Mögliche neue therapeutische Zielstrukturen für Präeklampsie entdeckt

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Eine neue, unter der Leitung des University College London (UCL) durchgeführte Studie zeigt, dass ungewöhnliche Vorgänge in den Zellen von Müttern und Babys bei Präeklampsie neue therapeutische Ansatzpunkte für diese Erkrankung liefern könnten.

Präeklampsie ist eine der Hauptursachen für Mütter- und Säuglingssterblichkeit und betrifft weltweit zwei bis vier Prozent aller Schwangerschaften. Die Erkrankung führt zu einem übermäßig hohen Blutdruck bei der Mutter, was die Durchblutung des Kindes beeinträchtigen und Symptome wie Schwellungen, Kopfschmerzen, Sehstörungen sowie Schmerzen im Rippenbereich hervorrufen kann. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann sie die Gesundheit der Mutter gefährden, das Wachstum des Kindes hemmen und in schweren Fällen lebensbedrohlich sein. Bislang gibt es jedoch keine Heilung.

Präeklampsie betrifft nicht nur die Plazenta

Wissenschaftler des UCL und der University College London Hospitals (UCLH) haben nun in einer in „Science Advances“ veröffentlichten Studie herausgefunden, dass ein Zusammenspiel aus gestressten Plazentazellen, einer gestörten Funktion der mütterlichen Blutgefäße und einer überaktiven Immunreaktion zum Krankheitsbild der Präeklampsie beiträgt. Frühere Untersuchungen hatten sich vor allem auf die Plazenta konzentriert und die umliegenden Gewebe weitgehend unberücksichtigt gelassen.

Die Forschenden hoffen, dass ihre Ergebnisse neue therapeutische Ansatzpunkte für Präeklampsie liefern und einen möglichen Weg zur Behandlung betroffener Patientinnen aufzeigen. Die leitende Autorin Prof. Sara Hillman (UCL EGA Institute for Women’s Health) erklärt: „Wir haben einzelne Zellen von Mutter und Kind untersucht, um zu sehen, wie sich deren Aktivität bei gesunden Schwangerschaften im Vergleich zu Schwangerschaften mit Präeklampsie verändert. Dies hat uns geholfen, bereits vermutete Veränderungen im Zusammenhang mit der Erkrankung zu bestätigen und zudem neue zu entdecken.“ Für ihre Studie untersuchte das Team 20 schwangere Frauen – 10 mit schwerer Präeklampsie und 10 ohne –, die am UCLH rekrutiert worden waren.

Einzelzellanalysen zeigen Veränderungen in Plazenta und mütterlichem Gewebe

Mithilfe genomischer Analysen untersuchten sie einzelne Zellen der Plazenta sowie anderer Gewebe (Myometrium und Chorioamnionmembranen), an denen Zellen des ungeborenen Kindes und der Mutter aufeinandertreffen. Anschließend verglich das Team diese Zellen mit denen aus gesunden Schwangerschaften sowie aus Schwangerschaften mit Präeklampsie unterschiedlichen Gestationsalters.

Dabei setzten sie eine neuartige Technologie ein, die es ermöglichte, die genetischen Informationen tausender einzelner Zellen gleichzeitig auszulesen. So konnten sie die Funktion und die genaue Lage der Zellen im Gewebe bestimmen und ein detailliertes Bild der Schwangerschaftsprozesse erstellen.

Sie stellten fest, dass bei Präeklampsie-Schwangerschaften, in denen das Kind im dritten Trimester als Frühgeburt (vor der 37. Schwangerschaftswoche) zur Welt kam, die Plazentazellen Anzeichen von Stress und Sauerstoffmangel aufwiesen und ihren Energiestoffwechsel nicht normal aufrechterhielten. Zudem funktionierte eine bestimmte Gruppe von Zellen, die für die Umgestaltung der mütterlichen Blutgefäße zuständig ist, nicht ordnungsgemäß; dies kann die Blutversorgung des Kindes beeinträchtigen.

Besonders wichtig war die Beobachtung einer überaktiven Immunreaktion – nicht nur in der Plazenta, sondern auch im umliegenden Gewebe und sogar im Blut der Mutter. Dies – zusammen mit anderen von der Plazenta freigesetzten Stressmolekülen – erklärt, warum sich die Präeklampsie auf den gesamten Körper auswirkt und zu einer ernsthaften Erkrankung werden kann.

Forschende sehen Potenzial für neue Behandlungsstrategien

Die Mit-Erstautorin Dr. Yara Sanchez Corrales (UCL Great Ormond Street Institute of Child Health) erklärt: „Diese Ergebnisse weisen auf spezifische biologische Prozesse hin, die therapeutisch adressiert werden könnten. Ein frühzeitiges Eingreifen in der Schwangerschaft – insbesondere bei schweren Fällen, die bereits früh auftreten – könnte dazu beitragen, den Schwangerschaftsverlauf zu verbessern und die hohen Risiken einer schweren Präeklampsie zu verringern. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse den Weg ebnen, um die Zahl der Frühgeburten und Todesfälle im Zusammenhang mit Präeklampsie zu reduzieren.“

Der Mit-Erstautor Theodoros Xenakis (UCL Great Ormond Street Institute of Child Health) ergänzt: „Zukünftige Studien könnten ein noch genaueres Bild der mit der Krankheit verbundenen biologischen Veränderungen liefern, wenn mehr Teilnehmende einbezogen und noch präzisere Methoden angewandt werden.“

(lj/BIERMANN)

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