Neue Konzepte für die personalisierte Krebsmedizin bei kindlichen Sarkomen7. April 2020 Ewing-Sarkomzellen mit starker nukleärer Expression eines Ewing-Sarkom-Markers. (Foto: Grünewald/DKFZ) Zum 1. April hat das Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) eine neue Forschungseinheit erhalten, die sich der Erforschung kindlicher Sarkome widmet. Sie wird von der „Barbara und Wilfried Mohr Stiftung“ mit einer Anschubfinanzierung von 1,5 Millionen Euro gefördert. „Mit dem Ausbau seiner Kompetenzen im Bereich Sarkomforschung und der Rekrutierung von PD Dr. Thomas Grünewald geht das KiTZ einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem international wettbewerbsfähigen „Comprehensive Cancer Center“ für Kinder“, sagt Prof. Stefan Pfister, Direktor „Präklinische Pädiatrische Onkologie“ am KiTZ und Abteilungsleiter „Pädiatrische Neuroonkologie“ am DKFZ. In der Sarkomforschung besteht ein besonders hoher Handlungsbedarf, da Sarkome die dritthäufigste Krebsart im Kindes- und Jugendalter repräsentieren und die Heilungsraten deutlich hinter anderen Krebsarten zurückfallen. Immer noch liegt die Sterblichkeitsrate beispielsweise bei Ewing-Sarkomen und Ewing-ähnlichen Sarkomen bei etwa 35 Prozent. Dies zu ändern, ist das Ziel der 15-köpfigen Arbeitsgruppe von Grünewald, die aus Medizinern, Biologen und Bioinformatikern besteht. Das Team beschäftigte sich bereits an der LMU München intensiv mit der Erforschung und der Entstehung von Metastasen und Arzneimittelresistenzen in bösartigen kindlichen Sarkomen. „Dank der Unterstützung der Mohr-Stiftung ist es uns möglich, unsere Forschung an einem der besten Standorte für Krebsforschung weltweit nun weiter auszubauen“, sagt Grünewald. Zunächst geht es darum, die Krankheitsmechanismen aufzudecken, die therapeutisch und diagnostisch genutzt werden können, um langfristig die Heilungsaussichten der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu verbessern. Im Fokus stehen dabei schonendere Therapien sowie die Überwindung von Arzneimittelresistenzen. Außerdem suchen die Forscher nach neuen diagnostischen Methoden, die essenziell sind für korrekte Diagnosestellung und die Wahl der richtigen Therapie. Ein Schwerpunkt bildet die Entschlüsselung des Zusammenspiels von erworbenen Mutationen und angeborenen natürlichen Varianten des Erbguts (sogenannten Single Nucleotide Polymorphisms, SNPs), die insbesondere im Ewing-Sarkom eine entscheidende Funktion bei der Krebsentstehung und -entwicklung haben. Die Analysen des Teams um Grünewald führten unter anderem zu ersten Erklärungsansätzen dafür, warum Europäer eine circa 20-fach erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit für Ewing-Sarkome im Vergleich zu Afrikanern haben, und wie ein solches Zusammenspiel den individuellen Krankheitsverlauf von Patienten mit Ewing-Sarkomen beeinflussen kann.
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