Management der nosokomialen Pneumonie nach europäischer Leitlinie senkt Mortalität

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Bei Patienten mit nosokomialer Pneumonie auf der Intensivstation lässt sich durch Einhaltung europäischer Leitlinienempfehlungen die Mortalität der Betroffenen senken – solange kein septischer Schock vorliegt.

Für das Management der stationären bzw. beatmungsassoziierten Pneumonie wird ein Algorithmus für die Verschreibung empirischer antimikrobieller Therapien empfohlen, der auf der Anamnese, den lokalen Bedingungen und dem Schweregrad (septischer Schock oder nicht) basiert. Mit Bezug auf die entsprechende Leitlinie der European Respiratory Society, der European Society of Intensive Care Medicine, der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases sowie der Latin American Thoracic Association aus dem Jahr 2017 haben die Verfasser einer aktuellen Arbeit nun untersucht, ob diese Empfehlungen ausreichen, um die Inzidenz unerwünschter Ergebnisse bei Patienten mit nosokomialer Pneumonie auf der Intensivstation zu senken.

Ihr Ergebnis: Bei Einhaltung des Behandlungsalgorithmus aus der Leitlinie lasse sich zwar die Mortalität bei Patienten ohne septischen Schock wirksam reduzieren – nicht aber bei Personen, bei denen zum Zeitpunkt der Pneumoniediagnose ein septischer Schock vorliegt. In zukünftigen Studien gelte es daher zu klären, ob Anpassungen der Leitlinie notwendig sind.

Die Wissenschaftler aus Spanien, Italien und Irland bewerteten den Nutzen des Leitlinien-Algorithmus, indem sie die Behandlungs-Outcomes mit und ohne Einhaltung der Empfehlungen in einer Population mit hohem Risiko für Multiresistenz und Mortalität verglichen. Dafür analysierten sie retrospektiv Daten einer prospektiven Kohorte von 507 Patienten aus sechs Intensivstationen. Dabei schlossen sie nur Patienten mit mikrobiologisch bestätigter Pneumonie in ihre Untersuchung ein.

Als primärer Endpunkt diente die 28-Tages-Mortalität, während die 90-Tages-Mortalität, die Mortalität auf der Intensivstation, unzureichende Behandlung, Therapieversagen und Überbehandlung sekundäre Endpunkte bildeten.

Die Wissenschaftler nahmen 315 Patienten in ihre Analyse auf und stellten fest, dass die Outcomes in den Gruppen mit und ohne leitlinienkonforme Therapie vergleichbar waren. Eine Ausnahme bildete dabei allerdings die Überbehandlung, die bei Einhaltung der Leitlinien in höherem Ausmaß beobachtet wurde (42,5 % vs. 66,3 %; p<0,001).

In der Subgruppe der Patienten, die keinen septischen Schock erlitten und entsprechend der Leitlinie behandelt wurden, sanken sowohl die Mortalität auf der Intensivstation (28,8 % vs. 14,5 %; p=0,031) als auch die adjustierte 28-Tages-Mortalität (HR 3,07; 95%-KI 1,13–7,85; p=0,027).

Im Gegensatz dazu beobachteten die Autoren keinen Nutzen eines leitlinienkonformen Vorgehens, wenn bei den Patienten zum Zeitpunkt der Pneumoniediagnose auch ein septischer Schock vorlag.

(ac/BIERMANN)