Medikamentöse OSA-Therapie: Wirkstoff zielt auf Ursache des Atemwegskollapses

Foto: Alex Mit/stock.adobe.com

Bislang gibt es keine zielgerichtete pharmakologische Therapie bei Obstruktiver Schlafapnoe (OSA) – das könnte sich ändern: Eine Phase-III-Studie zeigte ermutigende Ergebnisse für eine medikamentöse OSA-Therapie mit dem Wirkstoff AD109.

Die neue medikamentöse OSA-Therapie kombiniert die Wirkstoffe Aroxybutynin und Atomoxetin. Sie zielt auf zugrundeliegende Mechanismen ab und bekämpft die neuromuskuläre Ursache des Atemwegkollapses – mit ermutigenden Ergebnissen: OSA-Patienten hatten unter AD109 weniger Atemaussetzer während des Schlafs, weniger Sauerstoffmangel und insgesamt verbesserte Blutsauerstoffwerte. Bei mehr als 40 Prozent der Patienten verbesserte sich die Schwergradkategorie ihrer OSA und 18 Prozent erreichten eine vollständige Krankheitskontrolle. Die Ergebnisse der randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie SynAIRgy [1] sind aktuell im „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ veröffentlicht.

AD109 – Eine Alternative zur CPAP-Therapie?

„Diese Ergebnisse liefern ermutigende Hinweise darauf, dass die gezielte Behandlung neuromuskulärer Dysfunktionen zu bedeutenden klinischen Ergebnissen führen kann. Das stimmt mit unserem sich weiterentwickelnden Verständnis der Krankheitsbiologie überein“, sagte Erstautor Dr. Patrick John Strollo, Schlafmediziner am University of Pittsburgh Medical Center mit Blick auf die Ergebnisse.

Bislang ist die CPAP-Beatmung (Continuous Positive Airway Pressure) Therapiestandard bei OSA. Allerdings kommen viele Patienten damit nicht gut zurecht. Eine zielgerichtete pharmakologische Therapie gibt es nicht. Eine medikamentöse OSA-Therapie mit AD109 könnte helfen, diese Lücke mit einer einfacheren Therapieoption zu schließen, so Strollos Einschätzung.

Die Studie lief über sechs Monate an 69 Standorten in den USA und Kanada. Die Autoren rekrutierten Erwachsene mit leichter bis schwerer OSA, die CPAP-Therapie nicht vertragen oder abgelehnt hatten. Die Teilnehmer nahmen AD109 einmal täglich ein. Als primären Wirksamkeits-Endpunkt legten die Autoren die Veränderung des Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) vom Ausgangswert bis zur 26. Woche fest. Wichtige sekundäre Endpunkte waren der Sauerstoff-Entsättigungsindex (ODI), der PROMIS-T-Score für Müdigkeit, die hypoxische Belastung (HB), der PROMIS-T-Score für Schlafstörungen sowie der Anteil der Teilnehmer mit einer AHI-Reduktion von mindestens 50 Prozent.

Verbesserung Apnoe-Hypnoe- und Entsättigungsindex

Insgesamt wurden 646 teilnahmeberechtigte Teilnehmer (Medianalter 58 Jahre, 49,3 % Frauen, Median-Body-Mass-Index 32,4 kg/m²) randomisiert. Der Median des AHI zu Studienbeginn betrug 19,6 Ereignisse/Stunde. An einer leichten OSA litten 35 Prozent der Teilnehmer, 42 Prozent an einer mittelschweren und 23 Prozent an einer schweren OSA.

In Woche 26 betrug die mittlere Behandlungsdifferenz beim AHI −4,0 Ereignisse/Stunde (95 % KI, −6,4 bis −1,6; P = 0,001). Das entspricht einer modellgeschätzten Abnahme von 44,1 gegenüber 17,6 Prozent gegenüber dem Ausgangswert (P < 0,0001). Die medikamentöse OSA-Therapie mit AD109 zeigte in Woche 26 im Vergleich zu Placebo Verbesserungen beim ODI und HB. Für PROMIS-Fatigue zeigte sich jedoch kein statistisch signifikanter Unterschied beobachten. Die Verbesserungen wurden bei einem breiten Spektrum von Patienten konsistent beobachtet, einschließlich solcher mit unterschiedlichen Schweregraden und Körpertypen.

Medikamentöse OSA-Therapie AD109 zeigt akzeptables Sicherheitsprofil

Insgesamt brachen 21,2 Prozent der Teilnehmer unter AD109 und 3,1 Prozent unter Placebo die Therapie aufgrund von unerwünschten Ereignissen ab. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse unter AD109 waren Mundtrockenheit, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Harnverhalt, wobei keine schwerwiegenden behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse auftraten. Damit zeigte die medikamentöse OSA-Therapie ein akzeptables Sicherheitsprofil mit leichten, erwarteten Nebenwirkungen.

Ein zeitgleich im „American Journal of Respiratory Cell and Molecular Biology“ veröffentlichter Beitrag [2] liefert eine Übersicht zur medikamentösen OSA-Therapie, mit Fokus auf das neue orale Therapeutikum AD109. Es kombiniert den Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin mit dem einem Antimuskarinikum (Aroxybutynin). Der Therapieansatz zielt darauf ab, dem schlafbedingten Rückgang des exzitatorischen noradrenergen Antriebs sowie der REM-bedingten Hemmung im motorischen Kern des Zungennervs entgegenzuwirken.

Fast-Track-Status der FDA

Laut der American Thoracic Society (ATS) hat die medikamentöse OSA-Therapie AD109 von der Food and Drug administration (FDA) den Fast-Track-Status für die Behandlung von OSA erhalten. Damit erkenne die FDA den erheblichen ungedeckte Bedarf an wirksamen, gut verträglichen pharmakologischen Therapien für OSA an, betonte die ATS. Inzwischen hat Apnimed hat seinen Antrag auf Zulassung eines neuen Arzneimittels für AD109 bei der FDA eingereicht. Auf der Grundlage des Feedbacks der FDA rechnet Apnimed eigenen Angaben zufolge damit, dass die FDA möglicherweise im 1. Quartal 2027 über die Zulassung entscheidet.

Eine weitere medikamentöse OSA-Therapie könnte der bei Epilepsie eingesetzte Wirkstoff Sultiam sein, erste Studienergebnisse gibt es bereits. Eine Phase-III-Studie steht allerdings noch aus. (ja/BIERMANN)