MPN: Granulozyten als Ursache für starke Entzündungen und Komplikationen identifiziert14. August 2024 v.l.n.r.: Das Magdeburger Forschungsteam: Dr. Vikas Bhuria, Prof. Thomas Fischer, Manos Charakopoulos, Dr. Ronny Haage, Prof. Dimitrios Mougiakakos, Conny Baldauf, Dr. Martin Böttcher. Foto: ©Daniela Crasser Ein Team um die Professoren Thomas Fischer und Dimitrios Mougiakakos von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat die Rolle von Granulozyten als Vermittler starker Entzündungsreaktionen bei Myeloproliferativen Neoplasien (MPN) identifiziert. MPN-Erkrankungen wie Polyzythämia vera, Essentielle Thrombozytose und Myelofibrose werden häufig von Symptomen wie Fieber, übermäßigem Nachtschweiß, unerträglichem Juckreiz sowie Komplikationen wie Thrombosen und Schlaganfällen begleitet werden. Bislang waren die Ursachen dieser Entzündungsreaktionen und Komplikationen unzureichend bekannt.In der aktuellen Studie untersuchten die Wissenschaftler um die Erstautoren Dr. Ronny Haage und Manos Charakopoulos die molekularen Veränderungen, die Granulozyten so manipulieren, dass sie verstärkt entzündungsfördernde Botenstoffe wie Interleukin-1 (IL-1) produzieren und der Stoffwechsel der Granulozyten verändert wird. „Besonders interessant war die Entdeckung, dass die Granulozyten so verändert werden, dass sie verstärkt an den Gefäßwänden haften. Diese erhöhte Klebrigkeit der Granulozyten trägt wesentlich zur Bildung von Thrombosen bei“, erläutert Fischer, Leiter der Arbeitsgruppe „Inflammation bei MPN“ an der Universitätsmedizin Magdeburg.Eine weitere entscheidende Erkenntnis aus der Studie ist, dass diese Veränderungen in den Granulozyten von genetischen Mutationen in den Blutstammzellen abhängen. Untersucht wurden die Mutationen in den Genen der JAK2-Kinase und des Calreticulin-Proteins, die bei der Mehrheit der MPN-Patienten nachgewiesen werden. Als nächsten Schritt plant das Forschungsteam zu untersuchen, inwieweit die neuen Erkenntnisse in neue Therapiemöglichkeiten für Patienten mit MPN eingesetzt werden können.Fischer betont: „Der Erfolg unserer Studie wurde durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Gesundheitscampus GCI3 der Universitätsmedizin Magdeburg und im Forschungszentrum CHAMP der Universität Magdeburg ermöglicht. Hier konnten wir die Schnittstellen von Hämatologie, Immunologie und Zellbiologie mit innovativer mikroskopischer Bildgebung optimal verbinden.“Die Studie wurde in Kooperation mit der Medizinischen Hochschule Hannover, dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig, dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg und der Universität Cambridge, Cambridge Stem Cell Institute, durchgeführt.
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