Netzwerk für Kinder psychisch kranker Eltern

Kinder psychisch kranker Eltern haben ein hohes Risiko, später selbst einmal zu erkranken. (Foto: © nadezhda1906 – Fotolia.com)

Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss hat 6,8 Millionen Euro bewilligt, um bundesweit die psychodynamische Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu etablieren, deren Eltern psychisch erkrankt sind.

Kinder psychisch kranker Eltern haben ein sieben- bis achtfach erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken. Dennoch werden diese Kinder und Jugendlichen in der Erwachsenenpsychiatrie oftmals übersehen. Das Projekt CHIMPS-NET (Children of mentally ill parents) will nun ein bundesweites Netzwerk aufbauen, um diese Lücke zu schließen. Dafür erhält es vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss rund 6,8 Millionen Euro.

Das Projekt umschließt 30 Partner, darunter 18 Erwachsenen- und Kinder- und Jugendpsychiatrische Kliniken, Evaluatoren und fünf große Krankenkassen wie die TK, Barmer, DAK, Gesundheit KKH und BKK Mobil Oil in 15 Bundesländern. Mit letzteren soll auch die Finanzierung geklärt werden mit dem Ziel, die Intervention auch später in die Regelversorgung zu übernehmen. In dem Projekt sind auch systemische, Gesprächs- und Verhaltenstherapeuten beteiligt, die in psychodynamischer Arbeit geschult werden sollen. 

“Wir haben eine psychodynamische Intervention entwickelt, die die ganze Familie im Blick hat”, erklärte Projektleiterin Prof. Silke Wiegand-Grefe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Psychodynamische Verfahren umfassen zum einen die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und zum anderen die Psychoanalytische Psychotherapie, einschließlich die Psychoanalyse im engeren Sinne. Beide Richtungen basieren auf der ursprünglichen und weiterentwickelten Idee von Sigmund Freud, dass aktuelle psychische Probleme in der Lebensgeschichte entstanden und sich verfestigt haben.

Die Intervention sieht zwei bis drei Elterngespräche, Einzeltermine mit den Kindern sowie drei bis vier Gespräche mit der ganzen Familie vor. In den insgesamt etwa acht bis zehn Sitzungen, die sich über ein halbes Jahr erstrecken, wird anschließend ermittelt, an welcher Stelle die Familie Unterstützung von außen benötigt. “Im Anschluss bieten wir im Rahmen von 14-tägigen Treffen von Kinder- und Jugendgruppen weitere Hilfe an. Auch zu einem späteren Zeitpunkt kann sich die Familie jederzeit wieder an uns wenden, was viele Familien auch gern in Anspruch nehmen”, erklärte Wiegand-Grefe.

In diesem zunächst auf drei Jahre angelegten Projekt hoffen die Projektbeteiligten, 1000 Familien mit im Schnitt zwei bis drei Kindern ansprechen zu können. “Das heißt, wir können 2000 bis 3000 Kindern mit unserer psychodynamischen Intervention helfen. Mein großer Wunsch ist, dass unsere Arbeit Erfolg hat und wir damit eine langfristige Regelfinanzierung unseres Konzeptes erreichen. So ist unser langfristiger Plan”, sagte Wiegand-Grefe. Schätzungen zufolge leben etwa drei Millionen Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil. 

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Quellen Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) e.V.