Malnutrition Awareness Week: Gemeinsam gegen Mangelernährung25. Oktober 2023 Foto: © pololia/stock.adobe.com 20 bis 30 Prozent aller Klinikpatienten in Deutschland sind von Mangelernährung und damit von einer verschlechterten Prognose betroffen. Doch die schlechte Ernährungssituation wird häufig übersehen oder nicht angemessen behandelt. Die Gründe für mangelnde Identifizierung von Betroffenen und ein entsprechendes Eingreifen sind laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) insbesondere fehlendes Ernährungswissen in medizinischen Fachberufen, sowie eine unzureichende Vergütung von ernährungsmedizinischen Maßnahmen im stationären und ambulanten Bereich. Die DGEM setzt sich für die Aufklärung über Mangelernährung und deren schwerwiegenden Folgen ein. In der Woche vom 6. bis 10. November macht die Fachgesellschaft im Rahmen der europaweiten „Malnutrition Awareness Week“ gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern auf die Problematik der krankheitsbezogenen Mangelernährung aufmerksam. „Mangelernährung ist ein Problem, das die Lebensqualität und Gesundheit von vielen Menschen beeinträchtigt, wobei sie vor allem die Prognose schwerkranker Menschen erheblich verschlechtert“, betont Prof. Matthias Pirlich, Präsident der DGEM. Mangelernährung erhöht die Komplikationsrate, mindert die Lebensqualität und treibt die Behandlungskosten in die Höhe. Besonders betroffen sind Menschen mit chronischen und schweren Erkrankungen sowie ältere Menschen. „Gerade während der Corona-Pandemie wurde offensichtlich, wie dringend eine adäquate Ernährungsversorgung notwendig ist – die Sterblichkeit während einer Klinikbehandlung war um mehr als das Dreifache erhöht“, erklärt der Experte. Doch die gute Nachricht ist: Effektive ernährungstherapeutische Maßnahmen sind nachweislich kostengünstig umzusetzen. Ein standardisiertes Risiko-Screening und die damit verbundene qualifizierte ernährungsmedizinische Betreuung sind Schlüsselkomponenten, um Mangelernährung vorzubeugen und gezielt zu behandeln. In der „Vienna Declaration“ haben über 75 internationale Organisationen und wissenschaftliche Fachgesellschaften postuliert, dass eine effektive Ernährungsversorgung zum Grundrecht auf Nahrung und dem Recht auf Gesundheit gehört. „Alle Menschen haben ein Recht auf Zugang zu Nahrungsmitteln und einer evidenzbasierten medizinischen Ernährungstherapie – egal in welchem Setting. Nur so können wir Mangelernährung und die damit einhergehende Morbidität und Mortalität überwinden. Es ist längst Zeit, dieses Prinzip auch in deutschen Kliniken umzusetzen, das unterschätzte Problem der Mangelernährung in den Fokus zu rücken und lebenswichtige Maßnahmen zu etablieren“, unterstreicht Dr. Nicole Erickson, Wissenschaftliche Koordinatorin des interdisziplinären Zentrums für Ernährungsmedizin sowie Koordinatorin für Gesundheitskompetenz am Krebszentrum des Klinikums der Universität München. Die „Malnutrition Awareness Week“ ist Teil der ONCA-Initiative (Optimal Nutritional Care for All) und zielt darauf ab, evidenzbasierte Therapieansätze für Mangelernährung im Gesundheitswesen zu etablieren.
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