Mehr Schwerverletzte nach gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Stichwaffen20. August 2026 Bild (KI-generiert): Jürgen Fälchle – stock.adobe.com Laut einer Analyse aus dem TraumaRegister DGU® der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie nimmt die Anzahl Schwerverletzter aufgrund von Stichwaffen auf einem insgesamt niedrigem Niveau zu. In Deutschland gibt es in den letzten Jahren eine Zunahme Schwerverletzter nach gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Stichwaffen. Auch wenn die Zahlen steigen, bleibt der Anteil insgesamt gering: 1,26 Prozent der Schwerverletzten werden derzeit nach Stichverletzungen infolge von Gewaltdelikten in deutschen Traumazentren behandelt. Das zeigt eine Zwölf-Jahres-Analyse aus dem Trauma-Register der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), die im „Deutschen Ärzteblatt“ publiziert ist. Stichverletzungen häufiger im Arbeitsalltag von Orhopäden und Unfallchirurgen „Die Versorgung von Stichverletzungen gehört heute deutlich häufiger zu unserem Arbeitsalltag als noch vor zehn Jahren“, sagt Prof. Frank Hildebrand, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und DGU-Präsident. Ziel dieser Arbeit ist es, die intensive öffentliche Diskussion über eine vermeintliche Zunahme schwerer Körperverletzungen durch Messerangriffe mit möglichst validen Zahlen sachlich zu stützen. Die Daten liefern keine Informationen zum Täter- und Opferkreis und der Motivation zur Durchführung der Straftat. Informationen zur Herkunft und zum sozialen Status der Betroffenen werden ebenfalls nicht im Register erfasst. Fast 60 Prozent mehr Schwerverletzte durch Stichwaffen innerhalb von zwölf Jahren Die Studie zeigt eine Zunahme von Schwerverletzten* bei gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Stichwaffen von 212 Fällen im Jahr 2013 auf 336 Fälle im Jahr 2024. Demnach hat diese Art der Verletzungen im Beobachtungszeitraum von zwölf Jahren insgesamt um 58,8 Prozent zugenommen. Dazu wurden die Daten von 3664 Stichverletzungen im Rahmen von mutmaßlich gewalttätigen Auseinandersetzungen ausgewertet. Unter Stichwaffen zählen beispielsweise Messer, Schraubenzieher oder Eispickel. Die Autoren betonen, dass nur die wirklich schweren Fälle dokumentiert werden. Aufgenommen werden ausschließlich Patientinnen und Patienten, die in Lebensgefahr schweben oder auf einer Intensivstation behandelt werden müssen. Das heißt, sie haben mindestens eine Verletzung mit einem AIS-Wert gleich oder über 3, also eine schwere bis lebensbedrohliche Verletzung. So sind nicht alle Verletzungen an Armen oder Beinen erfasst, die zwar zu erheblichen Funktionseinschränkungen führen können, aber nicht akut lebensbedrohlich sind. Prof. Philipp Störmann, Erstautor der Studie sowie Mitglied der DGU-Sektion Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung (NIS) erläutert: „Die in unserer Studie vorliegenden Zahlen zeigen den Anteil Schwerverletzter nach einer Stichverletzung im Kontext einer mutmaßlichen Gewalttat in Deutschland. Insgesamt machen diese Verletzungen einen sehr geringen Anteil der Schwerverletztenversorgung aus, dennoch zeigen die Zahlen dieser Arbeit in den letzten Jahren einen Anstieg der Fallzahl vor allem in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte.“ Überwiegend junge Männer mit Verletzungen im Brust- und Bauchraum Laut Analyse unterscheiden sich die betroffenen Patienten demografisch deutlich vom Durchschnitt aller Schwerverletzten: Sie sind im Mittel mit 31,1 Jahren jünger und in 85,5 Prozent überwiegend männlich. Die Verletzungen betreffen besonders oft den Körperstamm wie Brust und Bauchraum und erfordern in 72 Prozent dringliche operative Maßnahmen, was auf die häufige Verletzung lebenswichtiger Körperteile unter Umständen mit relevanten Blutungen hinweist. Die hohe Rate von Notfall-Eingriffen unterstreicht den Studienautoren zufolge zudem die besonderen Anforderungen an die beteiligten, interdisziplinären Traumateams. Trotz dieser interdisziplinären und professionellen Versorgung versterben 8,2 Prozent nach gewaltsamer Stichverletzung im Krankenhaus. Zudem werden regionale Unterschiede erkennbar, sowohl hinsichtlich der geografischen Lage als auch der Besiedlungsstruktur. Die Daten stammen aus über 600 deutschen Kliniken, die sich am Trauma-Register DGU beteiligen. * Ausgewertet wurden alle Patienten mit einer Mindestverletzungsschwere gemäß der Abbreviated Injury Scale (AIS) ≥ 3, sowie Patienten mit einer Mindestverletzungsschwere gemäß AIS = 2, die entweder verstorben sind oder auf einer Intensivstation behandelt wurden. Originalpublikation:Störmann P et al. Stichverletzungen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen – eine 12-Jahresanalyse der Schwerverletzten aus dem TraumaRegister DGU®. Dtsch Arztebl Int 2026;123:459-463; DOI: 10.3238/arztebl.m2026.0079
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