MCC: Städtische Umweltzonen senken Ausgaben für Herztabletten und Asthmasprays22. Mai 2020 Foto: © stockpix4u/Adobe Stock In mittlerweile 58 deutschen Städten wird schadstoffintensiven Pkw, Lkw und Bussen in Umweltzonen die Einfahrt verwehrt. Eine empirische Studie unter Federführung des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC belegt jetzt bessere Luftqualität und einen volkswirtschaftlichen Nutzen solcher Maßnahmen. Die Studie basiert auf Luftqualitätsmessungen des Umweltbundesamts sowie den anonymisierten Arzneimittelausgaben der größten Krankenkasse AOK für 2,7 Millionen Versicherte. Das Forschungsteam analysierte für den Zeitraum 2008 bis 2013 den Schadstoffausstoß und den Arzneimittelverbrauch nach Einführung von Umweltzonen – sowohl relativ zum Stand vor der Einführung als auch zur Situation in strukturell ähnlichen Städten mit erst später eingeführter Umweltzone. Um die kausale Wirkung sauber herauszufiltern, sind beim Städtevergleich statistische Störeffekte etwa durch Wetterlagen und regionale Wirtschaftsentwicklung herausgerechnet. „Wir konnten zeigen, dass die Einführung von Umweltzonen die Konzentration von Feinstaub der Partikelgröße PM10 im Durchschnitt um 5,9 Prozent gesenkt hat“, berichtet Nicolas Koch, Senior Researcher am MCC und Leitautor der Studie. „Zudem wurden in den Städten mit Umweltzone jährlich 15,8 Millionen Euro Ausgaben für Arzneien gegen Herz- und Atemwegserkrankungen eingespart.“ Jedes der 200.000 älteren Diesel-Fahrzeuge, die nicht einmal die hohen Schadstofflimits für die „rote Plakette“ erfüllten, hätten technisch nachgerüstet werden müssen – wofür in der Regel 600 Euro gereicht hätten, so das MCC. Die dadurch entstandenen Kosten von insgesamt 120 Millionen Euro wären laut dem Institut durch die jährlich 15,8 Millionen Euro an Arzneimittel-Einsparungen, Zinseffekt mitgerechnet, binnen eines Jahrzehnts gegenfinanziert. Und der Nutzen der Umweltzonen ist damit nur zu einem kleinen Teil erfasst, betont das MCC. Denn beziffert wurde eben nur, was man belastbar in Euro und Cent bei verschreibungspflichtigen Medikamenten erfassen kann. Arzneimittel machten insgesamt nur 17 Prozent der Kosten des öffentlichen Gesundheitswesens aus, erklärt das MCC. Außer Betracht blieben weitere Gesundheitsausgaben für die ärztliche Versorgung, die häufig betrachteten bedeutsamen Effekte auf verfrühte Sterblichkeit und auch die nachweislich positiven Effekte besserer Luftqualität auf individuelle Leistungsfähigkeit, Produktivität und Bildungserfolg. Zudem falle der Blick eben nur auf die Einführungsphase, die besonders schadstoffintensive alte Fahrzeuge betraf. „Unser Forschungsansatz ermöglicht auch für die Zukunft eine rationale Kosten-Nutzen-Analyse“, sagt MCC-Forscher Koch. „Etwa mit Blick auf die Diskussion um eine weitere Verschärfung durch eine blaue Plakette.“
Mehr erfahren zu: "Europäische Studie zur Darmkrebsvorsorge: Kontrollkoloskopie nach fünf Jahren könnte ausreichen" Europäische Studie zur Darmkrebsvorsorge: Kontrollkoloskopie nach fünf Jahren könnte ausreichen Nach der Entfernung von Hochrisiko-Adenomen wird derzeit häufig bereits nach drei Jahren eine Kontrollkoloskopie empfohlen. Eine große europäische Studie zeigt nun: Eine erste Kontrolle nach fünf Jahren war hinsichtlich des […]
Mehr erfahren zu: "Neue Malariafälle in Frankfurt: Untersuchungen werden ausgeweitet" Neue Malariafälle in Frankfurt: Untersuchungen werden ausgeweitet Nach Malariaerkrankungen bei Mitarbeitenden des Frankfurter Flughafens sind nun auch Menschen in einem nahe gelegenen Stadtteil erkrankt. Das Gesundheitsamt weitet seine Untersuchungen daher aus und hat eine Telefon-Hotline eingerichtet.
Mehr erfahren zu: "So bereiten sich Menschen mit Diabetes auf ihren Krankenhausaufenthalt richtig vor" So bereiten sich Menschen mit Diabetes auf ihren Krankenhausaufenthalt richtig vor Menschen mit Diabetes sollten einen Krankenhausaufenthalt gut vorbereiten und ihre Erkrankung bereits bei der Aufnahme aktiv ansprechen. Denn auch wenn Diabetes nicht der eigentliche Aufnahmegrund ist, kann die Stoffwechselerkrankung einen […]