Metabolisch ungesundes Normalgewicht: Die Körperzusammensetzung rückt in den Fokus17. Juli 2018 © VadimGuzhva – fotolia.com Stark übergewichtigen Patienten mit ungünstigen metabolischen Werten werden Ärzte in der Regel raten, weniger zu essen und sich mehr zu bewegen. Ein Artikel von Rita Rubin im „JAMA“ beleuchtet aber nun die Problematik, dass – laut einer US-Studie aus dem Jahr 2008 (dx.doi.org/10.1001/archinte.168.15.1617) 23,5 % der normalgewichtigen US-Erwachsenen im Alter von ≥20 Jahren metabolisch abnormal waren. In Indien sollen laut Dr. Faidon Magkos sogar 40 % der Menschen, die aufgrund ihres Body-Mass-Index (BMI) als normalgewichtig gelten, metabolische Funktionsstörungen aufweisen. So konnten Dr. Francisco Lopez-Jimenez, Kardiologe an der Mayo Clinic, und Kollegen in einer Studie zeigen, dass unter Männern und Frauen, deren BMI im Normalbereich liegt, diejenigen mit dem höchsten Körperfettanteil – in ihrer Studie >23,1 % für Männer und >33,3 % für Frauen – mit 4-mal höherer Wahrscheinlichkeit ein metabolisches Syndrom entwickelten. Zudem konnten Lopez-Jimenez und Koautoren belegen, dass bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit ein höherer Körperfettanteil – aber nicht der BMI – mit einem größeren Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert war. Der Begriff des normalen oder idealen Körpergewichts geht laut Rubin auf das Jahr 1943 zurück, als die Metropolitan Life Insurance Company neue Gewichtstabellen für Männer und Frauen einführte. Das ideale Körpergewicht sei als das mit der niedrigsten Mortalität verbundene Gewicht definiert worden. Da die Messung der Körperfettmasse schwierig und teuer ist, sei bei der Diagnose von Fettleibigkeit – neben dem Körpergewicht – zunehmend auf den BMI zurückgegriffen worden. Der BMI berücksichtigt jedoch weder die Menge noch die Verteilung des Körperfettes, die bei Menschen mit normalem BMI deutlich variieren können. Rubin zitiert einen Artikel aus „Circulation“ (http://circ.ahajournals.org/content/137/13/1391), dem zufolge Fett in der Bauchhöhle wesentlich zum kardiovaskulären und metabolischen Risiko über den BMI hinaus beiträgt.Zudem zeigt eine kleine Studie von Magkos et al. (https://doi.org/10.1002/oby.22185), dass sich schlechte metabolische Werte deutlich verbessern, wenn Normalgewichtige 5 % ihres Körpergewichts verlieren: Die Gesamtfettmasse der Teilnehmer sank um ca. 9 %, das viszerale Fettgewebe um ca. 11 %, das intrahepatische Fett um etwa die Hälfte und das subkutane Bauchfettgewebe um etwa 17 %. Die im Nüchternzustand gemessenen Plasmakonzentrationen von Insulin, Triglyzeriden und Gesamtcholesterin wurden ebenfalls reduziert, und die Insulinsensitivität stieg um 21–26 %. Autor: Rubin R Korrespondenz: [email protected] Studie: What’s the Best Way to Treat Normal-Weight People With Metabolic Abnormalities? Quelle: JAMA 27.06.2018. Web: dx.doi.org/10.1001/jama.2018.8188
Mehr erfahren zu: "Retinitis pigmentosa: Therapie lässt blinde Menschen einfache Objekte wahrnehmen" Weiterlesen nach Anmeldung Retinitis pigmentosa: Therapie lässt blinde Menschen einfache Objekte wahrnehmen Eine Gentherapie kombiniert mit einer Spezialbrille kann Menschen mit Retinitis pigmentosa, einer schweren erblichen Netzhauterkrankung helfen, wieder einfache visuelle Eindrücke wahrzunehmen.
Mehr erfahren zu: "Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt" Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt Der Medizin-Nobelpreis würdigt in diesem Jahr die Entwicklung der Optogenetik. Auch in Bonn wird diese Methode eingesetzt, um menschliche Netzhautzellen zu erforschen und neue Ansätze für die Behandlung degenerativer Netzhauterkrankungen […]
Mehr erfahren zu: "Medizin-Nobelpreis geht an zwei Deutsche und einen US-Forscher" Medizin-Nobelpreis geht an zwei Deutsche und einen US-Forscher Für ihre Forschung zur gezielten Veränderung von Zellen erhalten ein Berliner und ein Würzburger Forscher sowie ein US-Amerikaner den diesjährigen Nobelpreis für Medizin/Physiologie.