Neonatologe erhält Förderung durch die Bill & Melinda Gates-Stiftung6. November 2019 Sauerstoffmangel im Rahmen der Geburt: PD Dr. Hemmen Sabir fand heraus, bei welchen Kindern die Kältetherapie nicht hilft. Jetzt will er die Gründe dafür erforschen und neue Therapieoptionen finden. (© Rolf Müller/UK Bonn) Eine Kältetherapie kann das Gehirn von Neugeborenen vor Schäden infolge von pernatalem Sauerstoffmangel schützen. Ist das Neugeborene zusätzlich einer Infektion ausgesetzt, scheint diese Therapie jedoch nicht zu wirken, wie PD Dr. Hemmen Sabir im Tiermodell herausgefunden hat. Um diesen Zusammenhang weiter zu erforschen, erhält der Neonatologe von der Bill & Melinda Gates-Stiftung 1,1 Millionen US-Dollar sowie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft 325.000 Euro. In Deutschland erleiden ein bis drei von 1000 zeitgerecht geborenen Kindern einen schweren Sauerstoffmangel im Rahmen der Geburt. Dies und auch die daraus resultierende, stark verminderte Durchblutung des Nervengewebes setzt den Zellen des Gehirns enorm zu oder zerstört sie sogar. Folge ist eine unterschiedlich ausgeprägte Hirnschädigung, eine sogenannte hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE). Als Standardtherapie wird nach zügiger Bewertung, ob eine HIE vorliegt, sofort eine künstliche Kühlung des Neugeborenen für 72 Stunden eingeleitet. Dabei wird mit einer Kühlmatte die Körpertemperatur auf 33 bis 34 Grad Celsius gesenkt. Diese etablierte Therapie kann den neurologischen Schaden reduzieren und wirkt schützend auf Nervenzellen.Trotz signifikanter Erfolge dieser Therapie hat die Hälfte der betroffenen Kinder bleibende Schäden wie schwere Behinderungen, und manche versterben sogar. „Das Riesenproblem ist, wir können bisher in den ersten Lebensstunden nicht sagen, welches Neugeborene von der therapeutischen Kühlung profitiert und welches nicht“, sagt PD Dr. Hemmen Sabir, Oberarzt der Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Bonn. Welches Kind hat ein hohes Risiko? „Eine frühe Identifikation der Kinder, die nicht von der Standardtherapie profitieren, ist aber notwendig, da sie von zusätzlichen Behandlungsmöglichkeiten profitieren könnten“, sagt Sabir. Er fand an Ratten heraus, dass eine zusätzliche Infektion im Rahmen der Geburt sich negativ auf den Erfolg der Kältetherapie auswirkt. Der Bonner Forscher geht davon aus, dass die Kombination aus Infektion und Sauerstoffmangel zu einer nicht kontrollierbaren Entzündungsaktivierung führt, weswegen die therapeutische Kühlung ihre schützende Wirkung verliert. „In einer neuen auf einem Tiermodell basierten Studie wollen wir die zugrundeliegenden Mechanismen verstehen und herausfinden, welche Hirnzellen besonders betroffen sind. Auch suchen wir nach alternativen Behandlungsoptionen“, sagt Sabir.Der Bonner Neonatologe sieht auch eine hohe globale Relevanz in seiner Forschungsarbeit. Gerade in Schwellen- und Entwicklungsländer sind viele Kinder von einer hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie nach der Geburt betroffen. „Doch die therapeutische Kühlung wird dort nicht eingesetzt, da die betroffenen Neugeborenen anders als in Deutschland durch die Therapie eher gefährdet seien, beziehungsweise sogar eher versterben, wie erste Studien gezeigt haben. Die behinderten Kinder und ihre Familien können im dortigen Gesundheitssystem nicht aufgefangenen werden“, sagt Sabir, der hofft, durch seine Forschungsarbeiten Lösungen anbieten zu können, dass betroffene Neugeborene erst gar keine Hirnschäden und damit schwere Behinderung erleiden.
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