Neues Verfahren verspricht frühere Diagnose der Nekrotisierenden Enterokolitis10. Juni 2026 Die Nekrotisierende Enterokolitis gehört zu den gefürchtetsten Komplikationen, die bei Frühgeborenen auftreten können. (Foto: © Iryna – stock.adobe.com) Eine Handsonde, die sanft auf den Bauch von Frühgeborenen aufgesetzt wird, kann frühe Stadien der Nekrotisierenden Enterokolitis zuverlässig erkennen. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie, die das Verfahren erstmals am Menschen getestet hat. Die nicht invasive Technologie namens Optische Breitband-Spektroskopie (OBS) verspricht, die Nekrotisierende Enterokolitis (NEC) bei Frühgeborenen in früheren Stadien zuverlässig zu erkennen, noch bevor diese verheerende Darmerkrankung so weit fortgeschritten ist, dass sie auf Röntgenaufnahmen sichtbar wird. Dies geht aus einer ersten Studie am Menschen hervor, die vom Ann & Robert H. Lurie Children’s Hospital in Chicago, USA, durchgeführt und im „Journal of Pediatric Surgery“ veröffentlicht wurde. Untersuchung dauert nur zwei Minuten „NEC ist eine der am gefürchtetsten Diagnosen in jeder neonatologischen Intensivstation, und in diesem Bereich wird seit Jahrzehnten nach einem Instrument zur Früherkennung gesucht“, erklärte der leitende Autor Dr. Seth Goldstein, Kinder- und Thoraxchirurg am Lurie Children’s und außerordentlicher Professor für Chirurgie an der Feinberg School of Medicine der Northwestern University. „Wir freuen uns, dass unser neues Gerät NEC innerhalb von zwei Minuten zuverlässig von gesundem Gewebe unterscheiden kann und dass es am Krankenbett eingesetzt werden kann, ohne diese empfindlichen Babys Schmerzen oder Strahlung auszusetzen. Wir hoffen, dass weitere Studien unsere Erkenntnisse bestätigen, dass dieses Gerät zur Früherkennung von NEC in frühen Stadien geeignet ist.“ Das Gerät zur OBS-Messung besteht aus einer Handsonde mit einer Breitbandlichtquelle, die an ein Spektrometer in Laborqualität mit einem Erfassungsbereich von 350 bis 2500 nm gekoppelt ist. In die aktuelle Studie eingeschlossen wurden Frühgeborene mit einem Gestationsalter von weniger als 36 Wochen ohne angeborene Herzerkrankungen oder Bauchwanddefekte. Die Messwerte wurden zur deskriptiven Vergleichsdarstellung grafisch dargestellt und mittels Maschinellen Lernens analysiert. Hohe Sensitivität und Spezifität des Verfahrens Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden in zwei großen neonatologischen Intensivstationen 96 Säuglinge so untersucht. Die vierquadrantigen Bauchmessungen wurden im Rahmen der routinemäßigen Pflege in weniger als zwei Minuten durchgeführt. Dabei wurden weder Schäden für die Patienten noch Beeinträchtigungen der klinischen Behandlung festgestellt. Von den untersuchten Säuglingen entwickelten zehn während der Studie eine NEC im Bell-Stadium 2 (moderat) oder 3 (schwer), bei weiteren vier trat eine spontane Darmperforation oder ein anderer intraabdominaler Prozess auf. Die während aktiver NEC-Episoden durchgeführten OBS-Messungen unterschieden sich sichtbar von den Messwerten derselben Säuglinge und konnten in mithilfe Maschinellen Lernens retrospektiv mit einer Sensitivität und Spezifität von mehr als 90 Prozent identifiziert werden. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass OBS eine sichere und praktikable Technologie ist, die bei Frühgeborenen mit NEC nachweisbare Signalveränderungen hervorbringt“, berichtet Goldstein. „Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass OBS eine vielversprechende und potenziell bahnbrechende Methode für das Screening und die Früherkennung von NEC ist.“ (ej/BIERMANN)
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