MASLD: Verbindung mit frühen kardiovaskulären und kognitiven Veränderungen festgestellt

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Laut den Autoren einer Studie kann die Stoffwechseldysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) nicht länger als reine Lebererkrankung ohne systemische Auswirkungen betrachtet werden.

Vielmehr, so schreibt eine Arbeitsgruppe um die Erstautoren Gaetano Pacinella (Universität Palermo und Abteilung für Innere Medizin und Schlaganfallbehandlung der Poliklinik „P. Giaccone“ in Palermo) sowie Alessandro Del Cuore (ebenda) im Journal „Aging“, handele es sich um eine Erkrankung, die alle Organe und Systeme des Körpers betrifft.

Zwar wird die MASLD zunehmend als systemische Erkrankung anerkannt, die über die Leber hinausgeht: So besitzen Menschen mit MASLD ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kognitive Beeinträchtigungen und andere metabolische Komplikationen. Die biologischen Mechanismen, die diese Erkrankungen verbinden, sind jedoch noch nicht vollständig verstanden.

Untersuchung der Rolle des Proteins Lipocalin-2

In ihrer aktuellen Studie nun untersuchten die Forschenden, ob Lipocalin-2 (LCN2) – ein Protein, das an Entzündungs- und Stoffwechselsignalen beteiligt ist – mit frühen Gefäßfunktionsstörungen, kognitiven Beeinträchtigungen und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko bei Patienten mit MASLD in Zusammenhang steht.

Die Wissenschaftler schlossen in eine Querschnittsstudie 40 Patienten mit kürzlich diagnostizierter MASLD sowie 40 altersgleiche Kontrollpersonen ohne Lebererkrankung ein. Sie maßen die Spiegel von LCN2 im Blut und ermittelten die Endothelfunktion anhand des reaktiven Hyperämieindex (RHI), die myokardiale mechanoenergetische Effizienz (MMEE) und die kognitive Leistungsfähigkeit mithilfe des Mini-Mental-Status-Tests (MMST).

Im Vergleich zu den Kontrollpersonen wiesen die Patienten mit MASLD signifikant höhere LCN2-Konzentrationen, eine schlechtere Endothelfunktion, eine geringere myokardiale mechanoenergetische Effizienz und niedrigere MMST-Werte auf. Auch nach Adjustierung für Alter, Body-Mass-Index und Diabetes blieb MASLD unabhängig mit erhöhten LCN2-Spiegeln, einer beeinträchtigten Endothelfunktion und einer reduzierten kognitiven Leistungsfähigkeit assoziiert.

Lipocalin-2 nicht unmittelbare Ursache für kardiovaskuläre oder neurologische Funktionsstörungen

Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen, wurden zusätzliche Analysen durchgeführt. Anhand dieser wollte das Forschungsteam herausfinden, ob LCN2 selbst unabhängig vaskuläre Dysfunktion oder kognitive Beeinträchtigung vorhersagen kann. Obwohl die LCN2-Werte bei Patienten mit MASLD signifikant höher waren, erwiesen sich die Zusammenhänge zwischen LCN2 und vaskulären oder kognitiven Parametern nach Berücksichtigung wichtiger kardiometabolischer Risikofaktoren nicht mehr als statistisch signifikant.

Diese Ergebnisse deuten den Wissenschaftlern zufolge darauf hin, dass erhöhte LCN2-Werte primär die umfassendere metabolische und entzündliche Belastung bei MASLD widerspiegeln und nicht direkt kardiovaskuläre oder neurologische Funktionsstörungen verursachen.

Die Ergebnisse bekräftigen nach Auffassung der Forschenden zudem die Annahme, dass die MASLD mehrere Organsysteme betrifft. Neben der Lebererkrankung zeigten die Patienten Anzeichen einer Endotheldysfunktion, einer leichten Beeinträchtigung der Herzfunktion und beginnender kognitiver Veränderungen. Die Autoren vermuten, dass chronische, geringgradige Entzündungen, Insulinresistenz, Fettgewebsfunktionsstörungen und Gefäßschädigungen interagieren und diese systemischen Komplikationen bedingen. Dies unterstreiche, wie wichtig es ist, bei Patienten mit MASLD neben der eigentlichen Lebererkrankung auch die kardiovaskuläre und neurologische Gesundheit zu beurteilen.

Lipocalin-2 als therapeutisches Ziel muss weiter untersucht werden

„Aktuell sollte LCN2 primär als Marker für die systemische Entzündungsbelastung und den Schweregrad der Erkrankung betrachtet werden“, erklären die Forschenden. „Sein Potenzial als therapeutisches Ziel sollte in mechanistischen und interventionellen Studien weiter untersucht werden.“

Die Studie identifizierte zudem die endotheliale Dysfunktion als potenziell nützlichen Indikator für das kardiovaskuläre Risiko bei MASLD. Mittels Messungen des Index der reaktiven Hyperämie ließen sich Patienten mit MASLD erfolgreich von gesunden Kontrollpersonen unterscheiden, was den Stellenwert der nicht invasiven Gefäßdiagnostik bei dieser Patientengruppe unterstreicht. Die Autoren betonen jedoch, dass das Querschnittsdesign der Studie keine Rückschlüsse auf kausale Zusammenhänge zulässt und dass umfangreichere Längsschnittstudien erforderlich sind, um zu klären, ob eine Verbesserung der metabolischen Gesundheit oder eine Verringerung der systemischen Entzündung kardiovaskuläre und kognitive Komplikationen verhindern kann.

Insgesamt liefere diese Studie weitere Belege dafür, dass die MASLD eher als systemische Stoffwechselerkrankung denn als isolierte Lebererkrankung betrachtet werden sollte, fassen die Forschenden zusammen. Indem sie MASLD mit endothelialer Dysfunktion, frühen kognitiven Beeinträchtigungen und erhöhten zirkulierenden LCN2-Spiegeln in Verbindung bringt, stützt die Untersuchung einen umfassenderen Ansatz bei der Patientenbeurteilung. Auch wenn weitere Forschung nötig ist, um die biologische Rolle von LCN2 zu klären und festzustellen, ob diese Veränderungen therapeutisch beeinflussbar sind, unterstreicht die Arbeit die Bedeutung einer frühzeitigen Einschätzung des kardiovaskulären und neurologischen Risikos bei Patienten mit MASLD. (ac/BIERMANN)