Neue Erkenntnisse zum Bundibugyo-Virus – Schnellere Diagnostik, tiefere Einblicke9. September 2026 Kolorierte Transmissionselektronenmikroskopaufnahme eines Ebola-Viruspartikels. Copyright: CDC/Frederick A. Murphy In der Demokratischen Republik Kongo mangelt es nach dem Ebola-Ausbruch im Mai 2026 an Patientenbetten und Pflegekräften. Zwei aktuelle Studien zum Bundibugyo-Virus (BDBV) zeigen unterdessen, wie diagnostische Tests während eines Ausbruchs schnell validiert werden können, und untersuchen, ob ein zugelassener Ebola-Impfstoff auch einen gewissen Schutz gegen BDBV bieten könnte. Der aktuelle Ausbruch des Bundibugyo-Virus (BDBV) in der Demokratischen Republik Kongo verdeutlicht die Herausforderungen bei der Bekämpfung seltener, aber potenziell verheerender Infektionskrankheiten (wir berichteten). Aktuellen Behördenangaben zufolge sind derzeit6.686 Menschen infiziert, 3.226 sind bereits an der hochansteckenden Infektionskrankheit gestorben. Zwei Studien unter Leitung von Forschenden des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) liefern nun wichtige Erkenntnisse für die Ausbruchskontrolle. Die eine Studie zeigt, wie diagnostische Tests während eines Ausbruchs schnell evaluiert werden können. In einer anderen Studie untersuchten die Forschenden die biologischen Eigenschaften des BDBV-Stamms von 2026 und die Frage, ob ein bestehender Ebola-Impfstoff einen gewissen Kreuzschutz bieten könnte. Beide Studien wurden in der aktuellen Ausgabe von „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht. Ebola-Patient liefert wichtiges Referenzmaterial Während der COVID-19-Pandemie entwickelte ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin unter Leitung des DZIF-Wissenschaftlers Prof. Christian Drosten innerhalb kurzer Zeit einen PCR-Test für SARS-CoV-2 und stellte ihn öffentlich zur Verfügung. Da die Leistungsfähigkeit des Tests bereits überprüft worden war, konnten Hersteller ihn schnell übernehmen und auf den Markt bringen. Dies ermöglichte bereits ab der ersten Pandemiewelle eine breite Testung. Seitdem hat die EU die Anforderungen an neue diagnostische Tests verschärft. Jeder neue Test muss nun eine eigene Validierungsstudie durchlaufen, was die Verfügbarkeit diagnostischer Tests während Ausbrüchen verzögern kann. Der Ebola-Ausbruch 2026 machte diese Herausforderung deutlich. So war der verfügbare zertifizierte Ebola-Test nicht für den Nachweis von BDBV ausgelegt. Zudem stand zunächst kein Virusisolat des Ausbruchsstamms für die Testvalidierung zur Verfügung. Am 20. Mai 2026 wurde an der Charité ein US-amerikanischer Patient aufgenommen, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit BDBV infiziert hatte. Aus einem Rachenabstrich isolierten die Forschenden unter Leitung von Drosten das virale Erbgut und entwickelten daraus einen Referenzstandard. Voraussetzungen für schnelle Evaluation diagnostischer Tests Anschließend stellte das Team ein internationales Netzwerk aus neun Laboren zusammen. Beteiligt waren unter anderem Mitgliedseinrichtungen und Wissenschaftler:innen des DZIF, des Nationalen Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) und mehrerer europäischer Forschungskonsortien einschließlich großer Universitätskliniken und Hochsicherheitslabore der biologischen Schutzstufe BSL-4. Das Netzwerk untersuchte vier PCR-Testkandidaten von zwei Herstellern. Innerhalb von zwei Wochen wurden die Tests umfassend analytisch und klinisch geprüft; Hinweise auf Kreuzreaktionen wurden nicht gefunden. Die Studie zeigt, dass ein dezentrales Netzwerk schnell belastbare Daten zur Leistungsfähigkeit diagnostischer Tests liefern kann und damit potenziell dazu beiträgt, deren regulatorische Zulassung und Verfügbarkeit während Ausbrüchen zu beschleunigen. Die Ergebnisse unterstreichen zudem die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und Diagnostikunternehmen. Öffentliche Fördermittel könnten dazu beitragen, die regulatorische Prüfung diagnostischer Tests für seltene Krankheitserreger mit hohem Gefährdungspotenzial zu beschleunigen, bei denen die kommerziellen Anreize begrenzt sind, so Drosten. Keine Hinweise auf gesteigerte Infektiosität Die zweite Studie wurde von DZIF-Wissenschaftler Prof. Stefan Pöhlmann am Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ) in Göttingen geleitet. Er und sein Team untersuchten, ob genetische Unterschiede im Glykoprotein des BDBV-Stamms von 2026 dessen Fähigkeit beeinflussen könnten, in menschliche Zellen einzudringen. Das Glykoprotein ist das wichtigste Oberflächenprotein des Virus und der entscheidende Faktor für dessen Infektiosität. Da Arbeiten mit authentischem BDBV eine biologische Sicherheitsstufe 4 erfordern, verwendeten die Forschenden Pseudoviruspartikel, die die Glykoproteine von BDBV-Stämmen aus den Jahren 2007–08, 2012 und 2026 trugen. Dabei fanden sie keine Hinweise darauf, dass das Virus von 2026 effizienter in menschliche Zellen eindringt als frühere Varianten. Möglicher Kreuzschutz durch verfügbaren Ebola-Impfstoff Die Forschenden untersuchten außerdem, ob eine Impfung gegen das Ebola-Virus Antikörper hervorbringen kann, die BDBV neutralisieren. Dafür analysierten sie Serumproben von zehn gesunden Freiwilligen, die den zugelassenen rekombinanten Ebola-Impfstoff VSV-ZEBOV erhalten hatten – vor der Impfung sowie 28 und 180 Tage danach. Nach der Impfung konnten die Antikörper der Teilnehmenden Pseudoviren mit den Glykoproteinen aller drei untersuchten BDBV-Stämme, einschließlich des Stamms von 2026, neutralisieren. Bei sechs von zehn Geimpften wurde zu beiden Zeitpunkten eine spezifische Neutralisierung von BDBV festgestellt. Allerdings war die neutralisierende Aktivität etwa 3,5- bis 3,6-mal geringer als gegenüber dem Ebola-Virus. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der zugelassene Ebola-Impfstoff einen gewissen Kreuzschutz gegen BDBV bieten könnte, und stimmen mit früheren Untersuchungen an nichtmenschlichen Primaten überein. Die aktuelle Studie wurde jedoch mit Pseudoviruspartikeln im Labor durchgeführt. Die Ergebnisse müssen daher mit authentischem BDBV bestätigt werden und belegen nicht, dass eine Impfung Menschen vor einer BDBV-Infektion oder Erkrankung schützt. 1.600 Betten und 5.000 Pflegekräfte fehlen Zusammen zeigen die beiden Studien, wie die schnelle Evaluation diagnostischer Tests, virologische Forschung und immunologische Analysen sich während eines neu auftretenden Ausbruchs ergänzen können. Der frühzeitige Aufbau internationaler Labornetzwerke, die Bereitstellung von Referenzmaterialien und die Etablierung regulatorischer Verfahren könnten dazu beitragen, die Zeitspanne zwischen dem Erkennen eines Ausbruchs und der Verfügbarkeit zuverlässiger Diagnostik und potenzieller präventiver Maßnahmen zu verkürzen. Vor Ort gibt es unterdessen weiter massive Probleme bei der Patientenversorgung. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf berichtet, reicht die Zahl der Betten für Ebola-Patienten in der Demokratischen Republik Kongo bei weitem nicht aus. Zurzeit gebe es 59 Behandlungszentren mit 1.400 Betten in dem nach Fläche zweitgrößten Landes in Afrika, sagte der WHO-Logistikexperte Luca Fontana nach einem Einsatz im Kongo. Nötig seien weitere 1.600 Betten. Auch die Zahl der Pflegekräfte müsse von 4.000 auf 9.000 erhöht werden. Die WHO arbeite daran. Unterstützt wird sie dabei von ehemaligen Patienten, die sich nach ihrer Genesung zu Pflegekräften ausbilden lassen. Ein Behandlungszentrum mit 50 Betten zu unterhalten, koste rund 500.000 Dollar (rund 430.000 Euro), sagte Fontana. Allein die Schutzkleidung der Pflegenden, die sie nur einmal tragen könnten, koste 25 Dollar pro Einsatz. (mkl/dpa)
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