MTI-Symposium: Bewegungsforschung und klinische Anwendung zusammen bringen

Demonstration des Parcours im Ganglabor im Rahmen des MTI Symposiums 2026 am Campus Remagen. Foto: Justin Osenberg/ Hochschule Koblenz

Bewegung besser verstehen, Therapien verbessern, dazu sollte ein Symposium des Instituts für Medizintechnik und Informationsverarbeitung (MTI) der Hochschule Koblenz und der Universität Koblenz beitragen. Förderung gab es von der Carl-Zeiss-Stiftung.

Unter dem Leitthema „Bewegungsforschung und klinische Anwendung im Dialog: Erkenntnisse und Technologien für Alltag, Sport und Beruf“ brachte das MTI Forschende, Studierende, klinische Partner sowie eine interessierte Fachöffentlichkeit zusammen. Auch externe Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis nahmen an der Tagung teil. Diese widmete sich der Frage, wie moderne Technologien, medizinische Forschung und Informationsverarbeitung gemeinsam dazu beitragen können, Bewegung besser zu verstehen, Therapien zu verbessern und den Alltag von Menschen nachhaltig zu unterstützen.

Prof. Karl Stoffel, Präsident der Hochschule Koblenz, begrüßte die Teilnehmenden. Dabei hob er die Bedeutung des MTI als Innovationsmotor für die Region hervor: „Das MTI Symposium ist ein eindrucksvolles Forum für die Innovationskraft, die aus der Kooperation von Hochschule und Universität entsteht. Es zeigt, wie wir durch die Bündelung unserer Kompetenzen in Medizintechnik und Informationsverarbeitung nicht nur exzellente Forschung betreiben, sondern auch konkrete Lösungen mit direktem Nutzen für Gesellschaft und Wirtschaft entwickeln. Ich freue mich, heute so viele engagierte Forschende, klinische Partner und Gäste bei uns am Campus Remagen begrüßen zu dürfen.“

MTI: Interdisziplinäre Forschung als Brücke zwischen Theorie und Praxis

Das MTI Mittelrhein fungiert als interdisziplinäre Forschungseinrichtung. In enger Zusammenarbeit mit medizinischen Kliniken in Koblenz bündelt das Institut spezialisierte Kompetenzen der Region. „Durch diese Vernetzung schaffen die Universität und die Hochschule mit ihren Partnern kraftvolle Synergien zwischen wissenschaftlicher Forschung und medizinischer Anwendung. Davon profitieren die beteiligten Wissenschaftler*innen, Mediziner*innen, aber auch die Studierenden, die ihre Kompetenzen durch das MTI Symposium erweitern können,“ betonte Prof. Stefan Wehner, Präsident der Universität Koblenz bereits im Vorfeld der Veranstaltung.

Das Symposium verdeutlichte eindrucksvoll, wie die Zusammenarbeit in der Praxis aussieht. Aktuelle Forschungsergebnisse wurden direkt mit klinischen Fragestellungen verknüpft und konkrete Anwendungspotenziale für Prävention, Therapie und berufliche Praxis gezeigt.

Blick in die Labore der Hochschule Koblenz

Im Rahmen des Symposiums erhielten die Teilnehmenden Einblicke in zwei spezialisierte Einrichtungen der Hochschule Koblenz: in das Labor für „Wearables und medizinische Sensorik“ sowie das „Labor für KI-basierte Ganganalyse“. Das neue Wearable-Labor, das Prof. Lukas Scheef zusammen mit Prof. André Steimers und Prof. Marco Junglas, alle Hochschule Koblenz, betreibt, wurde im Rahmen der Veranstaltung eingeweiht.

Dort werden innovative Mikronadel-Systeme entwickelt, um minimalinvasiv Biomarker wie Glukose, Elektrolyte oder Laktat zu messen. Ziel ist es, Labordiagnostik kontinuierlich und alltagstauglich verfügbar zu machen, um Krankheiten früher erkennen und behandeln zu können. Scheef, stellvertretender Leiter des MTI Mittelrhein, Professor im Fachbereich Mathematik, Informatik, Technik der Hochschule Koblenz und Dozent für Medizinische Computervisualistik an der Universität Koblenz, gab einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik. „Das Symposium machte spürbar, welche kreative Dynamik und Innovationskraft in der engen Vernetzung von Hochschule, Universität und klinischer Forschung liegt. Dafür steht das MTI.“

Enge Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Universität im Bereich Biomechanik

Prof. Ulrich Hartmann, Professor im Fachbereich Mathematik, Informatik, Technik der Hochschule Koblenz, demonstrierte die innovativen Forschungsansätze und die technologische Arbeitsweise im SmartGAITLab: „In unserem interdisziplinären Labor analysieren wir mithilfe KI-basierter Technologien Bewegungs- und Gangmuster“, erläuterte Hartmann und ergänzte: „Das Symposium hat eindrucksvoll gezeigt, wie diese technologischen Innovationen dazu beitragen, konkrete Lösungen für Herausforderungen in Bereichen wie Arbeitsschutz, Sport und Geriatrie zu entwickeln und die Gesundheitsversorgung nachhaltig zu verbessern.“

Seit Januar 2025 wird das Bewegungslabor gemeinsam von den Arbeitsgruppen „AI in Pathological and Healthy Gait“ der Hochschule Koblenz sowie „Trainings- und Bewegungswissenschaft“ der Universität Koblenz genutzt, um Forschungsmethoden gezielt weiterzuentwickeln. Die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Universität wurde insbesondere bei der Labordemonstration im Bereich der klinischen Biomechanik deutlich. Mitglieder beider Forschungsgruppen präsentierten den Teilnehmenden verschiedene praxisnahe Anwendungen aus dem Labor.

In-vivo-Analyse von Muskeln und Sehnen

Besonderes Interesse weckte die Demonstration der In-vivo-Analyse von Muskeln und Sehnen sowie des Gangperturbationsparcours. Das neu integrierte, mobile Bewegungserfassungssystem der Universität Koblenz ermöglicht, menschliche Bewegungen präzise aufzuzeichnen. Auf am Körper befestigte Marker oder Sensoren kann dabei verzichtet werden. In Kombination mit dem Gangperturbations-System der Hochschule Koblenz, mit dem gezielt Störungen beim Gehen ausgelöst werden können, etwa durch unerwartete Stolperereignisse, entsteht ein international einzigartiges experimentelles Setup. Laut Hochschule Koblenz existiert das in dieser Form weltweit bislang nicht. Künftig soll das Setup durch muskelspezifische In-vivo-Analysen und KI-basierte Methoden weiter ausgebaut werden. Damit soll die muskuloskelettale Forschung international wettbewerbsfähig gestalte werden.

Prof. Kiros Karamanidis, Geschäftsführer des MTI und Leiter des Carl-Zeiss-Projekts, Professor am Fachbereich 3: Mathematik / Naturwissenschaften der Universität Koblenz, erklärte die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit: „Das diesjährige MTI-Symposium bot Interessierten aus den Bewegungswissenschaften sowie der Prävention und Rehabilitation muskuloskelettaler Verletzungen spannende Einblicke. Es zeigte, wie der Austausch aktueller Forschungsergebnisse mit klinischer Anwendung über die Plattform des MTI künftig dazu beitragen kann, diese effektiver in den klinischen Alltag zu transferieren und neue Fragestellungen anzuregen.“

Konkrete Lösungen für reale Herausforderungen

Die zentrale Botschaft des Symposiums: Interdisziplinäre Forschung schafft konkrete Mehrwerte. Ob im Alltag, im Sport oder im beruflichen Umfeld – neue Technologien ermöglichen präzisere Diagnostik, individualisierte Therapien und verbesserte Präventionsmaßnahmen. Damit leiste das MTI einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung moderner Gesundheitsversorgung und zur Stärkung des Innovationsstandorts Mittelrhein, betont die Hochschule Koblenz in einer Mitteilung.

Das Symposium findet jährlich statt und wurde auch 2026 wieder von der Carl-Zeiss-Stiftung finanziell unterstützt. Die Veranstaltung war öffentlich und kostenfrei zugänglich und förderte damit gezielt den offenen Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft.

Das wissenschaftliche Programm umfasste 15 Fachvorträge, die die gesamte Bandbreite der Forschungsaktivitäten des MTI abbildeten – von technologischen Innovationen über datenbasierte Analysen bis hin zu klinischen Studien. Die Beiträge spiegelten die enge Verzahnung von Grundlagenforschung, Medizintechnik, Informatik und klinischer Anwendung wider und machten deutlich, wie interdisziplinäre Ansätze zu praxisnahen Lösungen führen.