Neoadjuvante Behandlung mit Immuncheckpoint-Inhibitoren bei Leberkrebs

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Nach einer neoadjuvanten Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICIs) beim Hepatozellulären Karzinom (HCC) kann das Ausmaß der Tumorregression Patienten mit verbessertem RFS nach der Leberresektion identifizieren.

Der Schwellenwert von ≥90 % Tumorregression sollte in randomisierten kontrollierten Studien der Phase III als Ersatzwert für das RFS validiert werden, regt das Team um Dr. Antonio D‘Alessio vom Imperial College London, Großbritannien, an.

In die gepoolte Analyse gingen Daten von HCC-Patienten mit neoadjuvanter ICI-Therapie ein. Diese Daten stammten aus dem globalen kollaborativen Konsortium (NeoHCC) aus 5 klinischen Studien der Phasen I und II und standardisierten Beobachtungsprotokollen, die an 12 Zentren der Tertiär­versorgung in den USA, Groß­britannien und Taiwan durchgeführt wurden.

Teilnahmeberechtigt waren Erwachsene, bei denen vor Beginn der Behandlung per Biopsie ein HCC diagnostiziert wurde, die einen Liver Imaging Reporting and Data System-Score von 5 in der Bildgebung aufwiesen, oder beides. Weitere Voraussetzungen waren ein ECOG*-Status von 0–1 und keine extrahepatische Ausbreitung oder vorherige ICI-Behandlung. Das pathologische Ansprechen maßen die Autoren als Prozentsatz des nichtlebensfähigen Tumors im Resektat. Als starkes pathologisches Ansprechen galt eine Tumorregression von ≥70 % und eine pathologische CR als Tumorregression von 100 %.

Meist Kombinationen von Immuncheckpoint-Inhibitoren

Das Wissenschaftlerteam konnte zum Datenstichtag (31.01.2024) 111 Patienten (87 Männer [78 %], 24 Frauen [22 %]) in seine Untersuchung aufnehmen, mit Daten zum pathologischen Ansprechen für 104 Patien­ten (94 %). Wie seinen Ergebnissen zu entnehmen ist, wurden diese Studienteilnehmenden im Zeitraum 05.10.2017–15.11.2023 behandelt, hauptsächlich mit ICI-Kombinationen (76 [69 %]) und im Median 1,4 Monate lang (IQR 0,7–2,9). Dabei wiesen die meisten von ihnen eine zugrunde liegende virale chronische Lebererkrankung (73 [66 %]) auf und ein HCC im Barcelona Clinic Liver Cancer Stadium A (61 [55 %]), ohne Pfortaderthrombose (87 [78 %]). Starke pathologische Remissionen nicht immer vorhersagbar

Die Auswertung ergab bei 33 (32 %) Patienten ein starkes pathologisches Ansprechen und bei 19 (18 %) eine pathologische CR. Dabei war das radiologische Gesamtansprechen mit einem starken pathologischen Ansprechen verbunden: 23/31 Patienten (74 %) mit radiologischer Remission zeigten ein starkes pathologisches Ansprechen, verglichen mit 10/73 ohne radiologische Remission (14 %; p<0,0001). Allerdings wurden 10 von 33 starken pathologischen Remissionen (30 %) nicht durch ein radiologisches Ansprechen vorhergesagt.

Längeres rezidivfreies Überleben bei starker Remission

Nach einer medianen Nachbeobachtung von 27,2 Monaten (95 %-KI 22,3–32,1) beziffern die Autoren das mediane RFS für die gesamte Kohorte auf 43,6 Monate (95 %-KI 28,3 bis nicht bewertbar). Bei jenen mit starker pathologischer Remission sei es signifikant länger gewesen als bei Patienten ohne (nicht erreicht [95 %-KI nicht bewertbar – nicht bewertbar] vs. 28,3 Monate [95 %-KI 12,8–43,8]; HR 0,26; 95 %-KI 0,10–0,66; p=0,0024) sowie bei Patienten mit patho­logischer CR signifikant länger als bei jenen ohne (NR [95 %-KI nicht bewertbar – nicht bewertbar] vs. 32,8 Monate [95 %-KI 15,0–50,5]; 0,19; 95 %-KI 0,05–0,78; p=0,010). Eine unverzerrte rekursive Parti­tionierung der Kohorte hinsichtlich des Risikos eines Rezidivs, Todes oder beider ergab einen Schwellenwert von 90 % als optimalen Schwellenwert der pathologischen Tumorregression zur Vorhersage eines verbesserten RFS. (sf)

*Eastern Cooperative Oncology Group

Autoren: D‘Alessio A et al.
Korrespondenz: Dr. David J. Pinato; [email protected]
Studie: Pathological response following neoadjuvant immune checkpoint inhibitors in patients
with hepatocellular carcinoma: a cross-trial, patient-level analysis
Quelle: Lancet Oncol 2024;25(11):1465–1475. (open access)
Web: doi.org/10.1016/S1470-2045(24)00457-1