Neue Hornhaut-Prothese erstmals in Schleswig-Holstein implantiert

Die künstliche Hornhaut vom Typ EndoArt besteht aus Acrylat-Copolymer. Foto:©EyeYon Medical

In der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, ist erstmals eine neuartige künstliche Hornhaut-Prothese erfolgreich implantiert worden.

Die künstliche Hornhaut stellt eine alternative zu Hornhaut-Transplantationen mit Spendergewebe bei bestimmten Augenerkrankungen dar. Vier Patientinnen und Patienten mit schweren Augenerkrankungen erhielten das innovative Implantat. Die Hornhaut-Prothese übernimmt die Funktion von geschädigtem Gewebe an der Innenseite der Hornhaut.

Hornhaut-Implantat als wirksame Alternative

Die Hornhaut des Auges besteht aus mehreren Schichten. Die Zellen der innersten Schicht sorgen dafür, dass Flüssigkeit abtransportiert wird und die Hornhaut klar bleibt. Ist diese Schicht allerdings dauerhaft geschädigt, trübt sich die Hornhaut ein.

Bislang konnte dann meist nur eine Transplantation von menschlichem Spendergewebe das Sehvermögen wiederherstellen. Dies war verbunden mit teils langen Wartezeiten auf eine passende Spende. „Es ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, dass wir unseren Patientinnen und Patienten bei bestimmten Erkrankungen nun eine wirksame Alternative anbieten können. Zudem können wir diese besser planen“, sagt Prof. Swaantje Grisanti, Oberärztin der Klinik für Augenheilkunde und Operateurin der Eingriffe.

Künstliches Hornhaut-Implantat aus Acrylat-Copolymer übernimmt Funktion der Hornhaut-Innenseite

Verwendet wird ein künstliches Hornhaut-Implantat aus Acrylat-Copolymer, einem transparenten und elastischen Material, das die Funktion der Hornhaut-Innenseite übernimmt. Es entzieht ihr Flüssigkeit und schützt sie anschließend vor erneuten Wasseransammlungen.

Die ersten Ergebnisse nach den rund 30-minütigen Operationen seien vielversprechend, so Grisanti: „Bei allen vier Patientinnen und Patienten verbesserte sich die Sehkraft deutlich, weil die Hornhaut wieder klar und durchsichtig wurde. Außerdem hatten sie weniger Schmerzen nach der OP, weil die Hornhautoberfläche wieder glatter ist.“

Methode ist besonders für schwere und komplizierte Fälle geeignet

Die weitere augenärztliche Nachsorge erfolgt in der Klinik ambulant. Die neue Methode ist aus Sicht der Expertin besonders für schwere und komplizierte Fälle geeignet. Sie kommt auch für Patientinnen und Patienten in Frage, bei denen eine frühere Hornhauttransplantation mit Spendergewebe nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat.