Multifokale IOL: Austausch bei Unzufriedenheit erzielt gute Ergebnisse

KI-generiertes Bild einer künstlichen Intraokularlinse. Im Hintergrund ein OP-Tisch mit einzelnen Instrumenten
Symbolbild einer Intraokularlinse.Foto:©Sugar Love Love-stock.adobe.com

Eine aktuelle britische Arbeit hat ergeben, dass ein Austausch von multifokalen Intraokularlinsen bei unzufriedenen Patienten günstige refraktive und visuelle Ergebnisse erzielt.

Bei immer mehr Patienten mit Katarakt und/oder Presbyopie besteht der Wunsch nach weitestgehender Brillenunabhängigkeit. Multifokale Intraokularlinsen (mfIOL) erscheinen hierfür eine gute Lösung zu sein. Die möglichen Nebenwirkungen dieser Linsen werden im Vorfeld der Operation oftmals als weniger belastend eingeschätzt als die Notwendigkeit, ständig auf eine Brille angewiesen zu sein. Auch wenn mfIOL meist eine Brillenunabhängigkeit ermöglichen, sind nicht alle Patienten mit dem erzielten Seheindruck zufrieden.

Eine britische Privatklinik ging der Frage nach, wie häufig ein IOL-Austausch bei Unzufriedenheit mit multifokalen Linsen erforderlich wird. Darüber hinaus interessierte die Forschenden wie gut die Ergebnisse eines solchen Linsenaustauschs ausfallen. Die Ergebnisse ihrer Analysen veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Journal of Cataract and Refractive Surgery”.

Gesamtrate des IOL-Austauschs lag bei 0,63 Prozent

Ausgewertet wurden Daten von Patienten, die zwischen 2007 und 2021 eine mfIOL implantiert bekamen und aufgrund von Problemen mit der Qualität des Sehens oder unzureichender Nahsicht einen IOL-Austausch benötigten. Ein IOL-Austausch aus anderen Gründen wurde nicht in die Analyse einbezogen. Zu diesen zählten unter anderem eine Dislokation sowieTrübung der IOL oder andere unerwünschte Ereignisse. Die Forschenden analysierten die visuellen und refraktiven Ergebnisse des Linsenaustauschs zum letzten verfügbaren Follow-up-Termin.

Die mittlere Zeit von der mfIOL-Implantation bis zum IOL-Austausch betrug 13,6 ± 8,3 Monate. Die Gesamtrate des IOL-Austauschs lag bei 0,63 Prozent (688 von 109.274 Linsen). Dieser Wert ist den Autoren zufolge als sehr gering einzuschätzen. Als Gründe für den IOL-Austausch gaben die Patienten Probleme mit der Qualität des Sehens mit 637 IOL-Wechseln (0,58%) und eine unzureichende Nahsicht (z.B. Austausch einer IOL mit geringerer Nahaddition gegen eine mit stärkerer Nahaddition) mit 51 IOL-Wechseln (0,05%) an.

Implantation der Sekundär-IOL zumeist mittels In-the-bag-Fixierung möglich

Nach dem Austausch lagen bei Zielrefraktion Emmetropie 71,7 Prozent (493/688) der Augen innerhalb von 0,50 dpt und 91,3 Prozent (628/688) der Augen innerhalb von 1,0 dpt. Der mittlere unkorrigierte Fernvisus nach dem Austausch betrug 0,11 ± 0,21 logMAR. Die Sekundär-IOL konnte zu 86,8 Prozent (597/688) mittels In-the-bag-Fixierung und in 12,5 Prozent (86/688) mittels Sulcus-ciliaris-Fixierung implantiert werden. Alternativ kamen in 0,7 Prozent (5/688) Fixierungen mittels Irisklauen oder Skleranaht vor.

Patienten, die aufgrund von Unzufriedenheit mit Multifokallinsen einen IOL-Austausch benötigten, erzielten mehr als ein Jahr nach der ursprünglichen Operation günstige refraktive und visuelle Ergebnisse. In den meisten Fällen war eine In-the-bag-Implantation der Sekundärlinse möglich.

(ak/ BIERMANN)