Neue Herausforderungen in der Mukoviszidose-Therapie13. Dezember 2023 Die Deutsche Mukoviszidose-Tagung ist die größte interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltung zur Mukoviszidose im deutschsprachigen Raum. (Foto: Mukoviszidose e.V./Clipmanufaktur) Seit der Einführung des Neugeborenen-Screenings auf Mukoviszidose in 2016 wird die Krankheit früher erkannt und kann früher effizient behandelt werden. Die mit dem Screening verbundene Genanalyse hat aber auch dazu geführt, dass Ergebnisse zutage treten, die keine eindeutige Diagnose zulassen. Wie mit diesen Fällen umzugehen ist, wurde auf der Deutschen Mukoviszidose-Tagung (DMT) diskutiert. Fälle mit positivem Screening-Ergebnis, aber ohne eindeutige Diagnose (CFSPID: CF Screening Positive Inconclusive Diagnosis) werden weltweit gesammelt und auf Fachtagungen diskutiert. Im Fokus steht hier unter anderem die Frage, ob davon betroffene Neugeborene überhaupt als Patienten angesehen werden sollten und wie ihre medizinische Versorgung aussehen kann. Denn: Ein gewisser Anteil der CFSPID-Betroffenen wird im Lauf des Lebens eine Mukoviszidose entwickeln, andere werden CF-ähnliche Syndrome bekommen, aber die meisten werden als gesunde Menschen leben. Die Betreuung dieser CFSPID-Betroffenen ohne eigentliche Diagnose ist daher weiter zu diskutieren, ebenso die Bedeutung einer personalisierten Diagnostik der komplexen Stoffwechselerkrankung. Neue Herausforderungen bei der Betreuung erwachsener CF-Patienten Viele mit CFTR-Modulatoren behandelte Patienten profitieren enorm von dieser Therapie, wie die aktuellen Auswertungen des Deutschen Mukoviszidose-Registers zeigen. Die Effekte scheinen auch längerfristig bestehen zu bleiben und führen zu einer deutlichen Verbesserung der Lungenfunktion, des Ernährungszustandes und der Atemwegs- und Magen-Darm-Symptome. Zeitgleich mit diesen positiven Entwicklungen entstehen jedoch neue Fragen, die in weiteren Studien untersucht werden müssen, um die Auswirkungen der Modulatortherapie unter anderem auf die Wechselwirkungsprofile von Medikamenten, die Eradikation verschiedener mikrobieller Infektionen, die Fruchtbarkeit/Schwangerschaft, die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten sowie auf die Notwendigkeit von Transplantationen und die psychische Gesundheit zu verstehen. Aus der steigenden Lebenserwartung der Betroffenen ergibt sich eine neue Notwendigkeit für Vorsorgeuntersuchungen, die bei CF-Patienten bisher kaum relevant erschienen. So sind inzwischen nicht nur Krebsvorsorge und Herzkreislauf-Check-ups sinnvoll, sondern auch das Screening auf Fettstoffwechselstörungen. Neben Diabetes, Hypertonus und Adipositas entwickelt sich nicht selten das Bild eines metabolischen Syndroms bei CF. Darüber hinaus erfordert die wachsende Anzahl von geplanten und ungeplanten Schwangerschaften von CF-Patientinnen unter Modulatortherapie die Etablierung eines neuen klinischen Versorgungsmodells in diesem Bereich sowie die Erforschung von Arzneimittelrisiken während der Schwangerschaft. Die CF-Erwachsenen-Versorgung sieht daher vielen neuen Herausforderungen entgegen, die auf der DMT ebenfalls diskutiert wurden. Genetische Therapien sind in der klinischen Forschung angekommen Ein weiterer Fokus der Tagung galt der Patientengruppe, die derzeit noch ohne wirksame Modulatortherapie und daher auf die Entwicklung alternativer Behandlungskonzepte angewiesen ist. Eine interessante und hoffnungsvolle Option für sie sind genetische Therapien. In den USA laufen bereits erste klinische Studien, in Europa und vermutlich auch Deutschland sollen in 2024 erste Studien beginnen, die entweder eine CFTR-Gen-Kopie stabil in Zellen einbringen oder über mRNA eine Abschrift des Gens in die Zellen schleusen sollen. Beide Ansätze sind mutationsunabhängig, damit könnte die Anwendung grundsätzlich für alle Menschen mit Mukoviszidose in Frage kommen. Beide Therapien sollen inhalativ verabreicht werden, was für Mukoviszidose naheliegend erscheint, aber auch klar zeigt, dass zunächst die Lunge adressiert wird – eine Heilung im klassischen Sinne wäre das nicht. Ob eine dauerhafte Heilung aller von der Stoffwechselerkrankung betroffenen Organe bei Mukoviszidose jemals möglich ist, ist nach heutigem Stand des Wissens schwer vorherzusagen, denn dafür müsste es gelingen, das CFTR-Gen in alle Körperzellen stabil einzubringen – oder zumindest in die Stammzellen, die als Vorläuferzellen neue Zellen ausbilden. Die Inhalation von CFTR-mRNA oder einer CFTR-Kopie – jeweils verpackt in spezielle Vektoren als Transport-Vehikel – ist erstmal ein Weg, einige Zellen in den Atemwegen zu erreichen. Ob hiermit ein klinisch relevanter Effekt zu erzielen sein wird, müssen Studien zeigen.
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