Mesoamerikanische Nephropathie: Verbranntes Zuckerrohr als mögliche Ursache ausgemacht

Brennendes Zuckerrohrfeld: Möglicherweise Ursache für Nierenerkrankungen unter Landarbeitern. (Foto: © mailsonpignata/stock.adobe.com)

Laut einer gerade im „American Journal of Kidney Diseases“ erschienenen Studie könnte beim Verbrennen von Zuckerrohr und Reishülsen ein Giftstoff freigesetzt werden, der bei Landarbeitern in manchen Teilen der Welt eine Nierenerkrankung auslöst, die noch Rätsel aufgibt.

Auf der ganzen Welt werden bei Landarbeiten chronische Nierenerkrankungen beobachtet, so auch entlang der Pazifikküste Mittelamerikas, Indiens und Sri Lankas. Während Hitzestress und Klimawandel zu dieser Epidemie beigetragen haben, konnten Forschende aus Zuckerrohrasche freigesetzte winzige Kieselsäurepartikel identifizieren, die eingeatmet oder über kontaminiertes Trinkwasser aufgenommen werden können und dann chronische Nierenschäden verursachen.

„Bisher sind uns keine Studien bekannt, in der ein Giftstoff identifiziert wurde, der eine chronische Nierenerkrankung verursachen kann und tatsächlich im Nierengewebe von Patienten zu finden ist, die an dieser unbekannten Krankheit leiden“, erklärt Prof. Jared Brown von der Skaggs School of Pharmacy and Pharmaceutical Sciences der University of Colorado (USA), einer der Leiter der Untersuchung. „Diese Daten liefern einen wichtigen Hinweis für die Lösung dieses Rätsels und legen nahe, dass neben dem Hitzestress durch den Klimawandel auch Giftstoffe aus Zuckerrohrasche zu der Krankheit beitragen könnten.“

Wissenschaftler des Anschutz Medical Campus der University of Colorado arbeiteten mit Ärzten des Hospital Rosales in San Salvador (El Salvador), zusammen. Diese untersuchten Patienten, die an der rätselhaften chronischen Nierenerkrankung leiden. Die Studienautoren fanden im Nierengewebe Betroffener mit dieser besonderen Erkrankung deutlich mehr Kieselsäurepartikel als bei Patienten mit anderen bekannten Nierenerkrankungen. Die Ergebnisse der Studie lassen die Schlussfolgerung zu, dass die Erkrankung durch die Exposition gegenüber Zuckerrohrasche verursacht werden könnte, die amorphe Silica-Nanopartikel enthält. Dieser Prozess könnte auch bei Personen auftreten, die auf Reisfeldern arbeiten, da das ebenfalls häufig praktizierte Abbrennen der Reisfelder ebenfalls zur Freisetzung von kieselsäurehaltiger Asche führen kann.

„Obwohl diese Daten vorläufig sind, können wir feststellen, dass die Verbrennung von Zuckerrohr möglicherweise nicht nur zum Klimawandel beiträgt, sondern unter Umständen auch eine Rolle bei der Epidemie spielt, von der Landarbeiter betroffen sind“, erklärt Dr. Richard Johnson von der Anschutz School und einer der Seniorautoren der Studie „Diese Erkrankung gilt als eine der ersten neu identifizierten Krankheiten, die speziell auf eine Klimaerwärmung zurückzuführen sind. Jetzt wissen wir, dass auch Giftstoffe im Spiel sind. Hoffentlich wird diese Arbeit die Bemühungen vorantreiben, sich auf die Zuckerrohrverbrennung als potenziellen Risikofaktor für die Entwicklung dieser rätselhaften Nierenerkrankung bei Arbeitern und Menschen, die in der Nähe von Zuckerrohrfeldern leben, zu konzentrieren.“