Mutige Weißbüscheläffchen lernen schneller als zurückhaltendere Artgenossen11. Mai 2022 Weißbüscheläffchen besitzen nachgewiesener Maßen Persönlichkeit. Foto: © DKunert – pixabay.com Ein Team von Kognitions- und VerhaltensbiologInnen der Universität Wien führte Persönlichkeitstests und eine Reihe von Lerntests mit Weißbüscheläffchen durch und stellte fest, dass eine Verbindung zwischen Persönlichkeit und Lernfähigkeit, verknüpft mit der Familienzugehörigkeit, besteht. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht. Lange Zeit wurde angenommen, dass nur Menschen eine Persönlichkeit haben. In den vergangenen Jahrzehnten wurde allerdings nachgewiesen, dass auch Tiere – von der Spinne bis zum Affen – individuelle Persönlichkeitsmerkmale besitzen. Häufig weisen „befreundete“ Tiere, manchmal auch ganze soziale Gruppen ähnliche Persönlichkeitsmerkmale auf. Die These der ForscherInnen: Entdeckungsfreudigere und/ oder mutigere Individuen lösen unterschiedliche Lernaufgaben schneller. Vedrana Šlipogor und ihre KollegInnen an der Universität Wien untersuchen in ihrem kürzlich erschienenen Forschungsartikel, ob eine solche Verbindung zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Lernfähigkeit auch bei Weißbüscheläffchen besteht und inwiefern diese Verbindung auch mit der Familienzugehörigkeit verknüpft ist. Weißbüscheläffchen pflanzen sich „kooperativ“ fort und ähneln dem Menschen in vielen sozio-kognitiven Merkmalen. Die ForscherInnen untersuchten zuerst Persönlichkeitsmerkmale der Äffchen, indem sie beispielsweise ihre Reaktionen auf neue oder seltsame Gegenstände und neues Futter beobachteten, oder auch, wie lange es dauert, bis sie sich einer Spielzeugschlange annähern. Diese Experimente zeigten, dass einige Äffchen sehr entdeckungsfreudig und mutig sind, während andere neue Reize eher vermeiden und sich fernhalten. Anschließend überprüften die ForscherInnen die Lernleistung der Äffchen mithilfe verschiedener Lernaufgaben. Bei den einfachen Lernaufgaben wurde den Äffchen beispielsweise beigebracht, auf einer Waage zu stehen und dabei einen ‚Target Stick‘ zu halten. Es gab auch schwierigere Aufgaben, wie zum Beispiel eine Verbindung zwischen gleich großen Objekten unterschiedlicher Farbe und Formen herzustellen oder auch zwischen gleichartigen Objekten unterschiedlicher Größe. Weibliche Weißbüscheläffchen lernten insgesamt schneller als männliche Ähnlich wie in Studien mit anderen Tierarten schnitten die Weißbüscheläffchen bei unterschiedlichen kognitiven Aufgaben konstant gut ab. Die untersuchten weiblichen Weißbüscheläffchen lernten insgesamt schneller als die männlichen. Die Ergebnisse bestätigten größtenteils die anfängliche These, dass Persönlichkeitsmerkmale (im Speziellen die in der Studie gegenübergestellten Eigenschaften Mut und Schüchternheit) das Lerntempo der Affen beeinflussen. Aber auch soziale Faktoren spielten eine Rolle: Die Familienzugehörigkeit der Äffchen, insbesondere im Zusammenspiel mit einer mutigen oder schüchternen Persönlichkeit, scheint Einfluss darauf zu haben, wie schnell sie unterschiedliche Aufgaben meistern. So lernten insbesondere mutigere Äffchen schneller als zurückhaltendere, was bei Mitgliedern desselben Familienverbands besonders auffällig war. Dass die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Familienverband das Lerntempo beeinflusst, könnte möglicherweise auf das gemeinsame soziale Umfeld, gemeinsame frühere Erfahrungen aber auch auf die Genetik zurückzuführen sein. Evolutionär gesehen ist es jedenfalls plausibel, dass das Lernen sowohl von der Persönlichkeit als auch vom sozialen Umfeld bestimmt wird, da mutigere Individuen üblicherweise eher auf neue Situationen und/ oder Herausforderungen im physischen und sozialen Umfeld reagieren. In solch einem komplexen Umfeld wird dann möglicherweise anhand von höheren sozio-kognitiven Leistungen selektiert. „Allem Anschein nach bedingen sowohl die Persönlichkeitsmerkmale als auch das soziale Umfeld die individuellen kognitiven Fähigkeiten der Weißbüscheläffchen“, erklärt Šlipogor. „In unseren nächsten Studien wollen wir herausfinden, ob sich diese Ergebnisse durch andere Aufgaben bestätigen lassen, die vielleicht ein wenig kognitiv herausfordernder sind, und ob dieser Effekt auch bei anderen hochsozialen Tieren mit ähnlichen sozio-ökologischen Eigenschaften auftritt.“
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