Mikrobielle Dysbiosen in Familien mit Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen2. April 2025 © Graphicroyalty – stock.adobe.com (Symbolbild) Dysbiosen sind charakteristisch für bestehende CED. Inwieweit entwickeln sich aber Dysbiosen bei nichtbetroffenen Risikopersonen? Um dies zu klären, untersuchten Experten kürzlich altersabhängige Muster von Stuhl- und Serummarkern für eine Dysbiose in Hochrisiko-Multiplex-Familien mit CED (≥2 betroffene Verwandte 1. Grades). Hierzu wurden Stuhl- und Serumproben von Familien mit multipler CED und von Kontrollfamilien (95 CED; 292 Nichtbetroffene; 51 Kontrollen) gesammelt. Die Forscher validierten die Ergebnisse anschließend in unabhängigen Kohorten von 616 und 1173 Teilnehmern, darunter Patienten mit CED, Säuglinge von Müttern mit CED und Kontrollpersonen. Die molekularen Analysen erfolgten mittels 16S-rRNA-Gen-Sequenzierung und einer umfassenden Metabolomik-Profilierung von Stuhl- und Serumproben. Die mikrobiellen und metabolomischen Parameter der Dysbiose nahmen vom Säuglingsalter bis zum Alter von 8 Jahren progressiv ab. Dieser mikrobielle Reifungsprozess verlief bei Kindern, deren Mütter an CED erkrankt waren, langsamer. Nach dem 15. Lebensjahr nahm die Dysbiose bei nichtbetroffenen Verwandten im Erwachsenenalter stetig zu. Sie ging mit sehr deutlichen Verschiebungen im fäkalen Metabolom und, in geringerem Maße, im Serummetabolom einher. Die Dysbiose-Indizes für das Stuhl- und Serum-Metabolom wurden in einer unabhängigen Kohorte validiert. Hier korrelierte die Dysbiose mit erhöhten antimikrobiellen Serologien, nicht aber mit dem fäkalen Calprotectin. Dysbiose-Metriken erlaubten eine Unterscheidung zwischen CED und Nicht-CED vergleichbar mit der Serologie. Dabei wies ein Modell, das Calprotectin, den fäkalen Metabolomik-Dysbiose-Index und Serologie-Score kombinierte, die höchste Genauigkeit auf. Fazit Diese Ergebnisse belegen, dass die Dysbiose einen Zustand vor der CED-Erkrankung darstellt, der durch eine Analyse von Stuhl- und Serum-Biomarkern prädiktiv für das CED-Risiko ist. Angesichts der stärker zunehmenden Verbreitung krankheitsmodifizierender Wirkstoffe und geeigneter Methoden der nichtinvasiven Bildgebung könnten die in dieser Studie entwickelten Indizes eine frühere Diagnose und eine bessere Behandlung von Risikopersonen ermöglichen. (bi) Autoren: Jacobs JP et al. Korrespondenz: Jonathan P Jacobs; [email protected] Studie: Age-related patterns of microbial dysbiosis in multiplex inflammatory bowel disease families Quelle: Gut 2024;73(12):1953–1964. Web: https://doi.org/10.1136/gutjnl-2024-332475
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