Warum die Diagnose von Endometriose oft viele Jahre dauert

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Der Weg bis zur Diagnose der Endometriose dauert im Schnitt sieben bis acht Jahre. Dies liegt hauptsächlich an der Diversität der Symptome, durch die die eigentliche Ursache oft übersehen wird.

Zu den Symptomen der Endometriose gehören Menstruationsbeschwerden, chronische Unterleibsschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und in manchen Fällen Fruchtbarkeitsprobleme. Bis zu jede zehnte Frau und jedes zehnte Mädchen im gebärfähigen Alter ist von Endometriose betroffen, doch für viele ist der Weg zur Diagnose lang und komplex.

Zwei neue Studien der Universität Aarhus zeigen nun, dass ein wesentlicher Teil der Erklärung in der Primärversorgung zu finden ist, wo die Erkrankung in ihren frühen Stadien oft schwer zu erkennen ist. Die Studien wurden im Rahmen des EU-geförderten Projekts FEMaLe durchgeführt und basieren auf Interviews mit Allgemeinmedizinern in Dänemark und auf den Färöer-Inseln. Sie geben Einblick in die ärztliche Praxis und die diagnostischen Überlegungen, die Ärzte bei Patientinnen mit Endometriose-Symptomen anstellen.

„Die Primärversorgung spielt als erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem eine entscheidende Rolle. Unsere Studien zeigen, dass Endometriose oft schwer zu erkennen ist, da die Symptome unspezifisch sind und sich mit vielen anderen Erkrankungen überschneiden“, erklärt Ulrik Bak Kirk, Co-Autor beider Studien und ehemaliger wissenschaftlicher Koordinator des FEMaLe-Projekts an der Universität Aarhus.

Symptome lassen sich selten eindeutig kategorisieren

In einer der Studien untersuchten Forscher die diagnostischen Überlegungen dänischer Hausärzte anhand von drei klinischen Fällen, die sehr unterschiedliche Erscheinungsformen der Endometriose veranschaulichen. Die Ärzte wurden nicht im Voraus über die Diagnose informiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass Hausärzte klassische gynäkologische Symptome im Allgemeinen gut erkennen und entsprechend handeln. Sind die Symptome jedoch unspezifisch, beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden, wird Endometriose seltener in Betracht gezogen. Gleichzeitig spielen zyklische Symptome wie Blähungen und Stimmungsschwankungen eine wichtige Rolle, werden aber nicht immer systematisch untersucht.

„Wenn Symptome nicht dem erwarteten Muster folgen, kann die Erkrankung leicht übersehen werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines systematischeren Vorgehens, selbst bei diffusen Symptomen“, betont Bak Kirk. Die Studie zeigt zudem, dass Stigmatisierung und Tabus rund um Menstruation und gynäkologische Symptome weiterhin Einfluss darauf haben können, ob Patientinnen Hilfe suchen oder ob Ärzte die klinische Beurteilung vornehmen.

Darüber hinaus identifizieren die Forscher sogenannte „Diagnostikhierarchien“, in denen bestimmte Erkrankungen im Diagnoseprozess priorisiert werden. Dies kann bedeuten, dass Endometriose erst später in Betracht gezogen wird. „Wir beobachten eine Tendenz, Endometriose erst dann in Betracht zu ziehen, wenn andere Erklärungen ausgeschlossen wurden“, so Bak Kirk.

Bedarf an besserer Zusammenarbeit

In einer zweiten Studie beschreiben Allgemeinmediziner auf den Färöer-Inseln ihre konkreten Erfahrungen mit Patientinnen, die Symptome einer Endometriose aufweisen. Die Allgemeinmediziner fordern hier eine engere Zusammenarbeit mit Fachärzten, verbesserte Überweisungswege und ein besseres Verständnis der vielfältigen Erscheinungsformen der Erkrankung.

„Um die Zeit bis zur Diagnose zu verkürzen, benötigen wir nicht nur mehr Wissen. Wir müssen die Versorgung auch anders organisieren und enger sektorübergreifend zusammenarbeiten. Andernfalls laufen Patientinnen Gefahr, ohne Abklärung im System hin und her geschickt zu werden“, erläutert Bak Kirk.

Die Forschenden heben mehrere Bereiche hervor, die die Diagnostik in der Primärversorgung verbessern könnten:

  • Besseres Bewusstsein für nicht-gynäkologische Symptome der Endometriose
  • Systematischere Abklärung zyklischer Symptome
  • Verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit
  • Gezielte Fort- und Weiterbildung

Die Studien des FEMaLe-Projekts liefern neue Erkenntnisse, die dazu beitragen können, die Behandlungspfade für Patientinnen zu verbessern und Verzögerungen bei der Diagnose von Endometriose zu reduzieren.

„Wir wissen bereits viel mehr, als derzeit in die Praxis umgesetzt wird. Die größte Herausforderung besteht nicht nur darin, Wissen zu generieren, sondern auch dessen Anwendung in der Klinik sicherzustellen“, fasst Bak Kirk zusammen.

(lj/BIERMANN)

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