Neuer Therapieansatz in der Behandlung von Darmkrebs identifiziert18. Juni 2020 Grafik: © peterschreiber.media/Adobe Stock Eine Studiengruppe der MedUni Wien hat einen bisher unbekannten Mechanismus der Darmkrebsentstehung entdeckt. Das bakterielle Mikrobiom aktiviert den Immuncheckpoint Ido1 in den Paneth-Zellen im Magen- und Darmtrakt und verhindert dadurch lokale Darmentzündungen. Es entstehen dadurch aber auch immunsupprimierte Nischen, in denen sich Darmtumoren entwickeln können. Die Paneth-Zellen sind damit ein neues zelluläres Ziel für immunbasierte Therapien. Tumoren haben Mechanismen entwickelt, um vom körpereigenen Immunsystem unentdeckt zu bleiben und Angriffen zu entgehen. Sie begrenzen die humoralen und zellulären Immunaktivitäten im umgebenden Bindegewebe (Stroma) und machen Tumoren resistent gegen Therapien. Die Sensibilisierung von Tumorzellen für einen Immunangriff ist daher eine wichtige Strategie, um mit Methoden der Immuntherapie erfolgreich zu sein. Die zugrundeliegenden Mechanismen, wie Tumoren dem Immunsystem entgehen, sind jedoch noch wenig bekannt. Paneth-Zellen sind Drüsenzellen im Magen- und Darmbereich und unterstützen die Teilung von Darmstammzellen. Die Forscher der MedUni Wien rund um Robert Eferl vom Institut für Krebsforschung (Mitglied des Comprehensive Cancer Centers CCC der MedUni Wien und des AKH Wien) entdeckten, dass Paneth-Zellen, die das Enzym Ido1 (Indoleamin-2,3- Dioxygenase-1) produzieren, in der Stammzellnische von Darmkrypten und Tumoren die Funktion des Immunsystems gegen Darmkrebs behindern. Die Forscher haben in ApcMin-Mäusen, die durch eine Mutation Darmtumoren entwickeln, den Transkriptionsfaktor Stat1 in Darmepithelzellen ausgeschaltet. In der Folge entwickelten sie kleinere und wenig aggressive Tumoren. Außerdem waren diese Tumoren mit Immunzellen, die in der Tumorabwehr eine Rolle spielen, infiltriert. Darunter waren zytotoxische T Lymphozyten. Die Studiengruppe untersuchte daraufhin diese Tumoren mit der RNA-Sequenzierungstechnik genauer und stellte fest, dass die Stat1-defizienten Tumore eine reduzierte Expression des Ido1 Gens zeigen. Ido1 codiert für ein Enzym, das den Metaboliten Kynurenin herstellt. Kynurenin unterdrückt die Immunantwort im Tumor und fördert damit das Tumorwachstum. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass ApcMin-Tumoren mit einem intakten Stat1 Gen spezielle Zellen enthalten, die Ido1 exprimieren. Ähnliche Zellen wurden auch in humanen Presseinformation Seite 2 von 2 Darmpolypen entdeckt. Diese Zellen fehlten in den Stat1-defizienten ApcMin Tumoren. Die weitere Charakterisierung hat ergeben, dass es sich bei diesen speziellen Zellen um panethartige Zellen handelt. Paneth-Zellen finden sich auch im normalen Darm in den Stammzellarealen, die für die Regeneration der Darmschleimhaut verantwortlich sind. Die Ido1-Expression in den Panethzellen wird durch die Interaktion mit dem bakteriellen Mikrobiom angeregt. Eferl dazu: „Laut unserer Hypothese induziert das bakterielle Mikrobiom den Immuncheckpoint Ido1 in den Panethzellen und verhindert dadurch lokale Darmentzündungen. Es entstehen dadurch aber auch immunsupprimierte Nischen, in denen sich Darmtumoren entwickeln können. Die Ido1-exprimierenden Panethzellen sind damit ein zelluläres Ziel für immunbasierte Therapien.“
Mehr erfahren zu: "Low-FODMAP oder Antibiotikum bei Reizdarm? Darmmikrobiom sagt möglicherweise den Behandlungserfolg voraus" Low-FODMAP oder Antibiotikum bei Reizdarm? Darmmikrobiom sagt möglicherweise den Behandlungserfolg voraus Bei Patienten mit von Diarrhoe geprägtem Reizdarmsyndrom (RDS-D) können eine Ernährungsweise, die arm an fermentierbaren Kohlenhydraten ist (Low-FODMAP), und das Antibiotikum Rifaximin vergleichbare und signifikante Linderung verschaffen.
Mehr erfahren zu: "KI-gestütztes Projekt erforscht Zusammenhang zwischen CED und Parkinson" KI-gestütztes Projekt erforscht Zusammenhang zwischen CED und Parkinson Forschende der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg wollen potentielle Zusammenhänge zwischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und der Parkinson-Krankheit erforschen und so Diagnose und Therapie beider Erkrankungen verbessern.
Mehr erfahren zu: "Neue Maßstäbe für die metagenomische Mikrobiomanalyse" Neue Maßstäbe für die metagenomische Mikrobiomanalyse Ein Forschungsteam der RWTH Aachen hat eine wichtige Methode der metagenomischen Mikrobiomanalyse systematisch auf Potenzial und Grenzen geprüft. Die Ergebnisse sollen ein präziseres Verständnis davon ermöglichen, welche Bakterien den menschlichen […]