Morbus Crohn bei Kindern: Rolle der BIRC3-Defizienz aufgedeckt29. Juni 2026 Abbildung: MQ-Illustrations/stock.adobe.com Ein Team um den Münchner Mediziner Prof. Daniel Kotlarz hat eine bislang unbekannte genetische Ursache von Morbus Crohn identifiziert. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CEDs) nehmen weltweit zu. Trotz großer Fortschritte in Diagnostik und Therapie sind die zugrundeliegenden Ursachen der Erkrankung vielfach noch unzureichend verstanden. Ein internationales Forschungsteam des Very Early Onset Inflammatory Bowel Disease (VEO-IBD) Consortiums hat unter Beteiligung des LMU Klinikums und des Hospital for Sick Children (SickKids) in Toronto (Kanada) eine bislang unbekannte genetische Ursache von CEDs identifiziert. Die Ergebnisse wurden kürzlich in „Gastroenterology“ veröffentlicht. Das VEO-IBD Consortium ist ein vom Leona M. und Harry B. Helmsley Charitable Trust gefördertes Forschungsnetzwerk.Neben den Forschenden aus Kanada und Deutschland waren auch Wissenschaftler aus den USA, aus China, Japan, Frankreich, Spanien und Saudi-Arabien an der Studie beteiligt. „Die Arbeit unterstreicht die Bedeutung internationaler Kooperationen für die Aufklärung seltener Erkrankungen und die Entwicklung neuer Therapieansätze für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen“, sagt Kotlarz, Er ist Heisenberg Professor für Präzisionsmedizin entzündlicher Darmerkrankungen im Kindesalter am LMU Klinikum und einer der korrespondierenden Autoren der Studie. Auswertung von Daten zu zehn Familien Die Forschenden konnten zeigen, dass krankheitsverursachende Veränderungen im Gen BIRC3 zu einer schweren Form des Morbus Crohn führen können. Im Rahmen der Studie wurden 14 Betroffene aus zehn voneinander unabhängigen Familien identifiziert, die krankheitsverursachende genetische Veränderungen aufweisen. Unter Verwendung genetischer, transkriptomischer und proteomischer Analysen sowie experimenteller Modellsysteme gelang es, die zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen aufzuklären.Die Studie zeigt laut ihren Autoren, dass der Verlust der BIRC3-Funktion zu einer Fehlregulation des RIPK1-Signalweges im Darmepithel führt. „Unsere Ergebnisse verdeutlichen erstmals, wie ein Verlust von BIRC3 die Schutzfunktion der Darmschleimhaut bei Patienten beeinträchtigt und dadurch chronische Entzündungen begünstigt“, erläutert Xiang Shen, Co-Erstautorin der Studie und Wissenschaftlerin am Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums.Die Bedeutung der Ergebnisse reicht nach Auffassung der Forschenden über seltene genetische Erkrankungen hinaus: Sie fanden Hinweise darauf, dass derselbe Signalweg auch bei häufigeren Formen des Morbus Crohn eine wichtige Rolle spielen könnte. „Diese Arbeit zeigt eindrucksvoll, welchen Mehrwert internationale Forschungsnetzwerke für die Aufklärung seltener Erkrankungen haben“, erklärt Dr. Aleixo Muise, leitender Wissenschaftler bei SickKids und Co-Direktor des IBD-Zentrums, einer der Leiter der internationalen Studie. „Erst durch die enge Zusammenarbeit von Klinikerinnen, Klinikern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit konnten wir genügend Betroffene identifizieren, um einen neuen Krankheitsmechanismus und potenziellen therapeutischen Angriffspunkt aufzudecken“Für die Forschenden stellt die Arbeit einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Präzisionsmedizin bei CEDs dar. „Seltene monogenetische Erkrankungen ermöglichen einzigartige Einblicke in die biologischen Ursachen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen“, sagt Kotlarz. „Die Entdeckung der BIRC3-Defizienz liefert nicht nur eine neue Diagnose für betroffene Familien, sondern eröffnet zugleich neue Ansatzpunkte für zielgerichtete Therapien, von denen zukünftig auch größere Patientengruppen profitieren könnten.“
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