Metagenomstudie: Einfluss einer Medikamenteneinnahme auf Darmmikrobiom22. März 2023 © Rido – stock.adobe.com (Symbolbild) Die Auswirkungen bestimmter, häufig verschriebener Medikamente auf das Darmmikrobiom sind noch nicht ausreichend erforscht. Im Rahmen des japanischen 4D-Mikrobiomprojektes (Disease, Drug, Diet, Daily life) führten Forschende eine Shotgun-Metagenomanalyse der Stuhlproben von 4198 Personen durch. Die Forschenden erstellten 759 Arzneimittelprofile und erfassten prospektiv andere Metadaten wie Anthropometrie, Lebensstil, Ernährung, körperliche Aktivitäten und Krankheiten. Außerdem wurden von 243 Personen Stuhlproben analysiert, um die Auswirkungen der Einnahme und des Absetzens von Medikamenten auf das Mikrobiom zu beurteilen. Für >70% der Medikamente, von denen ein Profil erstellt wurde, lagen noch keine früheren Untersuchungsdaten vor. Personen, die mehreren Präparate einnahmen (Polypharmazie), wiesen distinkte Strukturen des Darmmikrobioms auf, in denen aufgrund der additiven Wirkungen der Medikamente deutlich mehr Mikrobenarten des oberen Gastrointestinaltraktes und mehrere nosokomiale Pathobionten vorkamen. Die Polypharmazie war auch mit mikrobiellen Funktionen assoziiert, einschließlich der Verringerung des Stoffwechsels kurzkettiger Fettsäuren und verstärkter bakterieller Stressreaktionen. Selbst nichtantibiotische Medikamente waren signifikant mit einem erhöhten antimikrobiellen Resistenzpotenzial durch Polypharmazie korreliert. Bemerkenswerterweise zeigte ein Datensatz mit 2 Zeitpunkten die Änderung und Erholung des Mikrobioms als Reaktion auf den Beginn und das Ende der Einnahme von Medikamenten an, was die beobachteten Assoziationen zwischen Medikamenten und Mikroben in der Querschnittskohorte bestätigte. Fazit Es zeigte sich, dass zahlreiche Arzneimittel aus verschiedenen Behandlungskategorien das Mikrobiom beeinflussen können. Die Studie entschlüsselt ferner die Effekte individueller und mehrfacher Arzneimittelexpositionen auf das menschliche Darmmikrobiom und liefert einen Arzneimittel-Mikroben-Katalog als Grundlage für ein tiefgreifendes und besseres Verständnis der Rolle des Mikrobioms bei Arzneimittelwirksamkeit und -toxizität. (bi) Autoren: Nagata N et al. Korrespondenz: Suguru Nishijima; [email protected] Studie: Population-level Metagenomics Uncovers Distinct Effects of Multiple Medications on the Human Gut Microbiome Quelle: Gastroenterology 2022;163(4):1038–1052. Web: https://doi.org/10.1053/j.gastro.2022.06.070
Mehr erfahren zu: "Erhöhter Behandlungsbedarf bei Pneumonie: Einfacher Blutwert gibt Hinweise" Erhöhter Behandlungsbedarf bei Pneumonie: Einfacher Blutwert gibt Hinweise Marburger Forschende haben einen Weg gefunden, um früher vorhersagen zu können, welche Patienten mit Pneumonie ein höheres Risiko für eine Behandlung auf der Intensivstation haben oder länger im Krankenhaus bleiben […]
Mehr erfahren zu: "Nikotinkonsum bei Jugendlichen: Forschende finden Zusammenhang mit psychischer Gesundheit" Nikotinkonsum bei Jugendlichen: Forschende finden Zusammenhang mit psychischer Gesundheit Heranwachsende, die Nikotin konsumieren, klagen mit höherer Wahrscheinlichkeit über Symptome von Angst, Depression und anderen psychischen Problemen als Nichtkonsumenten im selben Alter. Das geht aus aktuellen Untersuchungen an der Universität […]
Mehr erfahren zu: "Taille-Hüft-Verhältnis präziser als BMI zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos" Taille-Hüft-Verhältnis präziser als BMI zur Einschätzung des kardiovaskulären Risikos Der Body-Mass-Index (BMI) allein ist kein ausreichender Indikator für das kardiovaskuläre Risiko. Laut einer aktuellen Studie kann die Vernachlässigung des Taillenumfangs oder des Taille-Hüft-Verhältnisses insbesondere bei Normalgewichtigen zu einer Fehleinschätzung […]