Morbus Crohn: Haustiere und Familiengröße beeinflussen Erkrankungsrisiko

© NDABCREATIVITY – stock.adobe.com (Symbolbild)

Bislang ist unklar, wie Umweltfaktoren das Risiko für Morbus-Crohn beeinflussen und wie sie mit biologischen Prozessen interagieren. Kanadische Forscher bewerteten den Zusammenhang zwischen Umwelteinflüssen und dem M.-Crohn-Risiko sowie deren Korrelation mit Biomarkern aus der Zeit vor der Erkrankung.

Untersucht wurden 4289 gesunde Verwandte 1. Grades (FDR) von Patienten mit M. Crohn aus dem „Crohn’s and Colitis Canada – Genetic, Environmental, Microbial“(CCC-GEM)-Projekt. Mithilfe von Regressionsmodellen identifizierten die Autoren Umweltfaktoren, die mit dem späteren Auftreten eines M. Crohn assoziiert waren, sowie deren Beziehung mit biologischen Faktoren vor der Erkrankung. Dabei wurde das Verhältnis der fraktionierten Ausscheidung von Laktulose zu Mannitol im Urin (LMR) bestimmt, eine Darmentzündung durch die fäkalen Calprotectin(FCP)-Spiegel nachgewiesen und das fäkale Mikro­biom durch 16S-rRNA-Sequen­zierung analysiert.

Im Laufe des medianen Follow-ups von 5,62 Jahren entwickelten 86 FDR einen M. Crohn. Das Zusammenleben mit einem Hund im Alter zwischen 5 und 15 Jahren (HR 0,62; 95%-KI 0,40–0,96; p=0,034) und Leben in einer großen Familie im 1. Lebensjahr (HR 0,43; 95%-KI 0,21–0,85; p=0,016) waren mit einem geringeren M.-Crohn-Risiko assoziiert, während Personen, die zum Zeitpunkt der Rekrutierung mit einem Vogel zusammenlebten, ein erhöhtes M.-Crohn-Risiko aufwiesen (HR 2,78; 95%-KI 1,36–5,68; p=0,005).

Außerdem war das Leben mit einem Hund mit einer reduzierten LMR, einer veränderten Häufigkeit mehrerer Bakteriengattungen und einer erhöhten Chao1-Diversität assoziiert, während Vogelbesitzer höhere FCP-Werte aufwiesen. Eine große Familie im 1. Lebensjahr der Teilnehmer korrelierte mit einer veränderten Zusammensetzung der Mikrobiota, ohne dass dies Auswirkungen auf FCP oder LMR hatte.

Fazit
In dieser Studie wurden Umweltvariablen identifiziert, die mit dem M.-Crohn-Risiko, einer veränderten Barrierefunktion, subklinischen Entzündungen und Modifikationen im Darmmikrobiom korrelieren. Dies deutet auf mögliche Effekte bei der M.-Crohn-Pathogenese hin. (bi)

Autoren: Xue M et al.
Korrespondenz: Williams Turpin; [email protected]
Studie: Environmental Factors Associated With Risk of Crohn’s Disease Development in the Crohn’s and Colitis Canada – Genetic, Environmental, Microbial Project
Quelle: Clin Gastroenterol Hepatol 2024;22(9):1889–1897.e12.
Web: https://doi.org/10.1016/j.cgh.2024.03.049