Neue Therapie gegen aktive Hirnmetastasen28. Oktober 2025 Bild: ©Dr_Microbe – stock.adobe.com Eine internationale klinische Studie unter Leitung der Medizinischen Universität Wien zeigt, dass Patritumab Deruxtecan (HER3-DXd) vielversprechende Wirkung bei Patienten mit aktiven Hirnmetastasen verschiedener Tumorarten entfalten kann. Sowohl bei Nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) als auch bei metastasiertem Brustkrebs konnten Patienten von der Behandlung profitieren, wie zwei simultane Publikationen in „The Lancet Oncology“ belegen. Die Studien wurden an mehreren Zentren in Österreich und Spanien, darunter der Klinischen Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien, durchgeführt. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stand das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat HER3-DXd, das gezielt an das Zelloberflächenprotein HER3 bindet. Frühere Forschungsergebnisse der Klinischen Abteilung für Onkologie deuteten bereits darauf hin, dass HER3 bei Hirnmetastasen besonders häufig exprimiert wird. Diese Beobachtung legt nahe, dass HER3 ein vielversprechendes therapeutisches Ziel darstellen könnte. Brustkrebs: Ein Viertel profitiert von neuer Therapie In Kohorte 1 der TUXEDO-3-Studie wurden 21 Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs und aktiven Hirnmetastasen behandelt. Unabhängig vom Tumorsubtyp (Hormonrezeptor-positiv, HER2-positiv, triple-negativ) erreichten 23,8 Prozent ein Ansprechen im Gehirn. Nebenwirkungen waren überwiegend handhabbar; schwere unerwünschte Wirkungen traten bei 28,6 Prozent der Patientinnen auf, ohne therapiebedingte Todesfälle. „Bei rund einem Viertel der Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs und aktiven Hirnmetastasen gab es durch HER3‑DXd messbare, positive Effekte im Gehirn, erklärt Erstautor Rupert Bartsch, Onkologe an der Klinischen Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien. „Bei diesen stark vorbehandelten Patientinnen, meist ohne valide Therapiealternative, muss ein Ansprechen bei rund einem Viertel als Erfolg gewertet werden. Wichtig ist dabei auch eine Stabilisierung oder sogar eine Verbesserung der Lebensqualität unter Therapie.“ 30 Prozent der NSCLC‑Patienten mit aktiven Hirnmetastasen sprechen an Kohorte 2 der TUXEDO-3-Studie untersuchte HER3-DXd bei 20 Patienten mit NSCLC und aktiven Hirnmetastasen. Sechs Patienten (30 %) zeigten ein objektives Ansprechen im Gehirn, womit das vordefinierte Studienziel erreicht wurde. Bemerkenswert: Auch Patienten ohne genetische Treibermutationen sprachen an, was auf ein breiteres Anwendungspotenzial hinweist. „Im Rahmen der sogenannten TUXEDO-3-Studie haben wir erstmals die Wirksamkeit eines HER3-gerichteten Antikörper-Wirkstoff-Konjugates gezielt zur Behandlung fortschreitender Hirnmetastasen bei Lungenkrebs-Patient:innen untersucht“, führt Erstautor Thorsten Füreder aus, Onkologe an der Klinischen Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien. „Das beobachtete Ansprechen im zentralen Nervensystem ist ein bedeutender Fortschritt für diese schwer behandelbare Patient:innengruppe.“ Mögliche zielgerichtete Behandlungsoption bei Hirnmetastasen „Beide Studien liefern erste prospektive Hinweise, dass HER3-DXd eine neuartige, zielgerichtete Behandlungsoption für Patient:innen mit Hirnmetastasen bei Lungen- und Brustkrebs sein könnte“, erklärt Studienleiter Prof. Matthias Preusser, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass HER3-DXd nicht nur für genetisch definierte Untergruppen, sondern auch für breitere Patientengruppen mit aktiven Hirnmetastasen von Brustkrebs und Lungenkrebs eine mögliche Behandlungsoption darstellt.“ HER3-DXd ist derzeit noch nicht zugelassen. Weiterführende größere Studien sind notwendig, um den klinischen Nutzen zu bestätigen.
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