Neu identifizierte Symptome könnten das Risiko für Eklampsie vorhersagen

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Zehn bisher unbekannte Symptome könnten auf ein erhöhtes Risiko für Eklampsie bei Schwangeren mit Präeklampsie hinweisen – und somit eine rechtzeitige präventive Behandlung für die betroffenen Patientinnen ermöglichen.

Bei der Eklampsie handelt es sich um eine Erkrankung, bei der schwangere Frauen Krampfanfälle entwickeln. Sie kann lebensbedrohlich sein und ist in vielen Teilen der Welt weiterhin eine Hauptursache für schwere Erkrankungen und Todesfälle bei Schwangeren. Gleichzeitig ist es schwierig, im Voraus zu bestimmen, wer das größte Risiko trägt, und in manchen Fällen können Krampfanfälle plötzlich und ohne eindeutige Vorwarnung auftreten.

Stärkere klinische Indikatoren

Die Forscher identifizierten in ihrer Studie zehn Symptome, die stark mit Eklampsie assoziiert sind, darunter Zuckungen in Armen oder Beinen, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Hörstörungen, starker Schwindel und Konzentrationsschwierigkeiten. Diese Symptome traten bei Frauen ohne Krampfanfälle selten auf, jedoch häufig vor einem Anfall. Fast alle Frauen mit Eklampsie wiesen mindestens ein Symptom im Vorfeld auf, und das Risiko stieg mit der Anzahl der vorliegenden Symptome deutlich an.

Lina Bergman, Forscherin an der Universität Göteborg (Schweden), kommentiert: „Derzeit ist es schwierig zu bestimmen, wer vorbeugend mit Magnesiumsulfat behandelt werden sollte. Mit den aktuell verfügbaren klinischen Anzeichen übersehen wir viele Frauen, die später eine Eklampsie entwickeln. Die nun identifizierten Symptome könnten es ermöglichen, mehr Fälle rechtzeitig zu erkennen.“

Magnesiumsulfat wird zur Reduzierung des Risikos von Krampfanfällen eingesetzt, erfordert jedoch eine Überwachung und wird daher nicht allen Patientinnen verabreicht. Die neu identifizierten Symptome könnten eine präzisere klinische Entscheidungsfindung hinsichtlich der Behandlungsbedürftigkeit unterstützen.

Deutliche Zusammenhänge erkennbar

An der Studie nahmen 2142 Frauen in Pakistan und Südafrika teil: 341 litten an Eklampsie, 1355 an Präeklampsie ohne Krampfanfälle und 389 hatten normotensive Schwangerschaften. Die Forscher erfassten die Symptome in den Tagen vor einem Krampfanfall bzw. bei den anderen Gruppen vor dem Interview und verglichen die Antworten der verschiedenen Gruppen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „PLOS Medicine“ veröffentlicht.

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Symptomen und einer Eklampsie, belegen aber keinen Kausalzusammenhang. Da die Befragung der Teilnehmerinnen retrospektiv erfolgte, sind die Ergebnisse möglicherweise mit Unsicherheiten verbunden.

„Die bisher verwendeten Symptome, wie Kopfschmerzen und Sehstörungen, weisen relativ schwache Zusammenhänge mit einer Eklampsie auf. Hier sehen wir Symptome mit deutlich stärkeren Assoziationen, die die klinische Entscheidungsfindung verbessern könnten“, erklärt Stephen Tong, Professor an der Universität Melbourne (Australien).

Catherine Cluver, Professorin an der Universität Stellenbosch (Südafrika) ergänzt: „Eine Eklampsie ist in einigen Teilen der Welt selten, stellt aber weiterhin ein bedeutendes globales Problem dar. Die frühzeitige Identifizierung von Risikopatientinnen könnte insbesondere in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu spezialisierter medizinischer Versorgung erhebliche Auswirkungen haben.“

Bergman, Tong und Cluver haben gleichermaßen zu der Arbeit beigetragen, die dem wissenschaftlichen Artikel zugrunde liegt.

(lj/BIERMANN)