Multidisziplinäre Versorgung bei gastroenterologischen Störungen13. April 2021 © Yakobchuk Olena – stock.adobe.com (Symbolbild) Funktionelle gastrointestinale Störungen sind kostspielig für das Gesundheitssystem. Meist erfolgt die fachärztliche Betreuung durch einen Gastroenterologen, während psychologische, verhaltenstherapeutische und diätetische Therapien nicht routinemäßig angeboten werden. Australische Wissenschaftler verglichen in der MANTRA-Studie eine rein gastroenterologische Standardversorgung (SV) mit einer multidisziplinären Versorgung (MV). Die MV umfasste eine Betreuung durch Gastroenterologen, Diätassistenten, Hypnotherapeuten, Psychiatern und verhaltenstherapeutischen Physiotherapeuten. Insgesamt 188 Patienten (Alter 18–80 Jahre) mit funktionellen gastrointestinalen Störungen wurden zufällig entweder der SV (n=65) oder der MV (n=123) zugewiesen. 144 Erkrankte, von denen 63% Frauen waren, bildeten die modifizierte ITT-Analyse (SV-Gruppe: n=46 und MV-Gruppe: n=98). Insgesamt 57% Teilnehmer in der SV-Gruppe und 84% in der MV-Gruppe zeigten eine umfassende Symptomverbesserung (Risikoverhältnis 1–50; 95%-KI 1,3–1,93; p=0,00045). Bei 63% der SV-Gruppe und 83% der Erkrankten der MV-Gruppe ergab sich eine adäquate Linderung der Symptome innerhalb von 7 Tagen (p=0,010). Die Patienten der MV-Gruppe wiesen häufiger eine ≥50%ige Reduktion in allen Symptomclustern auf als die der SV-Gruppe. Bei Reizdarmsyndrom-Patienten trat eine Reduktion des Symptom-Scores um ≥50-Punkte bei 38% in der SV-Gruppe und 66% in der MV-Gruppe auf (p=0,017). Ebenso wurde bei funktioneller Dyspepsie eine 50%ige Score-Reduktion bei 11% in der SV-Gruppe und bei 46% in der MV-Gruppe festgestellt (p=0,47). Die Kosten pro erfolgreichem Therapieergebnis waren in der SV-Gruppe höher als in der MV-Gruppe. Fazit Die integrierte MV scheint damit der rein gastroenterologischen SV in Bezug auf Symptome, spezifische Funktionsstörungen, psychologischen Zustand, QoL und Versorgungskosten bei der Behandlung funktioneller gastrointestinaler Störungen überlegen zu sein. Daher sollte bei diesen Patienten eine MV routinemäßig erfolgen. (je) Autoren: Basnayake C et al. Korrespondenz: Michael A. Kamm; [email protected] Studie: Standard gastroenterologist versus multidisciplinary treatment for functional gastrointestinal disorders (MANTRA): an open-label, single-centre, randomised controlled trial Quelle: Lancet Gastroenterol Hepatol 2020;5(10):890–899. Web: https://doi.org/10.1016/S2468-1253(20)30215-6
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