Neuer Bluttest für Status der Fettlebererkrankung identifiziert21. Juni 2022 Foto: © fernandozhiminaicela/pixabay.com Ein Studienteam der Medizinischen Universität (MedUni) Wien (Österreich) hat die Rolle eines bestimmten Subtyps von Makrophagen bei der fortschreitenden Nichtalkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) identifiziert. Makrophagen üben als Teil des Immunsystems eine schützende Funktion gegenüber Fibrose und Leberzirrhose aus. Gleichzeitig sind sie als mittels Bluttest messbarer Biomarker für das Fortschreiten der Lebererkrankung geeignet. Die Ergebnisse wurden aktuell im „Journal of Hepatology“ veröffentlicht. Die Pathogenese der NAFLD, insbesondere der fortgeschrittenen Steatohepatitis (NASH), geht mit starken Veränderungen der Immunzellen in der Leber einher. Erst kürzlich wurde die vermehrte Ansammlung eines Subtyps von Makrophagen, an deren Oberfläche der Rezeptor TREM2 in hohen Mengen vorhanden ist, in der Fettleber beschrieben. Dennoch war die Rolle von TREM2-positiven Makrophagen im Rahmen von Fettlebererkrankungen bis jetzt nicht bekannt. Das Forschungsteam der MedUni Wien rund um Christoph Binder und Tim Hendrikx vom Klinischen Institut für Labormedizin konnte im Tiermodell zeigen, dass diese bestimmten Fresszellen eine schützende Funktion bei Fibrose haben. Diese Zellen sind bei Entzündungsprozessen der Nichtalkoholische Fettleber vermehrt in den betroffenen Bereichen der Leber anzutreffen, wo sie sich insbesondere in Bereichen der Zellschädigung und Fibrose ansammeln. Das interdisziplinäre Studienteam konnte auch in Knochenmark-Transplantationsmodellen zeigen, dass ein hämatopoetischer TREM2-Mangel die effiziente Fettspeicherung und den Abbau des überschüssigen Bindegewebes (extrazellulären Matrix) verhindert, was zu einer verstärkten Steatohepatitis, Zelltod und Fibrose führt. Demnach erfüllen TREM2-positive Makrophagen eine wichtige schützende Funktion in der Nichtalkoholischen Fettleber, wo sie insbesondere die Fettansammlung, Entzündungsprozesse und das Fortschreiten der Erkrankung bis hin zur Leberfibrose verhindern. „Durch eine Stärkung dieser Schutzfunktion von TREM2-positiven Makrophagen könnten neue therapeutische Ansätze zur Behandlung der Fettleber-Hepatitis entwickelt werden“, sagt Florentina Porsch, Co-Erstautorin der Studie. Ausgezeichneter Biomarker TREM2 ist im Organismus sowohl als Membranrezeptor auf Zellen vorhanden, es gibt aber auch eine lösliche Form (sTREM2), die im Blut nachweisbar ist. Die Rolle dieser löslichen Form im Immunsystem ist noch nicht geklärt. Allerdings entdeckten die Studienautoren anhand von Patienten, dass sie sich zur Bestimmung des aktuellen Status der Erkrankung eignet und wesentlich besser als bisher verwendete Biomarker zwischen den unterschiedlichen Stadien der Fettleber-Hepatitis unterscheiden kann. „TREM2 in löslicher Form ist ein ausgezeichneter Biomarker zur Identifizierung und Statusanzeige der fortgeschrittenen Lebererkrankung, die unbehandelt von der Fettlebererkrankung zur unheilbaren Leberzirrhose fortschreiten kann“, erklärt Erstautor Tim Hendrikx vom Klinischen Institut für Labormedizin der MedUni Wien.
Mehr erfahren zu: "Qualitätsmonitor: Immer mehr komplexe Operationen in immer weniger Kliniken" Qualitätsmonitor: Immer mehr komplexe Operationen in immer weniger Kliniken Die Einführung und die Anhebung von Mindestmengen für bestimmte Operationen haben zu einer weiteren Reduzierung der an der Versorgung beteiligten Krankenhaus-Standorte und zu einer signifikanten Erhöhung der durchschnittlichen Fallzahlen in […]
Mehr erfahren zu: "Zi-Trendreport: Weiter hohe Nachfrage nach Psychotherapie" Zi-Trendreport: Weiter hohe Nachfrage nach Psychotherapie Bei insgesamt weitgehend konstant gebliebener Inanspruchnahme der ambulanten Versorgung hat die Zahl der Behandlungsfälle in Psychotherapie und Psychiatrie im Jahr 2025 deutlich zugenommen. Weniger Fälle haben hingegen Kinder- und Jugendärzte behandelt. Das geht […]
Mehr erfahren zu: "Lynch-Syndrom: Künstliche Intelligenz verbessert Darmkrebsvorsorge nicht automatisch" Lynch-Syndrom: Künstliche Intelligenz verbessert Darmkrebsvorsorge nicht automatisch Patienten mit der häufigsten erblichen Veranlagung für Darmkrebs – dem Lynch-Syndrom ‒ müssen sich wegen des deutlich erhöhten Risikos regelmäßig einer Koloskopie unterziehen. Kann Künstliche Intelligenz (KI) die Identifizierung von […]