Neue Impulse für Forschung und Behandlung psychisch kranker Patienten2. September 2019 Prof. Martin Walter übernimmt die Professur für Psychiatrie und die Leitung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena. (Foto: M. Szabó/UKJ) Dr. Martin Walter übernimmt die Professur für Psychiatrie und die Leitung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena. Kleine Universitätsstadt im Flusstal – Prof. Martin Walter ist das Ambiente vertraut. Der neue Professor für Psychiatrie kommt aus Tübingen an das Universitätsklinikum Jena. Mit der Professur übernimmt er die Leitung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Philosophenweg. In Tübingen arbeitete Walter als leitender Oberarzt an der psychiatrischen Universitätsklinik und forschte als Professor für Biomedizinische Bildanalyse auch am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik. Die Messung und Darstellung funktioneller Veränderungen im Gehirn bei neuropsychiatrischen Erkrankungen ist ein Forschungsschwerpunkt von Walter. Dazu setzt er verschiedene Bildgebungsverfahren wie EEG und MRT ein. Erfahrung besitzt er auch in der klinischen Forschung zur Pharmakotherapie, vor allem bei Depressionen, bei denen bewährte Medikamente nicht helfen. So war er zum Beispiel an den ersten Studien zum Einsatz von Ketamin bei therapieresistenten Depressionen beteiligt, welches inzwischen zunehmend Anwendung findet. Synthese von Pharmakotherapie, biologischer Behandlung und Psychotherapie Walter ist es wichtig, in der Behandlung psychisch Erkrankter alle seelischen, körperlichen und sozialen Aspekte des Patienten zu betrachten und dabei die verschiedenen Therapieformen so einzusetzen, dass sie sich nicht nur ergänzen, sondern gegenseitig verstärken können. Als einen solchen Ansatz beschreibt er die biologische Augmentation: „Durch elektrische oder Feedback-Stimulationsverfahren zusammen mit pharmakologischer Behandlung können wir die Lernfähigkeit des Gehirns verbessern. Auf diese Weise lässt sich die Wirkung psychotherapeutischer Behandlung erhöhen.“ Nach seinem Studium der Medizin und Philosophie an den Universitäten Magdeburg und Lyon absolvierte Walter seine Facharztausbildung zum Psychiater und Psychotherapeuten ebenfalls in Magdeburg. Hier leitete er eine eigene Arbeitsgruppe in der Neuropsychiatrie am Leibniz-Institut für Neurobiologie und habilitierte sich mit der neurophysiologischen Untersuchung der gestörten Verarbeitung positiver Reize bei Depression. Auslandsaufenthalte in Stanford, Harvard und als Fellow der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking förderten den Aufbau eines eigenen wissenschaftlichen Netzwerkes. Vor vier Jahren wechselte Walter nach Tübingen. Walter betont den translationalen Ansatz seiner Forschung, die immer eine klinische Relevanz der wissenschaftlichen Fragestellungen voraussetzt. Diese Zugewandtheit zu den psychisch erkrankten Patienten zeigt sich auch an dem Ziel, das er in der Lehre verfolgt. Er möchte den Studierenden ein Grundverständnis für die Psychiatrie vermitteln, damit sie später auch als Kardiologen, Unfallchirurgen oder Hausärzte entsprechend auf Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen eingehen können.
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