Molekulare und zelluläre Mechanismen des Suchtgedächtnisses29. Juni 2022 Je früher ein intensiver Kontakt mit Alkohol stattfindet, desto größer ist die Gefahr einer Suchtentwicklung. (Foto: © patrickjohn71 – stock.adobe.com) In einer aktuellen Publikation suchten Wissenschaftler nach anhaltenden Veränderungen im Gehirn nach einer einzigen Gabe von Alkohol. Falls sich Veränderungen im Hirn nach Alkoholeinfluss manifestieren, so könnten diese Veränderungen die Signatur oder zumindest die Vorstufen eines Suchtgedächtnisses sein. Man weiß inzwischen, dass molekulare und zelluläre Mechanismen, die für das normale Gedächtnis wichtig sind, auch beim Suchtgedächtnis eine zentrale Rolle spielen. Das bedeutet auch, dass dem Gehirn die Bildung positiver Assoziationen mit Drogen und Alkohol in jüngeren Jahren leichter fällt, genau wie auch die normale Gedächtnisleistung bei jüngeren Menschen besser ist. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, im Erwachsenenalter alkoholabhängig zu sein, umso größer, je früher Kinder und Jugendliche ihren ersten intensiven Kontakt mit Alkohol haben. Durch hochauflösende Zwei-Photonen-Mikroskopie konnten Wissenschaftler der Universitäten Düsseldorf, Heidelberg, Mannheim und Köln derartige zelluläre Mechanismen live im lebenden Maushirn während und nach der Trunkenheit beobachten. Eine zentrale Entdeckung des Forscherteams um Dr. Sidney Cambridge war, dass eine einzige Alkoholgabe im Gehirn von Mäusen zu Änderungen an Synapsen führte und dass diese Änderungen deutlich länger existierten, als der Alkohol im Blut vorhanden war. Solche anhaltenden Änderungen an Synapsen bilden die Grundlage von normalem Lernen und Gedächtnis und könnten somit auch die Grundlage des Suchtgedächtnisses darstellen. Nach Einmalgabe von Alkohol war außerdem eine Erhöhung der Mitochondrien-Mobilität in Nervenzellen im lebenden Hirn zu beobachten – und auch diese Veränderung war nach dem vollständigen Abbau des Ethanols noch messbar. In Fruchtfliegen führte die gezielte Blockade dieser Mitochondrien-Mobilität dazu, dass die Fliegen keine positiven Assoziationen mit Alkohol aufbauen konnten. Normalerweise gewöhnen sich Fliegen sehr schnell an den Genuss von Alkohol, aber nach Blockade der Mitochondrien-Mobilität hatten die Fliegen kein Interesse mehr. Da die Mobilität der Mitochondrien sowohl bei Fliegen als auch bei Mäusen eine wichtige Rolle bei Alkohol bedingten Veränderungen des Gehirns zu spielen scheint, vermuten die Wissenschaftler, dass beim Menschen dieser zelluläre Mechanismus ebenso von maßgeblicher Bedeutung ist. Abschließend konnten auch bei Verhaltensexperimenten mit Mäusen länger anhaltende Veränderungen beobachtet werden, da die Tiere bis zu zwei Tage nach einmaliger Alkoholgabe Schwierigkeiten hatten, korrekte Entscheidungen zu treffen. Einmaliger intensiver Alkoholgenuss könne zu anhaltenden Veränderungen im Gehirn führen, welche wiederum die Grundlage des Suchtgedächtnisses darstellen könnten, schlussfolgern die Wissenschaftler aus ihren Beobachtungen.
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