Myopie: Niedrig dosiertes Atropin wirkt bei Erwachsenen 24 Stunden lang

Neue Forschungsergebnisse aus den USA zeigen, dass die Instillation von niedrig dosiertem Atropin ins Auge eines Erwachsenen signifikante Veränderungen der Pupillengröße und der Fokussierungsfähigkeit hervorrufen kann.(Symbolbild.)Bild:©mputsylo-stock.adobe.com

Forschungsergebnisse der University of Houston, USA, zeigen, dass ein einziger Tropfen einer niedrig dosierten Atropin-Augentropfenlösung bei der Behandlung von Myopie einen ganztägigen Effekt erzielen kann.  

Lisa Ostrin, Professorin für Optometrie, und Postdoktorandin Barsha Lal berichten, dass ein Tropfen einer niedrig dosierten Atropin-Lösung (0,01 %–0,1 %) deutliche Veränderungen der Pupillengröße und der Fokussierungsfähigkeit hervorrufen. Diese Wirkungen halten den Autorinnen zufolge mindestens 24 Stunden an.

Atropin führt zu vorübergehenden Veränderungen der Netzhautdurchblutung

Zudem stellten die Forscherinnen fest, dass die Augentropfen keine kurzfristigen strukturellen Auswirkungen auf das Auge haben. Die Atropin-Tropfen hätten lediglich vorübergehende Veränderungen der Durchblutung innerhalb der Netzhaut bewirkt. Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftlerinnen in der Fachzeitschrift „Eye and Vision“ veröffentlicht.

Atropin in niedriger Konzentration wird häufig verschrieben, um das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bei Kindern zu verlangsamen. Die kurzfristigen Auswirkungen auf Netz- und Aderhaut sind jedoch noch nicht vollständig geklärt.

In der vorliegenden Studie wurden die kurzfristigen Auswirkungen verschiedener niedriger Atropinkonzentrationen auf die Augenlänge, die Blutgefäße in der Netzhaut sowie die Dicke der Netz- und Aderhaut untersucht. Eine größere Augenlänge ist mit Kurzsichtigkeit assoziiert. Mit zunehmender Länge werden außerdem die Netz- und Aderhaut gedehnt. Deshalb sind dies wichtige Messgrößen.

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine einmalige Instillation von Atropin die Achsenlänge sowie die Dicke der Netz- und Aderhaut über 24 Stunden nicht verändert, jedoch die oberflächliche Netzhautdurchblutung zeitabhängig vorübergehend beeinflussen kann“, erklärte Ostrin. 

Einzelner Tropfen ruft signifikante Veränderungen der Pupillen hervor

In der doppelblinden, randomisierten Studie erhielten zwanzig gesunde Erwachsene während fünf separater Sitzungen eine einmalige Instillation von entweder einem Placebo oder Atropin in das rechte Auge. Die Forscher untersuchten anschließend sowohl eine Stunde als auch 24 Stunden später die Augenstruktur, die Dicke und die Länge der zentralen Netzhaut. 

„Die Charakterisierung dieser kurzfristigen Effekte ist wichtig für ein besseres Verständnis der physiologischen Reaktionen auf Atropin in klinischen und Forschungsumgebungen“, betonte Ostrin. Sie hatte zuvor Forschungsergebnisse veröffentlicht, in der die kurzfristigen Auswirkungen einer Reihe von niedrig dosierten Atropinkonzentrationen auf die Pupillen junger Erwachsener untersucht wurden. In dieser Studie fand sie ähnliche Ergebnisse. Wobei in dieser Arbeit bereits ein einzelner Tropfen Atropin signifikante Veränderungen der Pupillen hervorrief.

Atropin ruft frühe funktionelle und vaskuläre Effekte im Auge hervor

Zusammengenommen deuten die Studien den Autorinnen zufolge darauf hin, dass Atropin frühe funktionelle und vaskuläre Effekte im Auge hervorruft. Dabei treten jedoch keine strukturellen Veränderungen auf. 

„Durch die Verknüpfung objektiver Augenreaktionen mit subjektiven Seherfahrungen vertieft diese Arbeit unser Verständnis der Wirkungsweise von Atropin. Und sie unterstützt präzisere, evidenzbasierte und individualisierte Ansätze im Myopiemanagement“, fügte Ostrin hinzu.

(sas/BIERMANN)