Neue Studie findet keine Anzeichen für neurotoxische Wirkung von Sevofluran bei Kleinkindern10. September 2025 Symbolfoto: ©Stephan Morrosch/stock.adobe.com Vorläufige Ergebnisse einer neuen klinischen Studie im Fachmagazin „Anaesthesiology“ zeigen keine nachteiligen Auswirkungen auf die neurologische Entwicklung nach kurzer Inhalationsnarkose und Operation bei Säuglingen und Kleinkindern. Eine ausgewogene Strategie mit einer niedrigeren Dosis des Inhalationsanästhetikums Sevofluran führt laut der Studie von Dr. Ji-Hyun Lee vom Seoul National University Hospital (Südkorea) und seinen Kollegen zu keinen signifikanten kurzfristigen Unterschieden im Intelligenzquotient (IQ) oder im Verhalten der Kinder. „Diese Ergebnisse stützen bestehende Erkenntnisse, wonach eine kurze Anästhesieexposition wahrscheinlich keine klinisch signifikanten neurologischen Entwicklungsstörungen zur Folge hat”, schreiben die Forscher. FDA-Warnung vor neurologischen Entwicklungsstörungen bei Kleinkindern Tierversuche hatten Bedenken hinsichtlich möglicher neurotoxischer Wirkungen von Anästhetika für eine Vollnarkose sowie Sedativa bei Kleinkindern aufgeworfen. Als Reaktion darauf gab die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA im Jahr 2017 Warnungen heraus, dass eine längere oder wiederholte Exposition gegenüber diesen Medikamenten bei Kindern unter drei Jahren sowie schwangeren Frauen im dritten Trimester die Gehirnentwicklung der Kinder negativ beeinflussen könne. Eine frühere randomisierte Studie (die GAS-Studie) ergab normale neurologische Entwicklungsergebnisse bei Kindern, die Sevofluran erhielten. Diese Studie wurde jedoch vor einigen Jahren veröffentlicht und bewertete einen alternativen Ansatz (regionale Anästhesie im Wachzustand), der nicht weit verbreitet ist. Randomisierte klinische Studie mit 400 Kleinkindern Um diese Forschungslücke zu schließen, konzipierten Lee und seine Kollegen eine klinische Studie mit 400 Kindern unter zwei Jahren, die sich einer einmaligen Operation unter Vollnarkose unterzogen. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip entweder einer Anästhesie mit inhaliertem Sevofluran allein oder in Verbindung mit einer ausgewogenen Strategie zugewiesen, welche zusätzlich ein intravenöses Sedativum (Dexmedetomidin) und ein kurzwirksames Opioid (Remifentanil) beinhaltete. Die ausgewogene Strategie sollte die Menge an Sevofluran reduzieren, die zur Aufrechterhaltung der Anästhesie während der Operation erforderlich war. In beiden Gruppen war die Anästhesiezeit mit einer Operationsdauer von unter 90 Minuten eher kurz. Als die Patienten etwa 30 Monate alt waren, bewerteten die Forscher die neurologische Entwicklung anhand eines nonverbalen Intelligenztests und einer von den Eltern ausgefüllten Skala zum Verhalten des Kindes. Bessere Ergebnisse mit der ausgewogenen Strategie könnten bedeuten, dass die niedrigere Dosis von Sevofluran weniger neurotoxisch war. Die Analyse umfasste vollständige Daten von 343 Kindern. Ergebnisse der Kinder unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen Die Ergebnisse zeigten kaum oder keine Unterschiede in den Ergebnissen für Kinder, die nur Sevofluran erhielten, im Vergleich zur ausgewogenen Strategie. Der Gesamt-IQ und die Verhaltenswerte waren in beiden Gruppen ähnlich. Auch die Messungen der Sprachentwicklung waren vergleichbar. Obwohl der ausgewogene Ansatz „den Sevofluranbedarf während der Operation effektiv reduzierte, brachte er keine messbaren Entwicklungsvorteile“, schreiben Lee und seine Co-Autoren. Sie betonen, dass ihre Ergebnisse vorläufig sind – die endgültigen Ergebnisse werden eine Langzeitbeobachtung im Alter von fünf Jahren umfassen, einschließlich einer umfassenden IQ-Bewertung. In der Zwischenzeit bestätigen die Ergebnisse, dass eine einmalige Vollnarkose die neurologische Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern, die operiert werden müssen, nicht beeinträchtigt. Studienergebnisse geben Entwarnung Die neue Studie ist „eine willkommene und wichtige Ergänzung“ in einem Bereich, in dem es schwierig ist, eindeutige Beweise zu finden, so ein begleitender Leitartikel von Dr. Andrew Davidson und Dr. Caleb Ing. Sie diskutieren die Herausforderungen bei der Untersuchung dieses komplexen Themas – darunter die Tatsache, dass Kinder, die operiert werden müssen, möglicherweise andere Gesundheitsprobleme haben, die sich auf die neurologische Entwicklung auswirken. Während Anästhesisten und Eltern auf die Ergebnisse der Langzeitbeobachtung und zukünftiger klinischer Studien warten, seien die neuen Erkenntnisse „unglaublich hilfreich für die Konsolidierung des Wissens“ über die Sicherheit der Inhalationsanästhesie bei Kleinkindern, schreiben Davidson und Ing. Sie kommen zu dem Schluss: „Die fehlende Auswirkung unterschiedlicher Sevofluran-Dosen auf die neurologische Entwicklung spricht dagegen, dass Sevofluran eine Ursache für Neurotoxizität ist.“ (ah/BIERMANN)
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