Melanom: Personalisierte mRNA-Vakzine senkt langfristig das Rezidivrisiko15. Juni 2026 Symbolbild: © Andreas Prott – stock.adobe.com Bei Patienten mit reseziertem Hochrisiko-Melanom zeigte die Kombination aus der personalisierten mRNA-Vakzine Intismeran und Pembrolizumab auch nach fünf Jahren einen anhaltenden klinischen Nutzen. Trotz adjuvanter Immuntherapie mit Inhibitoren des Programmed Cell Death Protein 1 (PD‑1) kommt es bei einem relevanten Anteil von Patienten mit reseziertem Hochrisiko‑Melanom zu Krankheitsrezidiven. Individualisierte Neoantigen-basierte mRNA-Immuntherapien sollen tumorspezifische T-Zell-Antworten verstärken und damit die Wirksamkeit bestehender Checkpoint-Inhibitoren erhöhen. Die personalisierte mRNA-Vakzine Intismeran autogene (früher mRNA-4157/V940) wird auf Basis individueller Tumormutationen hergestellt. Ziel ist die Induktion einer T-Zell-Antwort gegen patientenspezifische Neoantigene und damit die Elimination verbliebener Tumorzellen nach kompletter Resektion. Auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2026 wurden nun die geplanten 5-Jahres-Daten der Phase-IIb-Studie KEYNOTE-942 vorgestellt und zeitgleich im „Journal of Clinical Oncology“ publiziert. Pembrolizumab plus Intismeran verbessert Gesamtüberleben In der Studie untersuchten die Forschenden Intismeran in Kombination mit dem Immuncheckpoint-Inhibitior Pembrolizumab bei 107 Patienten, die nach Melanomoperation randomisiert ausgewählt worden waren, um zu bestimmen, ob die Kombinationstherapie ein Rezidiv verhindert. Diese Ergebnisse wurden mit denen einer ebenfalls randomisiert ausgewählten Gruppe von 50 Patienten verglichen, die postoperativ ausschließlich Pembrolizumab erhalten hatten. Nach fünfjähriger Nachbeobachtung blieben 68,8 Prozent der Patienten unter Kombinationstherapie rezidivfrei, während 49,1 Prozent in der Pembrolizumab-Monotherapiegruppe keine Tumorzeichen aufwiesen. Dies bedeutet, dass die Hinzunahme von Intismeran zu Pembrolizumab das Risiko für Rezidiv oder Tod um 49 Prozent reduzierte. Die Kombinationstherapie reduzierte zudem das Risiko einer Fernmetastasierung um 59 Prozent. Das Gesamtüberleben betrug 92,2 Prozent in der Vakzine-plus-Immuncheckpoint-Inhibitor-Gruppe gegenüber 71,3 Prozent in der Monotherapiegruppe. Die Studienergebnisse unterstreichen die Rolle von T‑Lymphozyten, die sowohl Viren als auch Tumoren angreifen können. Zur Schonung normaler Zellen nutzt das Immunsystem Checkpoint-Moleküle auf der Oberfläche von T‑Zellen, um deren Angriff nach Eliminierung von Pathogenen abzuschalten. Tumorzellen können diese Checkpoints ausnutzen, um Immunantworten zu deaktivieren und zu umgehen. Immuncheckpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab blockieren insbesondere den PD‑1-Rezeptor und machen Tumorzellen erneut für Immunzellen sichtbar und angreifbar. Immuncheckpoint-Inhibitoren, insbesondere PD‑1-Inhibitoren wie Pembrolizumab, sind zu einer tragenden Säule der Melanomtherapie geworden, wirken jedoch nicht bei allen Patienten, da Melanomzellen Resistenzmechanismen entwickeln können. Aus diesem Grund wurde die Ergänzung durch Vakzine untersucht. Spezifische T-Zellen richten sich gegen Melanomzellen Die Vakzine Intismeran basiert auf mRNA, einer chemischen Verwandten der DNA, die Zellen Anweisungen zur Proteinherstellung liefert. mRNA-basierte Krebsvakzinen sollen das Immunsystem dazu befähigen, Tumorzellen als von normalen Zellen verschieden zu erkennen. Bei der Entwicklung einer Vakzine gegen Melanom wurde versucht, eine Immunantwort gegen spezifische abnorme Proteine, sogenannte Neoantigene, auszulösen, die von Tumorzellen gebildet werden. Da bei allen Studienteilnehmern die Tumoren entfernt worden waren, konnten für jedes Melanom spezifische Neoantigene analysiert und für jeden Patienten eine personalisierte Vakzine hergestellt werden. Infolgedessen wurden T‑Zellen gebildet, die spezifisch für die durch die mRNA kodierten Neoantigen-Proteine sind. Diese T‑Zellen konnten anschließend Melanomzellen angreifen, die zu wachsen oder sich auszubreiten versuchten. Derzeit wird in einer Phase‑III‑Studie untersucht, ob Intismeran in Kombination mit Pembrolizumab als Erstlinientherapie beim Melanom wirksam ist. Darüber hinaus wird die Vakzine zur Prävention von Rezidiven bei Lungenkrebs und anderen Tumoren untersucht. (ins)
Mehr erfahren zu: "Frühe Nahrungsmittelallergien führen nicht per se zu Essproblemen" Frühe Nahrungsmittelallergien führen nicht per se zu Essproblemen Eltern und Kliniker befürchten oft, dass Nahrungsmittelallergien im frühen Kindesalter langfristige Ess-Störungen oder eine übermäßige Selektivität („picky eating“) nach sich ziehen. Eine aktuelle Studie gibt nun Entwarnung: Danach zeigen betroffene […]
Mehr erfahren zu: "Regierung Trump streicht Empfehlungen für Kinderimpfungen zusammen" Regierung Trump streicht Empfehlungen für Kinderimpfungen zusammen Weniger Impfempfehlungen, keine Kombi-Präparate: Donald Trumps Regierung baut die Impfpolitik für Kinder um – und ignoriert sowohl explodierende Fallzahlen als auch wissenschaftliche Erkenntnisse.
Mehr erfahren zu: "Ekzem und Allergien: Dendritische Zellen treiben Immunglobulin-E-Antwort voran" Ekzem und Allergien: Dendritische Zellen treiben Immunglobulin-E-Antwort voran Interleukin‑13 verstärkt über dendritische Zellen vom Typ 2 die Bildung hochaffiner Immunglobulin-E-Antikörper. Der Mechanismus könnte erklären, wie sich über die Haut systemische Reaktionen ausbilden.