Marburger Bund fordert besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen

Die Delegierten des Marburger Bundes wollen Kinder und Jugendliche besser schützen – insbesondere vor Alkohol- und Social-Media-Süchten. (Foto: Alexa – Pixabay)

Zum Auftakt der 147. Hauptversammlung in Hannover hat der Marburger Bund sich für deutlich strengere Regelungen beim Zugang zu Alkohol und ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ausgesprochen.

Der Verkauf hochprozentiger alkoholischer Getränke solle ausschließlich in lizenzierten, spezialisierten Verkaufsstellen („Alkoholshops“) erfolgen. Supermärkte, Tankstellen und Kioske sollten keinen hochprozentigen Alkohol mehr anbieten dürfen, forderte die 147. Hauptversammlung des größten deutschen Ärzteverbandes in Hannover.

Alkoholkonsum gehöre zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Deutschland. Besonders junge Menschen müssten besser geschützt werden. Früh etablierte Konsummuster erhöhten nachweislich das Risiko für spätere Abhängigkeitserkrankungen sowie gesundheitliche und soziale Folgeschäden.

Der Marburger Bund unterstützt deshalb auch die Gesetzespläne des Bundesfamilienministeriums, das sogenannte „begleitetes Trinken“ für Jugendliche ab 14 Jahren abzuschaffen. Damit soll eine Ausnahmeregelung gestrichen werden, die den Kauf und Konsum von Bier, Wein und Sekt in Begleitung einer sorgeberechtigten Person auch mit 14 oder 15 Jahren erlaubt.

Internationale Erfahrungen zeigten, dass höhere Altersgrenzen und strengere Verkaufsregulierungen den Alkoholkonsum signifikant senken und insbesondere Jugendliche wirksam schützen können, betonten die Delegierten.

Der Marburger Bund spricht sich darüber hinaus für eine bundesweite, langfristig angelegte Präventionsstrategie aus, die folgende Elemente umfasst: Aufklärungskampagnen, die Stärkung der Suchtprävention in Schulen, den Ausbau niedrigschwelliger Beratungsangebote und die Förderung wissenschaftlicher Forschung.

Social-Media-Angebote ohne süchtig machende Funktionen

Darüber hinaus fordert der Marburger Bund die Bundesregierung und die Bundesländer dazu auf, umfassende Maßnahmen zum Gesundheitsschutz von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf Social Media zu ergreifen. Für Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren sollte ein allgemeines Social-Media-Angebot gelten, forderte die Hauptversammlung des Ärzteverbandes.

Bund und Länder müssten die suchterzeugende Wirkung von Social-Media-Angeboten anerkennen und umfassende gesundheitliche Aufklärung betreiben. Die Plattformbetreiber sollten Social-Media-Angebote nur ohne süchtig machenden Funktionen betreiben dürfen. Zudem müssten sie offenlegen, wie die angewandten Algorithmen ihrer Social Media-Angebote funktionieren. Es bedürfe einer klaren gesetzlichen Regulierung zur Haftung von Plattformbetreibern, die zugleich auch Beschränkungen von Social-Media-Angeboten ermögliche, fordert der Marburger Bund.

Darüber hinaus müssten die Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit Social Media gestärkt werden. Die Bundesregierung sollte sich bei der Gesetzgebung an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation orientieren und eng mit den europäischen Partnern zusammenarbeiten, um eine einheitliche und europaweite Strategie zu entwickeln, appellierten die Delegierten.