Nervenschädigende Wirkung von Malariamedikament aufgeklärt4. Januar 2021 In dieser schematischen Darstellung verhindert in der linken Hälfte der Synapse der Wirkstoff Artemisinin (gelb) die Herstellung des Neurotransmitters GABA (blau). In Abwesenheit von Artemisinin (rechte Hälfte) wird GABA hingegen produziert. (©Graphik: AG Schindelin, Rudolf-Virchow-Zentrum) Der Wirkstoff Artemisinin wird gegen den Erreger der Malaria eingesetzt. Allerdings hat der Wirkstoff auch unerwünschte Nebenwirkungen und greift in die Signalweiterleitung von Nervenzellen ein. Würzburger WissenschaftlerInnen konnten nun die zu Grunde liegenden molekularen Mechanismen aufklären. Für die Informationsverarbeitung im zentralen Nervensystem benötigen die Nervenzellen unter anderem den Botenstoff Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Die Herstellung dieses Neurotransmitters wird jedoch durch den Anti-Malariawirkstoff Artemisinin gehemmt, wie die Forschungsgruppe von Prof. Hermann Schindelin vom Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging der Universität Würzburg jüngst zeigen konnte. In der aktuellen Studie konnte die genaue Struktur der Bindungsstelle von Artemisinin aufklärt werden. In Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen der Universität Würzburg und der Universität Erlangen beschreiben die WissenschaftlerInnen detailliert den Mechanismus der Hemmung in neuronalen Zellen. Die Herstellung von GABA Der Neurotransmitter GABA wird in der präsynaptischen Zelle von dem Enzym GAD gebildet. Damit dieses überhaupt funktionieren kann, benötigt es einen Co-Faktor, das Vitamin B6. Dieses Vitamin wird von einem weiteren Enzym, der Pyridoxalkinase (PDXK), synthetisiert. Der Vorläufer des Vitamins B6 dockt dabei an eine spezielle Bindestelle des Enzyms PDXK an. Mittels Röntgenkristallstrukturanalyse konnten die WissenschaftlerInnen nun zeigen, dass die Bindestellen für die Vitamin-B6-Vorstufe und den Wirkstoff Artemisinin teilweise überlappen und Artemisinin dadurch die Bindung der Vitaminvorstufe verhindert. „Wir untersuchten auch direkt die enzymatische Reaktion von PDXK und zeigten, dass die Bildung des Co-Faktors Vitamin B6 gehemmt wird und damit indirekt auch die Synthese des Neurotransmitters GABA,“ erklärt Anabel Pacios-Michelena, Doktorandin in der Arbeitsgruppe und eine der beiden Erstautoren der Studie. „Ein Mangel an Vitamin B6 wird mit zahlreichen neurologischen und Stoffwechselstörungen in Zusammenhang gebracht, was die Bedeutung dieser Enzymreaktion nochmals verdeutlicht”, betont Vikram Babu Kasaragod, ehemaliger Postdoktorand in der Forschungsgruppe und ebenfalls Erstautor der Studie. Messbar weniger neuronale Aktivität In Zusammenarbeit mit den neurobiologischen Arbeitsgruppen behandelten die ForscherInnen Nervenzellen mit Artemisinin und stellten fest, dass der niedrigere Spiegel an Vitamin B6 zu messbar weniger Aktivität des Enzyms GAD in präsynaptischen Neuronen führte. „Zusammen mit unserer unlängst publizierten Studie, die den Einfluss von Artemisinin in postsynaptischen Zellen beschreibt, verstehen wir jetzt, wie Artemisinin in die Signalübertragung im Gehirn eingreift,“ sagt Schindelin. Originalpublikation: Kasaragod VB et al. Pyridoxal Kinase Inhibition by Artemisinins Downregulates Inhibitory Neurotransmission. PNAS 2020 Dec 14;202008695.
Mehr erfahren zu: "Schweiß liefert Levodopa-Werte: Neuer Fingerspitzen-Sensor für Parkinson" Schweiß liefert Levodopa-Werte: Neuer Fingerspitzen-Sensor für Parkinson US-amerikanische Forschende haben ein weiches, tragbares Pflaster für die Fingerspitze entwickelt, das kontinuierlich die Levodopa-Konzentration bei Parkinson-Patienten überwacht. Das Gerät nutzt chemische Substanzen im Schweiß des Patienten – Batterien sind […]
Mehr erfahren zu: "Neue Genvarianten liefern Einblicke in die Entstehung der Fibromyalgie" Neue Genvarianten liefern Einblicke in die Entstehung der Fibromyalgie Ein internationales Forschungsteam hat neue genetische Risikofaktoren identifiziert, die mit dem Fibromyalgie-Syndrom in Verbindung stehen. Sie liefern wichtige Hinweise für ein besseres Verständnis der Erkrankung.
Mehr erfahren zu: "Parkinson: Hautbiopsien ermöglichen Unterscheidung der Body-first- und Brain-first-Subtypen" Parkinson: Hautbiopsien ermöglichen Unterscheidung der Body-first- und Brain-first-Subtypen Parkinson ist nicht gleich Parkinson: Forschende haben mithilfe von Hautbiopsien unterschiedliche Muster von α-Synuclein-Ablagerungen bei Brain-first- und Body-first-Subtypen identifiziert. Die Ergebnisse könnten den Weg zu einer individuelleren Diagnostik und Therapieplanung […]