablation erhielten, weitaus häufiger auf eine Pulsed-Field-Ablation vorgenommen (31,0 % vs. 5,6 %). Bei Overnight-Stay-Patienten kam die Radiofrequenzablation häufiger zur Anwendung (38,0 % vs. 11,3 %). Zudem erfolgte bei weitaus mehr Same-Day-Discharge-Patienten nur eine Punktion der Leiste (21 % vs. 3 %), bei Overnight-Stay-Patienten häufiger bis zu vier Punktionen (27 % vs. 4 %). Schließlich wurde bei fast doppelt so vielen Patienten der Same-Day-Discharge-Gruppe ein Verschlusssystem für die Hämostase nach Leistenpunktion verwendet (43 % vs. 24 %). Die Zeit bis zur Entlassung betrug für die Same-Day-Discharge-Patienten im Durchschnitt 5,5 Stunden.

Keine Unterschiede hinsichtlich Komplikationen und 30-Tage-Follow-up

Der Vergleich der beiden Gruppen hinsichtlich der Komplikationen innerhalb der ersten 24 Stunden nach Ablation und des 30-Tage-Follow-ups ergab keine signifikanten Unterschiede. Die häufigsten Komplikationen waren jene in der Leistenregion (10 in der Same-Day-Discharge-Gruppe und 14 in der Overnight-Stay-Gruppe). Popescu betonte ferner, dass kein Patient der Same-Day-Discharge-Gruppe am ersten postprozeduralen Tag in die Klinik aufgenommen werden musste. Auch mit Blick auf die Follow-up-Daten der folgenden 30 Tage zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen bezüglich Vorstellungen in der Notaufnahme, ungeplanten ambulanten Vorstellungen und Hospitalisierungen. „Der häufigste Grund für eine Vorstellung waren in der Regel entweder Palpitationen oder ein Rezidiv der Herzrhythmusstörung“, präzisierte Popescu.

„In dieser prospektiven Studie war Same-Day-Discharge sicher und machbar für ausgewählte Patienten“, fasste der Mediziner zusammen. Damit ergänzen die Daten andere Beobachtungsstudien, die zu dem gleichen Ergebnis kamen. Bislang fehlt allerdings eine prospektive, randomisierte Studie, die die Sicherheit des Vorgehens im Vergleich zum Overnight-Stay bestätigt. Eine solche hat die Klinik für Rhythmologie am Universitären Herzzentrum Lübeck, UKSH, im letzten Jahr gestartet. Unter Leitung von Prof. Roland Tilz (Principal Investigator) und Dr. Sorin Popescu (Co-Principal Investigator) wird die Studie SHAzAM-AF derzeit in Lübeck sowie in zehn weiteren europäischen elektrophysiologischen Zentren mit Vorhoffllimmer-Patienten durchgeführt.

So gelingt die Entlassung am selben Tag

Wie geht man an der Universitären Herzzentrum Lübeck vor, um eine Entlassung am Tag der Katheterablation gewährleisten zu können? Popescu hob hervor, dass neben der ausführlichen Patientenaufklärung eine Anpassung der Prozeduren relevant ist. Dazu gehört eine häufigere Verwendung eines Verschlusssystems für die Leiste, um das Blutungsrisiko zu reduzieren, aber auch ultraschallgesteuerte Punktionen, die das Risiko für vaskuläre Komplikationen verringern und eine geringe Sedierung, um eine schnelle Erholung nach dem Eingriff zu ermöglichen. Auch den Aufwachraum hat man sich an der Klinik vorgenommen. Hier gibt es nun eine speziellen Sitzbereich. In diesem nehmen die Patienten nach dem Aufstehen (etwa ein bis zwei Stunden nach der Prozedur) unter weiterem Monitoring platz, bevor Sie nach Hause entlassen werden.