Myokardischämie durch Stress: Bei koronarer Herzkrankheit besonders gefährlich9. Februar 2022 © Pixel-Shot – stock.adobe.com (Symbolbild) In einer neuen Studie haben Wissenschaftler aus den USA mögliche Zusammenhänge zwischen psychischem Stress und einer dadurch ausgelösten Myokardischämie mit nachteiligen kardiovaskulären Ereignissen bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) untersucht. Die Forscher stellten dabei fest, dass das Vorliegen einer durch psychischen Stress – im Vergleich zu durch Sport oder pharmakologisch entstanden Stress – hervorgerufenen Ischämie bei Patienten mit stabiler KHK signifikant mit einem erhöhten Risiko für Tod aufgrund kardiovaskulärer Ursache oder einen nichttödlichen Myokardinfarkt (MI) assoziiert war. Die Forscher schreiben, dass diese Ergebnisse zwar Einblicke in die Mechanismen der myokardialen Ischämie geben könnten. Weitere Analysen seien jedoch erforderlich, um zu beurteilen, ob Untersuchungen auf eine durch psychischen Stress induzierte Ischämie einen klinischen Wert besitzen. Bei der kürzlich publizierten Arbeit handelt es sich um eine gepoolte Analyse von 2 prospektiven Kohortenstudien. Diese umfassten Patienten mit stabiler KHK aus einem universitären Krankenhausnetzwerk in Atlanta (USA): der Mental Stress Ischemia Prognosis Study (MIPS) und der Myocardinfarction and Mental Stress Study 2 (MIMS2). Die Teilnehmer waren zwischen Juni 2011 und März 2016 in die Kohorten aufgenommen worden (letzter Follow-up Februar 2020). Für die Studien wurde eine Myokardischämie mithilfe eines standardisierten psychischen Stresstests (Sprechen vor Publikum) und mittels eines konventionellen Stresstests (körperliche Belastung oder pharmakologischer Reiz) provoziert. Untersuchungen erfolgen anhand einer Einzelphotonen-Emissions-CT. Den primären Endpunkt bildete eine Kombination aus kardiovaskulärem Tod oder erstem oder rezidivierendem nichttödlichem MI. Der sekundäre Endpunkt umfasste zusätzlich Krankenhauseinweisungen wegen HF. Von den 918 Patienten des gesamten Probenpools (Durchschnittsalter 60 Jahre; 34% Frauen) nahmen 618 an der MIPS- und 300 an der MIMS2-Studie teil. Von diesen Patienten wiesen 147 (16%) eine durch psychischen Stress induzierte Ischämie auf und 281 (31%) eine durch konventionellen Stress hervorgerufene. Bei 96 (10%) der Teilnehmer wurde beides beobachtet. Über einen Nachbeobachtungszeitraum von im Median 5 Jahren trat der primäre Endpunkt bei 156 Personen auf. Die gepoolte Ereignisrate betrug 6,9/100 Patientenjahre (PJ) bei Patienten mit und 2,6/100 PJ bei Patienten ohne durch psychischen Stress verursachte Ischämie. Die multivariable adjustierte HR für Patienten mit im Vergleich zu Patienten ohne durch psychischen Stress induzierte Ischämie betrug 2,5 (95%-KI 1,8–3,5). Im Vergleich zu Patienten ohne Ischämie (Ereignisrate 2,3/100 PJ) hatten solche mit alleiniger psychischer Belastungsischämie ein signifikant erhöhtes Risiko (Ereignisrate 4,8/100 PJ; HR 2,0; 95%-KI 1,1–3,7), ebenso wie Patienten mit einer Ischämie aufgrund von psychischem Stress und konventionellem Stress (Ereignisrate 8,1/100 PJ; HR 3,8; 95%-KI 2,6–5,6). Patienten mit einer Ischämie aufgrund von konventionellem Stress allein besaßen kein signifikant erhöhtes Risiko (Ereignisrate 3,1/100 PJ; HR 1,4; 95%-KI 0,9–2,1). Teilnehmer mit sowohl durch psychischen als auch durch konventionellen Stress hervorgerufenen Ischämie hatten ein erhöhtes Risiko im Vergleich zu Patienten mit einer Ischämie aufgrund von ausschließlich konventionellem Stress (HR 2,7; 95%-KI 1,7–4,3). Der sekundäre Endpunkt trat bei 319 Personen auf. Die Ereignisrate betrug 12,6/100 PJ für Patienten mit und 5,6/100 PJ für Patienten ohne durch psychischen Stress verursachte Ischämie (adjustierte HR 2,0; 95%-KI 1,5–2,5). Fazit Bei Patienten mit stabiler KHK war das Vorliegen einer durch mentalen Stress verursachten Ischämie im Vergleich zu keiner durch mentalen Stress verursachten Ischämie signifikant mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskulären Tod oder nichttödlichen MI assoziiert. (ac) Autoren: Vaccarino V et al. Korrespondenz: Viola Vaccarino; [email protected] Studie: Association of Mental Stress-Induced Myocardial Ischemia With Cardiovascular Events in Patients With Coronary Heart Disease Quelle: JAMA 2021;326(18):1818–1828. Web: https://doi.org/10.1001/jama.2021.17649
Mehr erfahren zu: "STOC-T kann hochauflösende Bildgebung von Retina und Choroidea verbessern" STOC-T kann hochauflösende Bildgebung von Retina und Choroidea verbessern Eine neue Technologie ermöglicht hochauflösende Aufnahmen von Retina und Choroidea über einen größeren Tiefenbereich als die konventionelle OCT. Das Verfahren wird Die Spatio-Temporal Optical Coherence Tomography (STOC-T) genannt. Ein Review […]
Mehr erfahren zu: "Toxoplasmose: Experten fordern Anerkennung als vernachlässigte Tropenkrankheit" Toxoplasmose: Experten fordern Anerkennung als vernachlässigte Tropenkrankheit Eine internationale Gruppe von Experten fordert, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Toxoplasmose offiziell als vernachlässigte Tropenkrankheit anerkennt. In einem Positionspapier in PLOS Neglected Tropical Diseases kritisieren sie, dass die Erkrankung und […]
Mehr erfahren zu: "Aderhautmelanom: Jeder Monat ohne Therapie könnte Sterberisiko erhöhen" Aderhautmelanom: Jeder Monat ohne Therapie könnte Sterberisiko erhöhen Das Wachstum von Aderhautmelanomen scheint sich mit zunehmender Tumorgröße zu beschleunigen. Bereits wenige Monate ohne Behandlung könnten die langfristigen Überlebenschancen schmälern. Die Sektion Ophthalmologische Onkologie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) […]