Medikamenteneinnahme: Die Wahl der Flüssigkeit spielt eine Rolle für die Wirksamkeit12. Juni 2026 Abbildung/KI-generiert: Yassine/stock.adobe.com Laut einer neuen Studie von Forschenden der Semmelweis-Universität können bestimmte alkalische Mineral- und Heilwässer den magensaftresistenten Überzug von Medikamenten bereits innerhalb weniger Minuten schwächen und so deren Wirksamkeit potenziell verringern. Die in „Pharmaceutics“ veröffentlichte Studie ergab, dass eine vorzeitige Freisetzung des Wirkstoffes bereits im Magen – anstatt im Darmtrakt – die Wirksamkeit bestimmter Medikamente (etwa gegen Reflux, zum Magenschutz, bei psychischen Erkrankungen oder entzündungshemmende Schmerzmittel) mindern oder im Extremfall sogar vollständig aufheben kann. Die Wissenschaftler analysierten, wie sich 22 häufig konsumierte Getränke auf magensaftresistente Medikamente auswirken. Sieben davon – darunter verschiedene Mineral- und Heilwässer, Leitungswasser, gefiltertes Wasser und Apfelsaft – wurden unter Laborbedingungen eingehend untersucht. Raschere Auflösung der Schutzschicht durch manche Flüssigkeiten Alkalische Wässer mit hohem Mineralstoffgehalt verursachten die stärksten Veränderungen an der Schutzschicht, die die wirkstoffhaltigen Partikel umhüllt. Den Forschenden zufolge trugen neben der Alkalität des Wassers auch dessen hoher Mineralstoff- und Ionenanteil zur schnelleren Auflösung der Schutzschicht bei – ein Effekt, der bei einigen Heilwässern besonders ausgeprägt war. In einigen Fällen begann sich der magensaftresistente Überzug bereits nach fünf Minuten aufzulösen; nach einer Einwirkzeit von 15 bis 30 Minuten waren bereits mehr als 90 Prozent des Wirkstoffes vorzeitig freigesetzt worden. Nicht davon ausgehen, dass Patienten immer Leitungswasser verwenden Im Gegensatz dazu verursachten in der Untersuchung saurere Flüssigkeiten weniger Schäden am magensaftresistenten Überzug der Medikamente. Bei Apfelsaft beispielsweise wurde zu Beginn der Tests kaum eine vorzeitige Wirkstofffreisetzung beobachtet, was darauf hindeutet, dass die Schutzschicht wesentlich stabiler blieb als bei alkalischen Wässern. „Das kleine Wirkstoffpartikel weiß nicht, ob es sich bereits im Darm befindet oder noch in einem Glas liegt. Wenn der pH-Wert der Umgebung ähnlich ist, kann sich der Überzug auf die gleiche Weise aufzulösen beginnen. Fachkräfte im Gesundheitswesen gehen im Allgemeinen davon aus, dass Medikamente mit einfachem Leitungswasser eingenommen werden. Für Patienten ist dies jedoch angesichts der großen Auswahl an Mineral- und Heilwässern auf dem Markt heute nicht immer selbstverständlich“, erklärt Dr. Nikolett Kállai-Szabó, außerordentliche Professorin an der Fakultät für Pharmazeutische Wissenschaften der Semmelweis-Universität und Senior-Autorin der Studie. Medikamenten beigefügte Fachinformationen sind nicht immer hilfreich Die Forschenden analysierten zudem die Fachinformationen von 103 magensaftresistent überzogenen Medikamenten. In 42 Fällen war in der Anleitung nicht angegeben, welche Flüssigkeit für die Einnahme verwendet werden sollte. Weitere 31 nannten lediglich „Flüssigkeit“, während 21 ohne nähere Erläuterung schlicht von „Wasser“ sprachen. Nur neun Fachinformationen enthielten konkrete Hinweise darauf, mit welchem Getränk das Medikament eingenommen oder vermischt werden sollte – etwa mit Apfelsaft oder einer anderen leicht sauren Flüssigkeit. Dies kann besonders für Menschen wichtig sein, die aufgrund von Schluckbeschwerden Hartkapseln öffnen und deren Inhalt mit Flüssigkeiten, Joghurt oder Apfelmus vermischen. Ältere Menschen, Kinder sowie Patienten mit vorübergehenden Halsschmerzen oder Schluckbeschwerden befinden sich häufiger in einer solchen Situation. „In der Apotheke erleben wir regelmäßig, dass vielen Patienten nicht bewusst ist, wie wichtig es ist, womit sie ihre Medikamente einnehmen. Dies kann auch beeinflussen, ob die Behandlung wie vorgesehen wirkt“, sagte Adrienn Demeter, Doktorandin an der Fakultät für Pharmazeutische Wissenschaften der Semmelweis-Universität und Erstautorin der Studie. Die Forschenden betonen, dass ihre Ergebnisse nicht bedeuten, dass Mineral- oder Heilwässer grundsätzlich problematisch sind. Die wichtigste Erkenntnis ist vielmehr, dass Medikamente mit magensaftresistentem Überzug vorzugsweise mit einfachem Leitungswasser eingenommen werden sollten. Auch sollten Patienten vor dem Öffnen einer Kapsel oder dem Teilen einer Tablette Rücksprache mit einem Arzt oder einer Apothekenfachkraft halten. (ac)
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