Medizinische Fachangestellte – Droht ein Versorgungsengpass?24. Februar 2023 Foto: HNFOTO/stock.adobe.com Der Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte (Virchowbund) warnt angesichts sinkender Zahlen an Auszubildenden zur Medizinischen Fachangestellten (MFA), dass ein Versorgungsengpass drohen könnte. Der Verband fordert, die Arbeitsbedingungen attraktiver zu gestalten. Im Jahr 2022 haben sich laut einer Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) 16.656 junge Menschen für eine Ausbildung zum beziehungsweise zur MFA entschieden. Damit wurden rund 500 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen als noch 2021, obwohl der Bedarf an medizinischen Fachkräften gerade in den Praxen ungebrochen hoch ist. Der Virchowbund befürchtet negative Auswirkungen auf die zukünftige ambulante Versorgung, denn immer weniger jungen MFA stünden immer mehr und älteren Patienten gegenüber, die umfangreiche Versorgung in den Arztpraxen benötigen würden. Verschärft wird der Fachkräftemangel dadurch, dass immer mehr MFA mit Berufserfahrung den Beruf und damit die Versorgung für immer verlassen. Viele berichten u. a. von enorm verdichteter Arbeit durch ständig verschärfte Vorgaben und von gestiegener Anspruchshaltung der Patienten als Gründe für ihre Entscheidung. „Wenn dem Bundesgesundheitsminister und den Krankenkassen etwas an der Versorgung von morgen liegt, müssen sie heute das Ruder herumreißen und die Arbeitsbedingungen der MFA attraktiver machen“, sagt Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes. Der Virchowbund fordert, dass Tarifsteigerungen bei den MFA-Gehältern unmittelbar von den Kassen refinanziert werden. Außerdem müsste Bürokratie abgebaut und eine 4-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich ermöglicht werden. „Arztpraxen, die eine 4-Tage-Woche einführen, haben einen echten Vorteil im harten Wettbewerb mit den Kliniken und Kassen um Fachkräfte“, so Heinrich. Jüngste Umfragen zeigen, dass 75 Prozent aller Praxen große Probleme haben, Fachpersonal zu finden. Dass Krankenkassen Gehaltssteigerungen für MFA durch Nullrunden bei den Honorarverhandlungen torpedieren und gleichzeitig MFA für rund doppelt so hohe Gehälter aus den Praxen abwerben, bezeichnet der Virchowbund-Chef es als zynisch. „Warum darf das Geld der Solidargemeinschaft für eine Sozialversicherungsfachangestellte ausgegeben werden, aber nicht für eine MFA, die jeden Tag dutzende Patienten versorgt?“, fragt Heinrich. „Die Kassen bleiben darauf eine Antwort schuldig. Sie befeuern stattdessen die Mär von gierigen Praxisinhabern, die ihren Angestellten keinen Cent mehr gönnen. Dass die MFA nicht gegen die Ärzte, sondern mit ihnen gemeinsam protestieren, entlarvt das plumpe Ablenkungsmanöver der Kassen.“ Seit 2021 stieg das MFA-Tarifgehalt um 6 Prozent. Weitere Erhöhungen sind angesichts des immer noch niedrigen Gehaltsniveaus und der jüngsten Inflation nötig, weshalb Ärzteverbände und der Verband der medizinischen Fachberuf gemeinsam seit Monaten eine Refinanzierung durch die Krankenkassen fordern.
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