Neue MRT-Technik könnte Diagnose und Therapie von Multipler Sklerose verbessern20. Januar 2022 Foto: ©Tryfonov – stock.adobe.com Eine möglichst frühe Diagnose und Therapie sind bei Multipler Sklerose ausschlaggebend, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern. Dabei spielt die Magnetresonanztomographie (MRT) als bildgebendes Verfahren eine zentrale Rolle. An der MedUni Wien wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes nun eine neue MRT-Technik angewandt, die den Weg zu einer schnelleren Bewertung der Krankheitsaktivität bei MS ebnen könnte. Entscheidend für die Prognose der Multiplen Sklerose (MS) ist eine frühe Diagnose, bei der möglichst detailreiche bildgebende Verfahren einen hohen Stellenwert einnehmen. Mittels herkömmlicher MRT können die Läsionen im Gehirn zwar entdeckt werden, doch forschen Wissenschafter nach Methoden, die die Veränderungen in einem früheren, mikroskopischen oder biochemischen Stadium erkennen lassen. Als vielversprechendes Werkzeug dafür hat sich die Protonen-MR-Spektroskopie genannte Methode herausgestellt. Mit dieser Technik ging die Forschungsgruppe um Eva Niess und Wolfgang Bogner von der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin der MedUni Wien gemeinsam mit Wissenschaftern der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien noch einen Schritt weiter in die Tiefe. Für den Vergleich der neurochemischen Veränderungen im Gehirn von 65 MS-Patienten mit denen von 20 gesunden Kontrollpersonen setzte das Team auf MR-Spektroskopie mit einem sieben Tesla starken Magneten. Veränderungen identifizieren und vorhersagen Damit konnten die Forscher der MedUni Wien jetzt MS-relevante Neurochemikalien identifizieren, also Chemikalien, die an der Funktion des Nervensystems beteiligt sind. „Damit konnten wir Gehirnveränderungen in Regionen sichtbar machen, die in der konventionellen MRT unauffällig erscheinen“, weist Studienleiter Bogner auf ein zentrales Studienergebnis hin. Diese Erkenntnisse könnten laut Niess in Zukunft eine bedeutende Rolle bei der Versorgung von MS-Patienten spielen: „Einige neurochemische Veränderungen, die wir mit der neuen Technik sichtbar machen konnten, treten schon früh im Krankheitsverlauf auf und können nicht nur mit Behinderungen korreliert sein, sondern auch das weitere Fortschreiten der Krankheit vorhersagen.“ Klinische Studien und weitere Entwicklungen folgen Bis diese Erkenntnisse in die klinische Anwendung einfließen können, seien noch weitere Forschungsarbeiten nötig, so Niess und Bogner. Schon jetzt könne man aber sagen, dass die Ergebnisse die spektroskopische 7-Tesla-MR-Bildgebung als wertvolles neues Hilfsmittel bei der Diagnose und Behandlung von MS-Patienten herausstellen. „Wenn sich die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, könnte dieses neue Neuroimaging-Verfahren zu einem Standard-Bildgebungsinstrument für die Erstdiagnose und für die Überwachung von Krankheitsaktivität und Therapie bei MS-Patienten werden“, blickt Bogner in die Zukunft. Derzeit ist die Methode nur auf dem aktuell in Österreich einzigen 7-Tesla-MRT an der MedUni Wien und nur zu Forschungszwecken verfügbar. Das wissenschaftliche Team um Niess und Bogner arbeitet aber daran, das neue Verfahren für den Einsatz in klinischen Routine-MRT-Scannern weiterzuentwickeln.
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