Menopause hinterlässt molekularen Fingerabdruck mit möglichem Hinweis auf Demenzrisiko9. Oktober 2026 Symbolbild © Maryia/stock.adobe.com Eine neue US-amerikanische Studie zeigt, dass Veränderungen bestimmter Proteine während der Menopause mit einem erhöhten Demenzrisiko im späteren Leben assoziiert sind. Frauen in den Wechseljahren haben oft das Gefühl, dass sich nicht nur ihr Körper, sondern auch ihr Geist verändert. Nun haben Forschende der University of California, San Francisco (UCSF) biologische Hinweise darauf gefunden. In einer neuen, in „Nature Medicine“ veröffentlichten Studie stellten sie fest, dass die Konzentrationen von 16 Proteinen im Blut, die alle mit der Alterung des Gehirns in Verbindung stehen, während des Übergangs zur Menopause in der Lebensmitte ansteigen. Bei älteren Frauen waren höhere Konzentrationen derselben Proteine mit einem schlechteren Gedächtnis und beeinträchtigten kognitiven Fähigkeiten sowie einem höheren Risiko für eine Alzheimer-Demenz verbunden. Dies deutet darauf hin, dass die biologischen Veränderungen während der Menopause die spätere Gehirngesundheit beeinflussen könnten. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Wechseljahre direkt Demenz verursachen“, erklärt Dr. Kaitlin Casaletto, außerordentliche Professorin am UCSF Fein Memory and Aging Center und Mitautorin der Studie. „Es ist jedoch möglich, dass wir anhand der Konzentration dieser Moleküle während der Wechseljahre das Demenzrisiko einer Frau für die Zeit Jahrzehnte später vorhersagen können.“ Ein entscheidender Zeitraum Zwei Drittel der Menschen mit Alzheimer sind Frauen; dieser Unterschied lässt sich nicht allein durch die im Durchschnitt längere Lebenserwartung von Frauen im Vergleich zu Männern erklären. Bislang konnten Studien jedoch nicht genau klären, welche biologischen Faktoren oder Alterungsprozesse Frauen anfälliger für Demenz machen. Bekannt ist, dass die frühesten mit der Alzheimer-Demenz verbundenen Veränderungen im Gehirn bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten von Symptomen beginnen. Bei Frauen deutet dies auf einen entscheidenden Zeitraum rund um die Wechseljahre hin, die im Durchschnitt im Alter von 51 Jahren eintreten. Dies veranlasste Casaletto und ihre Kollegen zu der Frage, ob sich während der Menopause im Gehirn von Frauen Veränderungen abspielen, die Aufschluss über Demenzrisiko und Resilienz geben könnten. Die Wechseljahre sind jedoch kein einzelnes Ereignis; sie erstrecken sich über Jahre. Der Hormonspiegel beginnt sich zu verändern, und Symptome treten bereits bis zu einem Jahrzehnt vor der letzten Menstruation auf und können auch Jahre danach noch anhalten. Das Team um Casaletto wollte erfassen, welche Veränderungen sich im Laufe dieses gesamten Zeitraums hinsichtlich der Gehirngesundheit ergeben. „Viele Studien fragen Frauen lediglich, ob sie die Menopause bereits durchlaufen haben und – falls ja – wann das der Fall war“, erklärt Erstautorin Madeline Wood Alexander. „Uns war es sehr wichtig, hier präziser vorzugehen und die Jahre der hormonellen Umstellung zu erfassen.“ Die Forschenden untersuchten 80 Frauen im Alter zwischen 40 und 59 Jahren und nutzten das Instrument „STRAW+10“, das Symptome und Hormonwerte kombiniert, um genau zu bestimmen, an welchem Punkt des Übergangs zur Menopause sich die jeweilige Frau befand. Überwachung der Gehirngesundheit Mithilfe eines kommerziell verfügbaren Bluttests, der mehr als 100 mit der Gehirngesundheit in Verbindung stehende Proteine misst, identifizierte das Team 16 Proteine, deren Konzentrationen sich während der Menopause veränderten. Die Konzentrationen dieser Proteine waren stärker mit einem oder mehreren Hormonwerten als mit dem genauen Alter der Frauen assoziiert. Dies spricht dafür, dass die Veränderungen nicht allein durch den Alterungsprozess erklärt werden. Proteine, die mit Entzündungsprozessen in Verbindung stehen, nahmen tendenziell zu, wenn der Spiegel des Hormons Östradiol sank. Eine andere Gruppe von Proteinen, die mit der Alzheimer-Pathologie assoziiert sind, nahm bei steigenden Werten des follikelstimulierenden Hormons (FSH) zu. Die Ergebnisse wurden in einer Analyse bereits erhobener Daten von mehr als 2.800 Frauen aus der UK Biobank bestätigt. Als die Forschenden die Konzentrationen derselben Proteine bei Frauen in den Sechzigern und frühen Siebzigern untersuchten – anhand von Daten von fast 12.000 Frauen aus vier früheren Studien –, stellten sie fest, dass ältere Frauen mit höheren Konzentrationen dieser Proteine ein schlechteres Gedächtnis aufwiesen. Ein höherer Menopause-Proteomik-Score war zudem mit einem um 15 Prozent höheren Risiko für eine Alzheimer-Demenz verbunden. „Wir identifizieren molekulare Veränderungen im Blut von Frauen mittleren Alters nach der Menopause, die auch Aufschluss über die kognitive Leistungsfähigkeit im späteren Leben geben“, erklärt Co-Seniorautorin Rowan Saloner, Assistenzprofessorin am UCSF Fein Memory and Aging Center. „Wir gehen daher davon aus, dass diese Moleküle äußerst wichtige Marker sowohl für die Menopause als auch für die kognitive Alterung sind.“ Die Forschenden stellten zudem fest, dass Frauen, die über nächtliche Schweißausbrüche berichteten, während der Menopause tendenziell einen stärkeren Anstieg proinflammatorischer Proteine aufwiesen. Bei älteren Frauen waren frühere Hitzewallungen ebenfalls mit erhöhten Konzentrationen bestimmter Entzündungsmarker verbunden. Ein Frühwarnsignal Die Forschenden betonen, dass ihre Ergebnisse Zusammenhänge beschreiben. Noch ist unklar, welche Veränderungen im Gehirn oder welche Risikofaktoren für Demenz durch den Übergang zur Menopause direkt ausgelöst werden. Zudem stellten sie fest, dass bei einer kleinen Gruppe von Männern mittleren Alters ein Großteil des molekularen Profils dem von postmenopausalen Frauen entsprach. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Menopause einen rascheren Wandel biologischer Alterungsprozesse auslöst, die sich bei Männern allmählicher entwickeln. Das langfristige Ziel des Teams ist die Entwicklung eines Bluttests, der als Frühwarnindikator für das Demenzrisiko dienen kann – ähnlich wie Cholesterintests zur Einschätzung des Risikos für Herzerkrankungen eingesetzt werden. Dies würde es medizinischem Fachpersonal ermöglichen, Personen zu identifizieren, die in der Lebensmitte von frühzeitigen Interventionen profitieren könnten. „Die Lebensmitte ist sowohl für Männer als auch für Frauen eine entscheidende Phase, in der wir die Weichen dafür stellen können, ob das Gehirn im späteren Leben widerstandsfähiger oder anfälliger für Demenz ist“, so Casaletto. „Für Frauen könnte die Menopause ein besonders wirkungsvoller Zeitpunkt für Interventionen sein.“ (lj/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Hormonersatztherapie mit geringerem Demenzrisiko assoziiert Östrogenverlust nach der Menopause könnte Alzheimer-Risiko erhöhen
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