Muss jede Bandruptur am Knie operiert werden?26. August 2024 Foto: pictworks stock.adobe.com Wo sind die Möglichkeiten, wo liegen die Grenzen der einzelnen Therapien bei Bandrupturen? Darüber referiert Prof. Thomas Tischer, auf dem Zeulenrodaer Kongress für Orthopädie und Sportorthopädie. „Ein ganz klares Nein“, sagt Prof. Tischer, „nicht jedes gerissene Band am Knie muss operativ versorgt werden. Während das innere Seitenband meist konservativ behandelt wird, braucht es für das laterale Seitenband oft eine OP.“ Ebenso beim Vorderen Kreuzband – bei jungen aktiven Menschen wird hier meist operativ heran gegangen. Beim hinteren Kreuzband wiederum oft konservativ, so der Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Klinikleiter am Malteser Waldkrankenhaus St. Marien. Der Klassiker unter den Rissen ist das Vordere Kreuzband (VKB), oft passiert es zum Beispiel im Fußball oder Ski alpin. Während es bei der Ursache auch geschlechterspezifische Unterschiede, wie zum Beispiel die Beinstellung oder neuromuskuläre Faktoren, gibt, erfolgt die Operation für alle nach dem gleichen Prinzip. Dabei geht es nach dem individuellen Anspruch, den die Patienten haben. Je intensiver sie das Knie „nutzen“ wollen (z.B. in bestimmten Sportarten), desto entscheidender ist das für die Therapie. Dies gilt auch für über 50- und 60Jährige, erläutert der Experte. Empfinden Betroffene dagegen wenig Instabilität, treiben keinen Sport und haben keinen Bewegungsanspruch, kann mitunter auch konservativ behandelt werden. „Allerdings ist die Gefahr hoch, im späteren Verlauf Schäden an Meniskus und Knorpel zu erleiden“, so Tischer. Das Hintere Kreuzband (HKB) ist besser von Schleimhaut umgeben und von Blutgefäßen versorgt. Hier helfen beispielsweise Schienen und Orthesen, so der Expert weiter. Die initiale Heilung dauere im Schnitt sechs bis zwölf Wochen, dann könne das Training langsam hochgefahren werden. Bei einer – ebenso häufigen – Innenbandverletzung (durch Hängenbleiben oder einem gegnerischen Sprung ans Knie), helfe auch eine Orthese mit Bewegungslimit und Ruhigstellung. Bei einer lateralen Verletzung ist häufig eine Krafteinwirkung außen gegen das Knie die Ursache, zum Beispiel im Motorsport. Oft gehe diese Verletzung mit einem Riss am HKB einher. Wie beim VKB auch werde in diesem Fall eine Sehne entnommen und ersetzt. Normales Gehen ist dem Experten zufolge nach diesen Operationen meist nach vier Wochen möglich. Es folge ein gezieltes Aufbautraining. Fünf bis sechs Monate später könne mit dem Training in der jeweiligen Sportart begonnen werden. Und nach neun bis zwölf Monaten gehe es in den Sport zurück.
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