Neue Giftschlangen in Kolumbien entdeckt9. November 2022 Die neu beschriebene Krötenkopf-Lanzenotter Bothrocophias tulitoi sp. nov. Foto: © Juan Pablo Hurtado-Gómez Senckenberg-Wissenschaftler Juan Pablo Hurtado-Gómez hat gemeinsam mit einem südamerikanischen Team zwei neue Arten aus der Gattung der Krötenkopf-Lanzenottern beschrieben. Diese in Kolumbien lebenden Giftschlangen sind noch nahezu unerforscht. Möglich wurde die Neubeschreibung durch eine Sammlung des Nationalen Gesundheitsinstituts in Kolumbien zum Zweck der besseren Behandlung von Schlangenbissen. In der im Fachjournal „Vertebrate Zoology“ erschienenen Studie wird unter anderem der Nutzen der Taxonomie für die medizinische Versorgung dargestellt. Krötenkopf-Lanzenottern (Bothrocophias) leben in isolierten und schwer zugänglichen südamerikanischen Regenwaldgebieten, wie dem Regenwald des Choco in Ecuador, dem westlichen Tiefland des Amazonas-Regenwaldes, dem pazifischen Hochland und dem östlichen Teil der Anden. „Diese Giftschlangen gehören zu den rätselhaftesten und am wenigsten bekannten südamerikanischen Vipern“, erklärt Letztautor der Studie und Doktorand an den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden Juan Pablo Hurtado-Gómez und fährt fort: „Der Mangel an Bothrocophias-Material in wissenschaftlichen Sammlungen sowie die Tendenz, die Arten dieser Gattung mit den häufigeren und weit verbreiteten Mitgliedern der Amerikanischen Lanzenottern (Bothrops) zu verwechseln, haben die taxonomische Bewertung dieser Gruppe erheblich erschwert.“ Hurtado-Gómez ist es – gemeinsam mit kolumbianischen Kollegen – dennoch gelungen zwei neue Arten innerhalb der Bothrocophias-Gattung zu identifizieren. Die Schlangen stammen aus dem Hochland der kolumbianischen Anden und wurden bislang mit der Art Bothrocophias microphthalmus verwechselt. Basierend auf morphologischen und genetischen Analysen konnte das Team nun aber feststellen, dass es sich um zwei bisher unbekannte Arten handelt: Bothrocophias myrringae sp. nov. und Bothrocophias tulitoi sp. nov. „Die neuen Arten unterscheiden sich in einer Reihe äußerlicher Merkmale, wie beispielsweise der Anordnung und der Anzahl ihrer Schuppen oder dem Farbmuster von Körper und Schwanz“, fügt der in Dresden arbeitende Wissenschaftler aus Kolumbien hinzu. Ziel der Initiative war es eigentlich, Gegengifte zu entwickeln Benannt wurden die beiden neuen Arten nach Tulio Angarita und Myriam Sierra. Die beiden entwickelten maßgeblich ein – heute an allen Schulen Kolumbiens eingesetztes – modernes Bildungsmodell und sind die Eltern des Hauptautors der Studie, Teddy Angarita Sierra. Möglich wurde die Entdeckung durch das Nationale Gesundheitsinstitut in Kolumbien (Instituto Nacional de Salud, INS), welches in den letzten zehn Jahren große Anstrengungen unternommen hat, um Sammlungen von Giftschlangen – unter ihnen auch das untersuchte neue Bothrocophias-Material – zusammenzutragen. Ziel der Initiative ist es, Gegengifte für die Behandlung schwerer Vergiftungen durch Schlangenbisse zu entwickeln. Auch alle Arten der von Hurtado-Gómez und Co untersuchten Gattung Bothrocophias gelten als giftig. Die wenigen Angaben zur Giftwirkung bei Menschen reichen von leichten Verläufen mit kurz anhaltenden Schmerzen und leichten Schwellungen bis zu schweren Vergiftungen und vereinzelten Todesfällen. Schlangen aus der Gattung Bothrocophias, wie die neu entdeckte Bothrocophias myrringae sp. nov., leben in isolierten und schwer zugänglichen südamerikanischen Regenwaldgebieten. Foto: © Juan Pablo Hurtado-Gómez Senckenberg-Reptilienexperte Prof. Dr. Uwe Fritz erläutert: „Die Klärung der Taxonomie der Krötenkopf-Lanzenottern hat erhebliche Auswirkungen auf die Behandlung von Giftschlangen-Bissen in den Andenländern. Leider enden solche Unfälle teils tödlich. Der erste Schritt bei der effektiven Behandlung von Schlangenbissen ist die genaue Identifizierung der Schlange, die die Vergiftung verursacht hat. Das erleichtert dann auch die Herstellung und Gabe des richtigen Antiserums, also des Gegengifts. Die Kenntnis der Biologie und des Lebensraums einer bestimmten Art verringert zudem das Risiko, überhaupt gebissen zu werden. Die neuen taxonomischen Erkenntnisse der Studie leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Erreichen des Ziels der Weltgesundheitsorganisation: Die Reduktion der Anzahl von Schlangenbissen!“
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