Natürlicher Superkleber aus heimischen Mistelbeeren – Eine vielversprechende Entdeckung13. Juli 2022 Nahaufnahme der Mistelbeere (Foto: Nils Horbelt, MPIKG) Ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG) und der McGill Universität in Kanada entdeckt starke Klebeeigenschaften der Weißbeerigen Mistel. Die flexiblen Fasern der Mistelbeere haften sowohl an Haut und Knorpel als auch an diversen synthetischen Materialien und könnten potenziell als Wundverschlussmittel in der Biomedizin angewendet werden. Für ihre Forschung holten die Materialwissenschaftler um Prof. Peter Fratzl die Mistelbeeren selbst von den Bäumen. Von seinem Bürofenster aus kann der Direktor der Abteilung Biomaterialien die vielen grünen Mitesser sehen. „Misteln wachsen überall in großer Zahl, so auch am Max-Planck-Campus, sie sind biologisch abbaubar und erneuerbar,“ sagt Fratzl und ergänzt: „Erstmals wird nun untersucht, wie man die hervorragenden Klebeeigenschaften für potenziell medizinische oder technische Verwendungen nutzbar machen kann.“ Vorteile des biologischen Klebstoffs: Er haftet sehr gut und ist unter feuchten Bedingungen leicht zu lösen. Um die Klebeeigenschaften zu beobachten, trug der Materialwissenschaftler und frühere Schreiner Dr. Nils Horbelt im Selbstversuch den Mistelkleber drei Tage an den Fingern: „Anschließend konnte ich das Viscin durch einfaches Aneinanderreiben der Finger wieder ablösen.“ Jede Mistelbeere kann einen bis zu zwei Meter langen klebrigen Faden, das sogenannte Viscin produzieren – einen natürlichen Zelluloseklebstoff. Damit können die Samen der halbparasitären Pflanze an ihren Wirtspflanzen haften. Die Forscher in der ehemaligen Arbeitsgruppe von Dr. Matthew Harrington, der inzwischen auf eine Professur an der McGill University in Kanada gewechselt ist, entdeckten, dass Viscinfasern durch einfache Verarbeitung im nassen Zustand zu dünnen Filmen gedehnt beziehungsweise zu 3-D-Strukturen zusammengefügt werden können. Dieser natürliche Superkleber könnte möglicherweise Anwendung als Wundverschlussmittel finden, zudem haftet er auch an Metallen, Glas und Kunststoffen. Spannend ist auch die Tatsache, dass die Klebeeigenschaften unter feuchten Bedingungen vollständig reversibel sind. „Es bleiben noch viele Fragen zu diesem sehr außergewöhnlichen Material offen,“ sagt Nils Horbelt, Erstautor der vorliegenden Studie. In einem nächsten Schritt wird nun die Chemie hinter diesem quellfähigen, extrem klebrigen Material untersucht, um den Klebeprozess in einem zweiten Schritt imitieren zu können.
Mehr erfahren zu: "Die Vorbereitung auf den Ernstfall – eine „immense Herausforderung“" Die Vorbereitung auf den Ernstfall – eine „immense Herausforderung“ Das Thema „Katastrophen, Krisen, Krieg“ (3K) ist inzwischen die neue Normalität, die auch auf O&U-Kongressen abgebildet wird. In Baden-Baden wurde ein Rückblick, Up-date und Ausblick zur zivil-militärischen Zusammenarbeit geboten.
Mehr erfahren zu: "Weiterbildung in Deutschland und Österreich: „Gipfeltreffen“ auf dem VSOU-Kongress" Weiterbildung in Deutschland und Österreich: „Gipfeltreffen“ auf dem VSOU-Kongress In Deutschland wird zum Facharzt weitergebildet, in Österreich ausgebildet. Beides dauert 72 Monate. Wo die wichtigsten Gemeinsamkeiten, Unterschiede und jeweiligen Herausforderungen bei der Weiterbildung liegen, war Thema auf dem VSOU-Kongress.
Mehr erfahren zu: "„Seriosität, wie wir sie von Hütchenspielern kennen“" „Seriosität, wie wir sie von Hütchenspielern kennen“ Bei einer kurzfristig anberaumten gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin haben die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) scharfe Kritik an der Bundesregierung geübt. Sie bemängelten zum einen den Referentenentwurf […]