Neubewertung der Strahlentherapie zur besseren Bekämpfung von Bauchspeicheldrüsenkrebs8. September 2026 Abbildung: freshidea/stock.adobe.com Die Strahlentherapie kann möglicherweise weit mehr bewirken, als lediglich Tumorzellen zu zerstören. Eine neue Übersichtsarbeit gibt Auskunft darüber, wie die Kombination von Strahlentherapie und Immuntherapie die Behandlungsergebnisse für Patienten mit Pankreaskarzinom verbessern könnte. In dem Review, der in „Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology“ erschienen ist, schlagen Forschende des GIGA Institutes (Zentrum für interdisziplinäre biomedizinische Forschung) und des Universitätsklinikums Lüttich gemeinsam mit Kollegen des Institutes Gustave Roussy (Paris, Frankreich) und des Fox Chase Cancer Center (Philadelphia, USA) einen neuen therapeutischen Ansatz vor. Demnach soll die Strahlentherapie nicht mehr nur als Verfahren zur Zerstörung von Krebszellen betrachtet werden, sondern als Instrument, das das Immunsystem stimulieren und die Wirksamkeit einer Immuntherapie steigern kann. Unter der Leitung von Dr. Gilles Colin und Dr. Pierre Foidart (beide Lüttich) beleuchtet die Arbeit die neuesten Fortschritte aus der Grundlagen- und der klinischen Forschung. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie die Strahlentherapie die Anti-Tumor-Immunantwort modulieren kann. Auf dieser Basis sollen Strategien für eine wirksame Kombination mit der Immuntherapie bei lokal begrenztem Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelt werden, um letztlich das Risiko eines Rückfalls mit Metastasenbildung zu verringern. Therapeutisch besonders anspruchsvolle Krebserkrankung Pankreaskarzinome sind gegenüber vielen Therapieansätzen resistent. Selbst wenn der Tumor lokal begrenzt und operabel ist, bleibt das Rezidivrisiko hoch. Ein Grund hierfür liegt in der hochkomplexen Mikroumgebung des Tumors, die durch ein dichtes Stroma-Kompartiment sowie durch biologische Mechanismen gekennzeichnet ist, welche die Aktivität von Immunzellen auf natürliche Weise unterdrücken. In diesem Zusammenhang haben sich Immuntherapien bei Bauchspeicheldrüsenkrebs bislang als wenig wirksam erwiesen. Auch der Nutzen der Strahlentherapie bleibt bei Anwendung herkömmlicher Behandlungsschemata eher gering. Strahlentherapie als Verbündete des Immunsystems Die Autoren der aktuellen Übersichtsarbeit betonen jedoch, dass die Strahlentherapie biologische Wirkungen entfaltet, die bislang noch zu wenig genutzt werden. Unter bestimmten Bedingungen kann sie die Erkennbarkeit der Krebszellen für das Immunsystem erhöhen, die Aktivierung von Immun-Effektorzellen fördern und die Mikroumgebung des Tumors so umgestalten, dass die Anti-Tumor-Immunantwort unterstützt wird. Die Herausforderung besteht folglich nicht mehr nur darin, zwei Behandlungsformen zu kombinieren, sondern die Strahlentherapie so zu gestalten, dass ihr immunologisches Potenzial maximiert wird. Strahlendosis, Fraktionierung, Abfolge der Behandlungen, Präzision der Bestrahlung und die Wahl des Zielvolumens können laut den Forschenden entscheidende Faktoren für den Erfolg künftiger Therapiestrategien sein. „Es reicht nicht aus, Strahlentherapie und Immuntherapie einfach nur zu kombinieren. Ebenso wichtig ist es, besser zu verstehen, wie die Parameter der Strahlenanwendung die Immunantwort beeinflussen, um das Zusammenspiel dieser beiden Behandlungsmodalitäten zu optimieren“, erklärt Foidart. Innovative Strategien bereits in der Erprobung Der Übersichtsartikel hebt verschiedene vielversprechende Ansätze hervor, die derzeit in präklinischen und klinischen Studien untersucht werden. Einige zielen darauf ab, gezieltere und besser verträgliche Formen der Strahlentherapie einzusetzen, während andere die Strahlentherapie mit Immuntherapien der nächsten Generation, therapeutischen Impfstoffen oder Behandlungen kombinieren, die auf eine Umprogrammierung der Tumormikroumgebung ausgelegt sind. Andere Strategien untersuchen Inhibitoren, die an zentralen biologischen Signalwegen des Bauchspeicheldrüsenkrebses ansetzen – insbesondere solchen, die mit KRAS in Verbindung stehen, einem Protein, das bei dieser Erkrankung häufig verändert ist. Auf dem Weg zu stärker personalisierten Behandlungen Den Autoren zufolge wird der künftige Fortschritt auch davon abhängen, wie gut sich jene Patienten identifizieren lassen, die am ehesten von diesen Ansätzen profitieren. Die Entwicklung prädiktiver Biomarker, die Analyse zirkulierender Tumor-DNA und die Umsetzung adaptiver Studiendesigns könnten dazu beitragen, die Behandlung weiter zu personalisieren und die therapeutischen Kombinationen zu optimieren. „Bauchspeicheldrüsenkrebs bleibt eine große Herausforderung in der Onkologie“, hebt Studienautor Colin hervor. „Dank jüngster Fortschritte können wir die Strahlentherapie nun jedoch aus einer völlig neuen Perspektive betrachten. Indem wir sie als Plattform begreifen, die sowohl die Tumormikroumgebung als auch das Ansprechen auf die Immuntherapie modulieren kann, eröffnen wir neue Wege zur Verbesserung der Krankheitskontrolle.“ Ein Fahrplan für die zukünftige Forschung Nach Ansicht der Autoren bietet die Publikation mehr als nur einen Überblick über den aktuellen Wissensstand: Sie stellt einen konkreten Fahrplan für zukünftige Forschung dar. Die Autoren plädieren für einen integrierten Ansatz, bei dem Strahlentherapie, Immuntherapie, Präzisionsmedizin und technologische Innovationen gemeinsam weiterentwickelt werden, um die Resistenzmechanismen zu überwinden, die für Bauchspeicheldrüsenkrebs charakteristisch sind. Langfristig könnten solche Strategien dazu beitragen, die lokale Krankheitskontrolle zu verbessern, das Auftreten klinisch nicht nachweisbarer Metastasen, die bereits bei der Diagnose vorhanden sind, einzuschränken und letztendlich das Überleben von Patienten mit einer der am schwierigsten zu behandelnden Krebsarten zu verlängern. (ac/BIERMANN)
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