Mukosa-Biofilm als Merkmal des Reizdarmsyndroms und der Colitis ulcerosa21. März 2022 © eddows – stock.adobe.com (Symbolbild) Beim Reizdarmsyndrom (RDS) sowie bei Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) sind Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten nur begrenzt, was zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen kann. Da es zunehmend Hinweise auf eine Beteiligung des Darmmikrobioms an der Pathophysiologie dieser Erkrankungen gibt, haben Wissenschaftler die Prävalenz von endoskopisch sichtbaren Schleimhautbiofilmen bei Magen-Darm-Erkrankungen und die damit verbundenen Veränderungen des Mikrobioms analysiert. Hierzu wurden das Vorhandensein von Schleimhautbiofilmen bei 1426 Patienten in 2 europäischen universitären Endoskopiezentren untersucht und schließlich 117 Patienten für eine molekulare und mikroskopische Analyse ausgewählt. Methodisch kamen die 16S-ribosomale RNA-Gen-Amplikonsequenzierung von Kolonbiopsien und fäkalen Proben, die konfokale Mikroskopie mit einer Deep-Learning-basierter Bildanalyse, Rasterelektronenmikroskopie, Metabolomik und In-vitro-Biofilmbildungstests zum Einsatz. Die Forschenden konnten bei 57% der Personen mit einem RDS und bei 34% der Patienten mit Colitis ulcerosa Biofilme nachweisen, verglichen mit 6% bei den Kontrollpersonen (p<0,001). Diese gelb-grün erscheinenden, adhärenten Schichten des Ileums und des rechtsseitigen Kolons wurden mikroskopisch als dichte bakterielle Biofilme bestätigt. Mithilfe der 16S-Sequenzierung konnten diese Biofilme mit einem dysbiotischen Darmmikrobiom in Verbindung gebracht werden, die mit einer Überbesiedelung von Escherichia coli und Ruminococcus gnavus einhergehen. Eine Metabolomanalyse ergab außerdem eine Anhäufung von Gallensäuren in den Biofilmen, die mit der fäkalen Gallensäureausscheidung korrelierte, was diesen Phänotyp mit dem vermehrten Auftreten von Diarrhöe in Verbindung brachte. Fazit Das Vorhandensein von Schleimhautbiofilmen stellt damit ein endoskopisches Merkmal für eine Untergruppe von RDS und C. ulcerosa mit gestörtem Gallensäurestoffwechsel und bakterieller Dysbiose dar. Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass Biofilme relevante Kipp-Punkte bei der Entwicklung von Dysbiose und Krankheit sein könnten. (bi) Autoren: Baumgartner M et al. Korrespondenz: Christoph Gasche; [email protected] Studie: Mucosal Biofilms Are an Endoscopic Feature of Irritable Bowel Syndrome and Ulcerative Colitis Quelle: Gastroenterology 2021;161(4):1245–1256 Web: https://doi.org/10.1053/j.gastro.2021.06.024
Mehr erfahren zu: "Rettungsdienst-Kosten: NRW wirbt für umstrittene Lösung" Rettungsdienst-Kosten: NRW wirbt für umstrittene Lösung Seit Monaten streiten Kommunen und Krankenkassen um Kosten für den Rettungsdienst. Nun liegt eine Lösung auf dem Tisch, die den Kommunen überhaupt nicht passt. Das Land wirbt trotzdem um Zustimmung.
Mehr erfahren zu: "Universität Bielefeld untersucht Fußballfieber zur Weltmeisterschaft 2026" Universität Bielefeld untersucht Fußballfieber zur Weltmeisterschaft 2026 Die Fußballweltmeisterschaft lässt Fanherzen weltweit höher schlagen. Wie genau Fans verschiedener Nationalteams körperlich auf Spielereignisse reagieren, untersuchen Forschende der Universität Bielefeld.
Mehr erfahren zu: "Hautkrebsscreening in Deutschland: Kein Vorteil im Ländervergleich" Hautkrebsscreening in Deutschland: Kein Vorteil im Ländervergleich Der Nutzen eines bevölkerungsweiten Hautkrebsscreenings ist umstritten. Ein Forschungsteam aus Oldenburg und Lübeck hat nun Trends der Melanomsterblichkeit in Deutschland und den Nachbarländern verglichen.