Mediziner fordern vollständige Öffnung von Schulen und Kitas19. Mai 2020 Foto: David Tadevosian photography – stock.adobe.com In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), die Deutsche Akademie für Kinder und Jugendmedizin (DAKJ) sowie der Berufsverband der Kinder und Jugendärzte in Deutschland (bvkj e.V.) Schulen und Kitas wieder vollständig zu öffnen. Nach Ansicht der unterzeichnenden Fachgesellschaften zeigen die bislang veröffentlichten Analysen über die Ausbreitungsdynamik von SARS-CoV-2 und die Verläufe von COVID-19, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen eine deutlich untergeordnetere Rolle in der Verbreitung des Virus einnehmen. Diese Erkenntnis erübrige nicht eine sorgfältig durchgeführte und durch großzügige Testindikationen unterstützte prospektive Surveillance nach Ende des Lock-Downs. Diese sollte jedoch entsprechende gesellschaftspolitische Entscheidungen im Rahmen des Pandemie-Managements grundlegend leiten. Auf Basis der aktuellen Datenlage fordern die Fachgesellschaften, Kitas, Kindergärten und Grundschulen möglichst zeitnah wieder zu öffnen. Dies sei auf Seiten der Kinder ohne massive Einschränkungen (z. B. durch Kleinstgruppenbildung und Barriereschutzmaßnahmen wie Abstandswahrung und Maskentragen) möglich. Entscheidender als die individuelle Gruppengröße sei vielmehr die Frage der nachhaltigen Konstanz der jeweiligen Gruppe und Vermeidung von Durchmischungen. Kinder können in Grundregeln der Hygiene wie Händewaschen und achtsames Hygieneverhalten im Umgang miteinander, beim Essen und in den Sanitäreinrichtungen spielerisch und kindgerecht unterwiesen werden. Dies und die dazu erforderliche angemessene Ausstattung aller Schultoiletten und Händewaschplätze mit Seifenspendern und Papierhandtüchern hätten nach heutigem Wissensstand langfristig erhebliche positive Auswirkungen – auch auf die Ausbreitung vieler anderer kontagiöser Erreger in solchen Einrichtungen. Unabhängig von den bei Kindern und Jugendlichen umgesetzten Präventionsmaßnahmen halten die Fachgesellschaften den Schutz des Lehr-, Erziehungs- und Betreuungspersonals für ganz entscheidend (Abstandswahrung untereinander, Mund-Nasen-Schutz, situationsabhängige Möglichkeit zur Händedesinfektion, ggfls. unterstützt durch regelmäßige Pooltestung). Wenn Erwachsene mit signifikant erhöhtem Risiko für einen komplizierten Verlauf bei SARS-CoV-2 Infektion im gleichen Haushalt leben, sollten individuelle und kreative Lösungen in Eigenverantwortung und in enger Absprache angestrebt werden, die den Kindern den Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen trotzdem ermöglichen. Hier sei eine entsprechende Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit erforderlich. Eine Kontaktreduzierung durch Regelungen der Gruppengrößen, der Vermeidung größerer Gruppenbildungen in Pausen, während Bring- und Abholphasen oder in sonstigen Situationen sollte auch Regelungen für den privaten und außerschulischen Bereich umfassen, raten die Fachgesellschaften. Kinder im Alter über zehn Jahre und Jugendliche bis zum Schulabschluss aktiver in konkrete Hygieneregeln einzubeziehen (Abstandswahrung, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (solange die Schüler nicht an dem ihnen zugewiesenen Platz sitzen) und die konsequente Erziehung in den Grundregeln der Infektionsprävention) eröffneten größere Spielräume für eine Normalisierung des Unterrichtsbetriebes. Kinder und Jugendliche mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2 Infektion sollten zeitnah untersucht werden, um eine solche Infektion zu sichern oder auszuschließen. Der Nachweis einzelner Infektionen bei Kindern oder Schülern dürfe nicht automatisch zur erneuten Schließung der gesamten Kita oder Schule führen, forderten die unterzeichnenden Fachgesellschaften. Voraussetzung für ein abgewogenes Infektionsmanagement sei vielmehr die Analyse der Infektionskette.
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